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Interview mit Rösraths BürgermeisterSteinbach will die Stadt rasch handlungsfähig machen

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Yannick Steinbach (Fors-Park)  ist seit November vergangenen Jahres Bürgermeister von Rösrath.

Yannick Steinbach (Fors-Park) ist seit November vergangenen Jahres Bürgermeister von Rösrath.

Rösraths neuer Bürgermeister Yannick Steinbach (Fors-Park), der seit dem 1. November im Amt ist, blickt im Interview auf 2025 und die Herausforderungen und Pläne für 2026.

Für Sie persönlich war 2025 ein sehr erfolgreiches Jahr, seit dem 1. November sind Sie Bürgermeister. Wie blicken Sie zurück?

Ich persönlich blicke auf eine sehr herausfordernde Zeit zurück. Der Wahlkampf um das wichtigste politische Amt in der Stadt ist etwas ganz anderes als der   zur Wahl des Stadtrats. Da ist nicht nur die Vielzahl der Termine, die sozusagen nebenbei zu erledigen sind. Vor allem aber ist die Kandidatur für das Bürgermeisteramt damit verbunden, in den Fokus des politischen Gegners zu rücken. Begegnen musste ich auch Zweifeln, in meinem Alter schon für das Bürgermeisteramt geeignet zu sein. Für mich selbst war das Alter nie ein Thema, ich war auch der mit Abstand jüngste Fraktions- und Ausschussvorsitzende, und nach dem Wahlkampf wurden auch etliche Zweifler ruhig. Im übrigen habe ich den Wahlkampf als eine Zeit erlebt, in der ich die Stadt, in der ich mein ganzes bisheriges Leben verbracht habe, noch intensiver kennengelernt habe. Eine sehr lehrreiche Zeit.

Wie ist 2025 aus Ihrer Sicht für die Stadt Rösrath verlaufen?

Ich würde sagen, dass 2025 für Rösrath insoweit gut gelaufen ist, als sich ein gemeinsames Verständnis herausgebildet hat, dass wir als Stadt unsere Infrastruktur auf Vordermann bringen müssen.

Welche Projekte sollen dabei im Vordergrund stehen?

Im Fokus stehen Schulausbau, offener Ganztag und Kitas sowie die Sanierung maroder Straßen. Wir wollen auch einen Generationenpark am Schloss Eulenbroich einrichten, denn es ist wirklich nötig, die Aufenthaltsqualität für Kinder und Jugendliche zu verbessern.

Sie waren mit Ihrem Rückblick aber noch nicht fertig.

Was auch noch gut gelaufen ist für Rösrath, ist, dass es gelungen ist, die Feste in der Stadt erfolgreich durchzuführen, trotz höherer Sicherheitsauflagen. Vom Karneval über die Stadtfeste bis zu den Weihnachtsmärkten konnten wir unser kulturelles und gesellschaftliches Leben aufrechterhalten. Das ist keine Selbstverständlichkeit mehr.

Eine Herausforderung war und ist, die Stadt finanziell richtig aufzustellen.

Ich werde am 101. Tag meiner Amtszeit, bei der nächsten Stadtratssitzung am 9. Februar, den Haushalt 2026 im Stadtrat einbringen. Er ist schon jetzt so gut wie fertig. Trotz des Wechsels im Bürgermeisteramt kommt der Haushalt damit deutlich früher als in der Vergangenheit. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mich da wirklich sehr gut unterstützt und Änderungen, die sich aus der Diskussion ergeben haben, sehr zügig umgesetzt. Klar ist, dass in den letzten Jahren die Finanzausstattung der Stadt nicht mit den Aufgaben mitgewachsen ist, die Grundsteuer wurde seit 2016 nicht angepasst. Ich werde daher vorschlagen müssen, sie anzuheben. Ohne höhere Grundsteuer gibt es keinen genehmigungsfähigen Haushalt.

Wie groß ist das Haushaltsloch?

