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Neue Intensivversorgung „PIK“ 20 Betreuer für 10 Jugendliche in Vilkerath

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Extraschwere Möbel: Ein Wohnbereich im PIK. 

Rhein-Berg/Leverkusen – Idealer wäre die Welt, wenn man das „PIK“ gar nicht bräuchte. Doch man braucht die Einrichtung „Psychiatrienachsorge, Intervention, Krise“, wofür PIK steht, nicht nur im großen Köln, sondern auch im überwiegend ländlichen Rhein-Berg und in Leverkusen. Da, wo der Kreis besonders ländlich ist, in Overath-Vilkerath, hat am Donnerstagnachmittag die Einweihungsfeier für das neue Angebot an der Schnittstelle von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie stattgefunden. Die Diakonie Michaelshoven als Betreiberin bat die Gäste zur Hausführung – eine einmalige Gelegenheit, denn in zwei Wochen ziehen die Patienten ein.

Zehn Patienten, zwanzig Mitarbeiter: Allein schon dieser Personalschlüssel zeigt die Besonderheit des PIK. Diakonie-Vorstand Uwe Ufer nennt ein paar Rahmendaten: 765 Quadratmeter Wohnfläche, 4500 Kubikmeter Rauminhalt: „Das ist gemessen an der Nutzung ein riesiger Klotz, den wir hier bauen“ – aber ein Niedrigenergie-Klotz, der sich sowohl optisch, in der zweiten Reihe, zwischen Kölner Straße und Oberbergischer Bahn, als auch technologisch sehen lassen kann. Geheizt wird mit Erdwärme und Strom gibt es zum Teil aus einer Photovoltaikanlage.

PIK in Zahlen

20

Mitarbeitende werden künftig zehn Patienten betreuen, die je nach Ursache ihres Aufenthaltes bis zu zwölf Monate im Haus leben werden.

4500

Kubikmeter Rauminhalt hat das dreigeschossige Gebäude. Für den Bau wurden 1500 Kubikmeter Erdreich bewegt.

200

Kubikmeter Beton wurden verarbeitet, ferner 76 Türen, 68 Fenster und 250 Steckdosen eingebaut und 6 Kilometer Elektrokabel verlegt, so Vorstand Uwe Ufer.

X

Millionen Euro hat das Projekt gekostet. Genauere Angaben  machte die Diakonie auch auf Nachfrage nicht. (sb)

Zwölf Fachbüros haben an dem Bauwerk geplant, Ufer lobt, dass das alles in großer Transparenz erfolgt sei und die Nachbarschaft mitgewirkt habe. „Es war uns sehr wichtig, dass wir kein Fremdkörper im städtischen Gefüge sind, sondern wir uns in die örtliche Gemeinschaft einfügen und hoffentlich gute Nachbarn sein werden.“

2017 das Projekt in Vilkerath vorgestellt

Tatsächlich hat es bereits 2017 eine Bürgerversammlung gegeben, auf der die Macher ihren Plan vorstellten und auch Nachbarn ihrer gleich ausgerichteten Einrichtung in Köln-Porz zu Wort kommen ließen. Die Overather Kommunalpolitiker stellten sich engagiert und einhellig hinter das Projekt.

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Der Fitnessraum. 

Betreuung und Versorgung auf höchstem Niveau soll es künftig geben in dem Bau, der sich auf drei Etagen verteilt. Das Interieur wirkt zivil und wohnlich, nicht wie eine Klinik, aber einige Finessen gibt es schon. Dazu zählen abgerundete Türgriffe und ultraschwere oder sogar festgeschraubte Tische, Stühle und Betten – eigens hergestellt, damit die jungen Menschen weder sich selbst noch andere in Gefahr bringen können. Die Fenster sind bruchsicher und nicht zu öffnen, stattdessen gibt es ein Belüftungssystem.

Mitarbeiter haben alles im Blick

Von den zentralen Büros im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss haben die Mitarbeitenden alles im Blick – sowohl direkt als auch mithilfe von Kameras. Im zweiten Obergeschoss gibt es unter anderem ein barrierefreies Bad (natürlich hat das Gebäude auch einen Aufzug, um dorthin zu kommen) und einen Unterrichtsraum, in dem die jungen Leute beschult werden.

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Das neue Gebäude liegt zwischen Kölner Straße und Oberbergischer Bahn.

Im ersten Obergeschoss gibt es zudem einen Bereich, in dem laut Geschäftsführer Jörg Marquardt eine „temporäre fakultative geschlossene Unterbringung“ möglich ist. Soll heißen: In dem Patienten stundenweise eingeschlossen werden können, wenn gar nichts anderes mehr geht. Wenn man als Besucher in diesem Bereich steht, merkt man das aber zunächst gar nicht.

Hilfe für die, die es schwerer haben

Vorstand Ufer nennt das Projekt in seiner Begrüßung ein „Zeichen der Hoffnung, dass wir uns um Menschen kümmern, die unsere Hilfe brauchen“. Engagierte Worte spricht auch Jens Volkmer, der an diesem Tag gemeinsam mit Vize-Bürgermeisterin Monika Reddemann (Grüne) die Stadt vertritt und als Leiter des örtlichen Jugendamtes zugleich für seine Kollegen aus Rhein-Berg und Leverkusen spricht.

„Jeder ist seines Glückes Schmied“, zitiert Volkmer ein Sprichwort - aber sei das wirklich so? Er sei froh, in einer Gesellschaft zu leben, in der nicht jeder allein für alles verantwortlich sei. „Wir alle haben Lebensphasen, wo wir Hilfe und Unterstützung gebraucht haben.“ Und er fordert seine Zuhörer, die neuen Mitarbeiter ebenso wie die Jugendamtskollegen, auf: „Lassen Sie uns gemeinsam am Glück der Jugendlichen mitschmieden.“