Die Autobahnmeisterei hat mit einem Tag der offenen Tür gefeiert und nicht nur ihre Arbeit, sondern auch allerlei Geräte vorgestellt.
MobilitätWas der 50. Geburtstag der Autobahnmeisterei geboten hat

Zahlreiche Besucher wollten sich einen Eindruck davon verschaffen, was die Männer und Frauen in Orange täglich leisten.
Copyright: Christoph Konkulewski
Hoch oben über der A4, wo sonst nur Bussarde kreisen, schwebt an diesem Sonntag ein weißer Korb. Ein Hubsteiger hat seine hydraulischen Glieder gestreckt. Er hebt Besucher in Höhen, die dem Normalbürger den Magen umdrehen. Wer die Abfahrt Overath hinunterfährt, sieht eine riesige Straßenwärterpuppe. Sie markiert das Revier. Die Autobahnmeisterei Overath feiert Geburtstag. Fünfzig Jahre Dienst am Asphalt.
Ein Tag der offenen Tür, der den Blick schärft für ein System, das wir meist nur als Ärgernis wahrnehmen: die Autobahn. Wenn der Verkehr rollt, denkt niemand an die Männer und Frauen in Orange. Erst wenn es hakt, fluchen wir.
Mit Hightech-Fuhrpark für freie Straßen sorgen
Dabei ist die Meisterei die Herzkammer der Mobilität. Was hier an Spezialgerät auffährt, gleicht einem Hightech-Fuhrpark fürs Grobe. Die Mitarbeiter demonstrieren Maschinen, die Millionen kosten und Leben retten.
Der normale Autofahrer nimmt die Autobahn als gegeben hin. Für ihn ist sie ein graues Band, das gefälligst frei zu sein hat. Höchstens bemerkt er: Links und rechts ist das Gras gestutzt. Nach einem Unfall sind die Trümmer wie von Geisterhand verschwunden. Doch hinter dieser Kulisse läuft ein gnadenloser Takt. Die Aufgabenliste einer Meisterei ist lang, die Arbeit oft lebensgefährlich.

Eine echte Attraktion war der Hubsteiger, mit dem Besucher von oben einen Blick auf die A4 werfen konnten.
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Einmal der ewige Kampf gegen den Verfall: Schlaglöcher markieren oder flicken, Leitplanken nach Einschlägen sichern und reparieren, bevor der nächste Wagen hinein rast. Dann die Pflege des Grüns: Tausende Quadratmeter Böschung mähen, Wildschutzzäune flicken, damit kein Keiler die Fahrbahn kreuzt. Oder die Lebensversicherung im Winter: Tonnen von Salz und Sole auf die Piste bringen, bevor die erste Eisfläche den Verkehr in den Tod reißt. Und Tonnen von Unrat einsammeln, den Ignoranten aus dem Fenster werfen, von Hand.
Vieles davon geschieht, wenn Deutschland schläft. In der Nacht. „Bevor die automatische Sprühmitteltauanlage an der Wiehltalbrücke in Betrieb ging, war das ein echter Knochenjob“, erzählt Mathias Pflieger, ein Mann der Praxis. Bei eisiger Witterung riss ihn der Alarm nachts aus dem Bett in Radevormwald. Mit dem privaten Auto ging es über die glatte Wiehltalbrücke nach Overath. Dort der fliegende Wechsel: rauf auf den Streu-Lkw, zurück zur Brücke, Salz streuen, den Koloss wieder auf den Hof stellen und im Morgengrauen heim. Ein gefährlicher Kreislauf, den heute moderne Technik entschärft.
Rasenmähen per Fernsteuerung
Technik ist auch das Stichwort hinter der großen Fahrzeughalle. Auf einer abgezäunten Wiese brummt es wie im Bienenstock. Pflieger betreut hier ferngesteuerte Mähmaschinen. An diesem Sonntag hat er das Steuer aus der Hand gegeben. Kinder führen mit leuchtenden Augen die Joysticks.
Was spielerisch wirkt, hat einen ernsten Hintergrund. „Die Fernsteuerung erhöht die Arbeitssicherheit drastisch, besonders auf steilen Böschungen“, sagt der Fachmann. Früher zwängten sich die Fahrer stundenlang in schrägstehende Kabinen. Trotz ergonomischer Sitze eine Tortur für die Wirbelsäule. „Viele dieser Spezialgeräte kommen übrigens aus Österreich“, schmunzelt Pflieger. „Die haben dort einfach mehr Erfahrung mit extremen Hanglagen.“

Auch der Hightech-Fuhrpark der Autobahnmeisterei wurde am Tag der offenen Tür zur Schau gestellt.
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Draußen dröhnen die Maschinen, drinnen bietet die leergeräumte Halle Schutz vor der Sonne. Wo sonst Räumschilde lagern und Lkw parken, stehen jetzt Biertische. Es gibt Würstchen, Kuchen, kalte Getränke. Daneben erproben die Besucher spielerisch, was die Männer und Frauen in Orange täglich leisten: höchste Konzentration.
Große und kleine Gäste versuchen, mit einem Metallstab eine stilisierte Autobahn abzufahren. Jede Berührung des Randes quittiert ein unbarmherziges Meckern. Wer hier scheitert, merkt schnell, wie eng es auf der echten Spur zugeht.
Verkehrsschilder aus der Nähe sehen
Dann ein Wald aus Verkehrsschildern. Schilder, an denen man sonst mit Tempo 130 achtlos oder genervt vorbeirast. Hier stehen sie stumm. Man kann sie anfassen und ihre wahre, oft riesige Dimension begreifen.
Zurück zum Hubsteiger. Ein älterer Herr betritt mit seinem Enkel den Korb. Die Hydraulikpumpe surrt an, der Korb hebt ab, dem Himmel entgegen. „‚Oma, kommst du mit?‘, hat mich der Junge vorher gefragt“, sagt eine Dame. „Ich habe abgewunken“, meint sie lachend. Soll der Opa mal machen. Sie zückt das Smartphone und bannt ihre Männer im Korb auf den Bildschirm. Über ihnen der blaue Himmel, unter ihnen ein Fünfzigjähriger, der dafür sorgt, dass das Bergische Land in Bewegung bleibt.