Bei meinem Amtsantritt lag das anvisierte Defizit bei 17 Millionen Euro, da waren noch Einsparungen möglich. Wichtige Zukunftsprojekte insbesondere im Schulbau sind im Haushalt aber bis jetzt nicht in Gänze abgebildet und lassen sich ohne Grundsteuer-Erhöhung nicht finanzieren. Vor diesem Hintergrund wird der Stadtrat auch entscheiden müssen, ob alle Projekte gleichzeitig anlaufen müssen oder ob wir das über die Jahre verteilen. Ein Beispiel ist die Frage, ob beide Grundschulen im Ortsteil Rösrath gleichzeitig neu gebaut werden sollen oder nacheinander. Angepasst werden müssen auch die Elternbeiträge für die Kitas, die seit zehn Jahren nicht gestiegen sind. Das soll aber nicht der Haushaltssanierung dienen. Vorgesehen ist daher eine sehr moderate Anhebung für das neue Kindergartenjahr, der Stadtrat soll sie im März beschließen, damit die Eltern möglichst früh Klarheit haben.

Angekündigt haben Sie auch, die Gewerbesteuer-Einnahmen der Stadt zu stärken. Dabei steht das geplante neue Gewerbegebiet Rambrücken im Fokus, das bisher wenig vorangekommen ist.

Dafür ist nun der Weg frei. Nach nur sechs Wochen im Amt konnte ich dem Stadtrat vorschlagen, die Fläche in Rambrücken zu kaufen. Am 15. Dezember hat er das in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig beschlossen. Damit wird die Stadt in die Verträge des Investors Go-Green einsteigen. Inzwischen ist das notariell besiegelt und die Kommunalaufsicht beim Rheinisch-Bergischen Kreis hat zugestimmt. Damit können wir nun die Öffentlichkeit informieren. Die Stadt hat es jetzt selbst in der Hand, die Gewerbefläche zu entwickeln. Ich wollte nicht – anders als meine Vorgängerin Bondina Schulze – Go-Green weiterwerkeln lassen, insofern macht es schon einen Unterschied, wer Bürgermeister ist. Das Projekt zeigt, dass es seit meinem Amtsantritt im Rathaus ein ganz anderes Tempo gibt.

Es bedeutet aber auch eine große Investition für die Stadt?

Die Verträge sind so ausgehandelt, dass die Stadt Rösrath erst bezahlen muss, wenn Baurecht besteht. Das heißt, dass der Stadtrat zunächst einen Bebauungsplan beschließen muss, die Stadt ist Herr des Verfahrens. Sobald der Bebauungsplan beschlossen ist, kann sehr zügig die Vermarktung der Grundstücke erfolgen. Dieses Geschäft belastet also den Haushalt vorerst nicht. Ich kann sagen, dass ich mit der ausgehandelten Klausel im Vertrag sehr zufrieden bin. Hervorzuheben ist noch, dass die Fläche in Rambrücken nun ein reines Gewerbegebiet wird – im Gegensatz zu den Plänen von Go-Green, auch Wohnungen zu schaffen. Mit dem Verzicht auf Wohnungsbau haben wir weniger Restriktionen für die Gewerbe-Entwicklung. Unternehmen können sich ab sofort bei der Stadt anmelden.

Neben zusätzlichen Einnahmen ist auch an geringere Ausgaben zu denken. In den letzten Jahren hat es einen starken Zuwachs beim städtischen Personal gegeben. War das zu viel des Guten?

Drei Managerstellen für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Mobilität waren definitiv zu viel. Ich werde vorschlagen, mindestens eine dauerhaft zu streichen. Ansonsten will ich keine ganz neuen Stellen schaffen. Das ist das richtige Signal.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat?

Wenn ich mir den einstimmigen Beschluss zu Rambrücken anschaue, bin ich zuversichtlich. Im Vorfeld war ich bei allen Fraktionen zu Gast – außer AfD und Linke, die wollten nicht. Das ist nach meinem Eindruck bei den Fraktionen gut angekommen und das hat zu dem zügigen Beschluss beigetragen. Ich habe angekündigt, dass ich nicht ein meinungsloser Grüßonkel sein will, aber durchaus ein Dienstleister für alle Fraktionen. Ich bin dafür da, sie mit Informationen zu versorgen, ihnen Rede und Antwort zu stehen und die nötigen Diskussionen zu führen. Das ist aus meiner Sicht gut angelaufen.