Abo

HandwerkSchuhmacher-Meister Rolf Brumm feiert 40. Geschäftsjubiläum

4 min
Ein Mann steht hinter dem Tresen einer Schuhmacherei und lächelt.

Schuhmacher-Meister Rolf Brumm aus Overath feiert das 40-järhige Bestehen seiner Schuhmacherei MeisterBrumm.

Seit 40 Jahren betreibt Rolf Brumm seine Schuhmacherei „MeisterBrumm“ mit Leidenschaft.

Rolf Brumm hat etwas erreicht, das sich viele wünschen, aber nicht jeder von sich behaupten kann. „Ich habe in meinem Leben eigentlich alles richtig gemacht“, sagt er zufrieden. „Ich bin gesund, das Geschäft läuft und die Kinder sind versorgt.“ Diese Zufriedenheit macht sich auch in seinem Beruf bemerkbar, denn genau heute, am 1. April, ist es 40 Jahre her, dass Brumm sich als Schuhmacher selbstständig gemacht hat. Und das will er feiern.

Beim Besuch im Geschäft des 63-Jährigen am Bahnhof in Overath, steht Brumm an einem Wagen mit zu bearbeitenden Schuhen. Der Geruch von Leder und Klebstoff steigt einem in die Nase und im Hintergrund ist das Radio zu hören. Der 63-Jährige pinselt gerade abgegebene Paare an der Unterseite mit Klebstoff ein, bevor sie eine neue Sohle erhalten.

Der Nachbar vermittelte

„Zum Beruf bin ich durch meinen Nachbarn, einen Lederhändler, gekommen. Als Schüler hat er mich irgendwann gefragt, was ich später machen will. Ich wusste, dass ich keinen Job in der Fabrik will und ich wollte mit den Händen arbeiten“, erzählt der zweifache Vater in zweiter Ehe. Sein Nachbar habe ihm von einem Schuhmacher in Lohmar erzählt, der Hilfe gebrauchen konnte. So kam es, dass sich Brumm zunächst ein Taschengeld dazuverdiente. „Und das hat mir gut gefallen: abends zu sehen, was man geschafft hat und der Kundenkontakt.“

Nach dem Schulabschluss ging es zur Lehre nach Siegburg. 1986 folgte die Meisterprüfung am Gründonnerstag und schon am Osterdienstag übernahm er eine Werkstatt in Köln-Mühlheim. Etwa zehn Jahre später führte ihn die Anfrage einer Reinigung, die auch einen Schuhreparaturservice anbot, nach Overath. Deren Schuster sei unzuverlässig gewesen und so suchten sie Ersatz. „Dann bin ich mit meiner Werkstatt an den Steinhofplatz gezogen und seit 2011 bin ich am Bahnhof.“

Ein Lederschuh wird an eine Maschine gehalten, die seine Sohle schleift.

Beim sogenannten „Ausputzen“ wird die Sohle und der Absatz nach dem Bearbeiten mit Schleifpapier glatt geschliffen.

Obwohl Brumm wie die Ruhe in Person wirkt, herrscht reger Betrieb. Alle paar Minuten kommt jemand und will Schuhe abholen oder abgeben. „Viele Schuster aus der Region haben entweder geschlossen oder sind verstorben“, erklärt er. Daher habe er inzwischen ein großes Einzugsgebiet. Etwa 90 Prozent seiner Kunden seien Stammkunden. Sie folgen seinem Betriebsmotto „Sohlen durch, Absatz krumm – hin zu Meister Brumm“, das der Overather auf seiner Arbeitskleidung trägt. Für die Treue seiner Kunden in all den Jahren ist Brumm dankbar. „Ich rede immer gerne mit ihnen. Kunden einfach abzufertigen, ist nicht mein Ding.“ Um seinen Laden für sich selbst, aber auch für die Kundschaft attraktiv zu gestalten, hat er sich auch bei der Dekoration Mühe gegeben. Vor dem Geschäft wird man von Blumen, einem großen, zum Handwerk passenden Graffiti-Gemälde und nicht zuletzt von „Fritzl“, wie Brumm die Werbefigur nennt, in Empfang genommen. Der hält einen Korb mit Süßem.

Drei bis vier Tage dauere es, bis die Schuhe bei „normalen“ Arbeiten abgeholt werden könnten. Ein Paar mit neuer Ledersohle und Absätzen koste etwa 50 bis 60 Euro. „Ein echter Lederschuh hält dann ein halbes Leben“, weiß der Experte.

Spezielle Anfragen

Neben Schuhen repariert Brumm auch Gürtel oder Taschen. Manchmal gebe es auch spezielle Wünsche. „Einmal wollte jemand, dass ich ein Zelt repariere. Das habe ich aber abgelehnt, weil das zu viel Zeit gekostet hätte.“ Denn jeden Mittwoch sammelt Brumm zusätzlich Schuhe von Abgabestellen ein, etwa in Reinigungen oder Schreibwarenläden. Damit komme er am Tag auf etwa 30 Paar Schuhe, die er bearbeitet. Am Samstag widme er sich aufwendigeren Arbeiten wie Nähen.

Da Brumm allein arbeitet, bleibt der Laden geschlossen, wenn er im Urlaub ist. Seine Kunden würden immer mal wieder fragen, wie lange er das Geschäft noch betreibe. „Momentan denke ich aber nicht ans Aufhören. Wenn ich nichts mehr zu tun hätte, würde ich eingehen wie eine Primel“, meint der 63-Jährige. Obwohl ein freier Samstag manchmal schon verlockend sei. In seiner Freizeit fährt er nämlich gerne Motorrad.

Zu sehen ist der Außenbereich einer Schuhmacherei mit einer Werbefigur, Blumen und einer Box für Schuhe, die gespendet werden.

Vor dem Laden werden die Kunden von „Fritzl“ und der Spendentruhe für Schuhe in Empfang genommen.

Um etwas von seinem Glück zurückzugeben, setzt sich der Overather auch karitativ ein. „Als die erste Flüchtlingswelle bei uns ankam, habe ich mich gefragt, was ich beisteuern kann.“ In einer gelben Truhe sammelt er seither vor seinem Laden Schuhe für den Verein „Lohmar hilft“, der sie an Bedürftige weitergibt. Auch für die Aktion „Lichtblicke“, die Familien und Kinder in Not unterstützt, sammelt er in einer Spendendose. Vergangenes Jahr sind 781 Euro zusammengekommen, die er auf 900 Euro aufgerundet hat. Die Aktion betreibt er seit neun Jahren.

Zur Jubiläumsfeier lädt Brumm alle, die kommen möchten, ein. Am Samstag, 11. April, gibt es ab 10 Uhr Getränke und Snacks in seinem Laden, An den Gärten 17, in Overath. Die Verpflegung ist kostenlos, über eine Spende für die Aktion „Lichtblicke“ würde er sich aber freuen.

Die MeisterBrumm Schuhmacherei hat montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet, samstags von 9 bis 13 Uhr.