Im Gespräch: Overaths Bürgermeister Michael Eyer (CDU) berichtet von seinen Plänen für 2026.
InterviewWas Overaths Bürgermeister Michael Eyer für 2026 plant

Overaths Bürgermeister Michael Eyer hat einige Ideen für das neue Jahr, sieht aber auch Herausforderungen.
Copyright: Anton Luhr
Etwas mehr als zwei Monate ist Overaths neuer Bürgermeister Michael Eyer (59, CDU) nun im Amt und muss sich mit einigen großen Projekten wie den Schulsanierungen auseinandersetzen oder erste Krisen lösen, wie dem abgesagten Weihnachtsmarkt. Was er sich persönlich für Ziele gesteckt hat, wo er Herausforderungen sieht und was sich im nächsten Jahr in Overath ändern könnte, darüber hat Janina Rossignol mit ihm gesprochen.
Herr Eyer, wie sind Sie bisher in Overath angekommen?
Es gibt nach wie vor noch einiges Organisatorisches für mich zu klären. Der Aufbau und die Abläufe in der Kommune oder wieso der Zustand mancher Dinge so ist, wie er ist, das muss ich noch durchdringen. Ich besuche alle Ämter und es gab auch eine Personalversammlung, um alle Kollegen persönlich kennenzulernen und schonmal nachzufragen, wo man helfen kann. Nach außen hin baue ich Kontakte zum Beispiel zur Bezirksregierung und zum Landrat auf.
Und wo kann man helfen?
Die Stelle des zweiten Beigeordneten müssen wir jetzt auf den Weg bringen und uns dafür auf ein Anforderungsprofil einigen. Auf der Verwaltungsvorstandsebene würde es mich sehr freuen, wenn ich mehr Kolleginnen dafür gewinnen könnte. Das wäre mein Ziel, weil dort noch nicht genügen Frauen vertreten sind, dabei machen sie einen Großteil der Verwaltung aus. Das sollte auch auf jeder Ebene repräsentiert werden. Ich denke, das tut einer Verwaltung gut. Mit der Gleichstellungsbeauftragten möchte ich deshalb fördern, dass die Frauen in der Verwaltung ihre Kompetenzen erweitern können.
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Was werden Overaths nächste große Projekte sein?
Das Cyriax-Schulzentrum bleibt ein großes Projekt und wir sind mit dem Stadtsportverband in engem Austausch. Vom Bund gibt es das Investitionsprogramm für Vereine von mehreren hundert Millionen Euro. Mit den Fördermitteln würden wir hier im Sport gerne etwas bewegen, deshalb müssen wir die Anträge bis Mitte Januar abgeben, was recht sportlich ist. Der Haushalt bleibt extrem schwierig, weil die Einnahmen immer geringer werden und es nur noch wenige freie Gewerbeflächen gibt. Da müssen wir kreativ werden, weil wir schon einige Projekte am Laufen haben, zum Beispiel das neue OGGS-Gebäude in Overath oder die Sporthalle. Das ist eben alles eine Geld- und Kapazitätenfrage.
Wo denken Sie, können Sie sich mit Ihren Kompetenzen besonders gut einbringen?
Ich möchte vernünftig wirtschaften, selbst wenn ich der Spielverderber sein muss. Die Mittel sind knapp, das heißt wir brauchen eine gewisse Haushaltsdisziplin, auch im Rat. Ich möchte unsere Projekte deshalb auf den Prüfstand stellen, auch mittelfristig, weil die Wirtschaftlichkeit nicht nur vom Kaufpreis abhängt, sondern zum Beispiel auch von der Lebenszeit der Anschaffung. Die Finanzlage, in der sich Overath befindet, ist keine Folge von schlechtem Wirtschaften. Das liegt daran, dass die Kommunen nicht auskömmlich versorgt sind. Die Aufgaben werden immer größer und finanziell und personell passt die Deckung nicht mehr. Das ist derzeit überall das Gleiche. Bund und Land müssen dringend etwas tun, denn die schwierige Lage wird sich fortführen. Als Kommune immer an der Steuerschraube zu drehen, halte ich für den verkehrten Weg.
Haben Sie ein Herzensprojekt, abgesehen von der Gleichstellung?
Ja, ich biete im neuen Jahr eine Bürgersprechstunde für Kinder an. Die würde sich dann an Kinder vom Grundschulalter an bis knapp unter 16 Jahren richten. Ich möchte wissen, was ihnen wichtig ist. Die Idee kam mir bei der Proklamation des Dreigestirns im Schulzentrum. Dort habe ich viel über und mit der Jugend gesprochen und fand, dass sie auch die Möglichkeit haben sollten, gehört zu werden. Man wird bestimmt nicht immer helfen können, aber dann kann ich zumindest erklären, warum etwas nicht geht oder länger braucht. Und ich möchte das Ehrenamt stärken. Mit einem Haushaltssicherungskonzept muss man da einfallsreich sein. Deshalb vernetze ich mich mit Stiftungen und Unternehmen vor Ort. Mit Gemeinschaftssinn können wir das Beste daraus machen.
Wie sieht es mit der Ojo aus, gibt es dafür schon einen neuen Träger?
Dazu laufen aktuell noch Gespräche. Ich bin in jedem Fall froh, dass wir die drei Stellen besetzt bekommen haben und auch im Haushalt aufnehmen konnten.
Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Rat bisher?
Ich habe seit meinem Amtsantritt den Eindruck gewonnen, dass man sich hier weniger politisch und eher als Gemeinschaft organisiert und das halte ich für wichtig. Manchmal mögen die Wege unterschiedlich sein, aber insgesamt kann man das erkennen. Die Diskussionen sind sachlich und meiner Meinung nach absolut konstruktiv.
Wenn Sie genug Geld hätten, was wären Ihre Schwerpunkte?
Bildung wäre ganz oben auf der Liste, aber auch eine gute Infrastruktur und preiswertes Bauen sind Themen, die mir wichtig sind. Den ÖPNV kann man leider nur bedingt beeinflussen und bezahlbarer Wohnraum muss dringend geschaffen werden. Das, was aktuell auf dem Markt ist, ist überteuert – jemand, der hier arbeitet kann kaum hier wohnen. Das muss besser werden. So müssen die Menschen pendeln, was zum einen Zeit kostet und zum anderen die Umwelt belastet. Die Radwegeinfrastruktur zu verbessern, fände ich auch reizvoll. Schließlich bietet sich die Gegend super für Radtouren an.
Gibt es etwas, das Sie einfach so loswerden wollen?
Es gibt viel zu tun, aber ich habe den Ehrgeiz, Overath etwas besser zu verlassen, als ich es vorgefunden habe. Und für die Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung möchte ich eine Lanze brechen. Die sind sehr motiviert und das auch unter teilweise schwierigen Umständen, wie den Haushalt aber auch personell bedingt. Ich wünsche mir, dass die Menschen freundlich miteinander umgehen.

