Nicht alle Badegäste können ihr Schwimmvermögen richtig einschätzen. Das Problem ist auch im Freibad Hoffnungsthal bekannt.
FreibadHoffnungsthaler Bademeister berichtet aus seinem Arbeitsalltag

Kamill Redlich arbeitet im Freibad Hoffnungsthal. Die Sicherheit der Badegäste hat für ihn oberste Priorität
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Ein Panorama-Blick auf die satt bewaldeten Hoffnungsthaler Berge. Klarstes Wasser, reine Becken, saubere Umkleidebereiche. Auch das „freundliche Personal“ führt immer wieder zu deutschlandweiten Bestbewertungen im Netz für das von den Stadtwerken Rösrath betriebene Freibad Hoffnungsthal.

Das Freibad in Hoffnungsthal ist sehr beliebt
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Zum „freundlichen Personal“ gehört seit 2010 auch Kamill Redlich. Seit 16 Jahren sorgt der 38-jährige, ehemalige Leistungsschwimmer als Bademeister, Badebetriebsleiter und Rettungsschwimmer am Beckenrand des idyllisch gelegenen Bades für funktionierende Technik, Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit.
Einfacher geworden ist das in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten nicht. „Die Gesellschaft hat sich negativ entwickelt“, so Redlich. Eines aber vorneweg: Schlägereien oder sogar Messerattacken wie im Freibad in Berlin-Neukölln gibt es hier nicht. Hier randalieren auch keine Jugendbanden wie in einem Duisburger Freibad, wo im Juni strengste Einlasskontrollen eingeführt wurden.
Trotzdem gibt es vor allem an Hitzetagen im Hoffnungsthaler Bad einen Security-Dienst. Denn mit seinem freundlichen, aber bestimmten Umgangston ist Redlich bei Missachtung der Hausordnung von Badegästen heutzutage schnell am Ende. Selbst objektiv nachvollziehbarste Anweisungen werden nicht mehr akzeptiert.
Störer reagieren nicht
Überlaute und störende Musikboxen auf der Liegewiese, Missachtung des Foto- und Videoverbotes, Verstöße gegen die Sicherheitsbestimmungen, Empörung und Wut bei notwendig gewordenen Einlassstopps: „Man weist die Leute höflich auf ein Fehlverhalten hin. Früher hätten sie gesagt ‚Alles klar, Entschuldigung.‘ Aber das funktioniert heute nicht mehr.“ Für Diskussionen aber haben Redlich und sein Team überhaupt keine Zeit. „Wir holen dann den Sicherheitsdienst, damit wir uns weiter auf die Aufsicht konzentrieren können.“
Die Sicherheit der Gäste hat für Redlich oberste Priorität. Auch hierbei machen ihm die veränderten Verhaltensweisen der Badegäste Kummer: „Was wirklich überhandgenommen hat, sind Nichtschwimmer und dass Eltern nicht auf ihre Kinder achten.“
Dabei weist ein unübersehbarer Aushang auf die Aufsichtspflicht hin, doch auch die werde oft genug missachtet. So steht Redlich täglich mit geschultem und fokussiertem Blick am Wasser und achtet darauf, dass niemand ertrinkt. Wenn wie in der letzten Hitzephase das Bad gerammelt voll ist, wird die Aufsicht zu einer fast unlösbaren Aufgabe.
Einlassstopp bei 2000 Badegästen
Normalerweise ruft das Bad bei etwa 2000 Badegästen über seine Kommunikationskanäle einen Einlassstopp aus, an besonders heißen Tagen auch schon mal früher. Denn bei Temperaturen weit über 30 Grad sind die meisten Menschen nicht auf den Wiesen, sondern in den Becken. „Dann wird es unübersichtlich für uns und dann sagen wir aus Sicherheitsgründen: Jetzt ist Feierabend“, berichtet Redlich.
Mittlerweile sind es nicht nur die nichtschwimmfähigen, oft unbeaufsichtigten Kinder, die zu Sicherheitsbedenken führen. „Ab 2016, 2017 fing es an, dass erwachsene Männer hier ins Bad kommen, offensichtlich nicht schwimmen können, aber vom Drei-Meter-Turm springen und nicht mehr hochkommen.“ Redlich, der sie dann herausholt, schüttelt über dieses Verhalten verständnislos den Kopf. „Die Gesellschaft hat sich wirklich verändert und die Anpassung daran, das ist unsere Aufgabe.“
