Ausschuss erteilt Vorhaben des Flughafens, die befristeten Nachtflugauflagen dauerhaft aufzuheben, eine Absage
RösrathWie der Fluglärm über der Stadt ausgebremst werden kann

Thomas Velling, der die Stadt Rösrath in der Fluglärmkommission vertritt, zeigte auch Beeinträchtigungen durch den Flugverkehrs auf der Königsforstroute
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So wie die Nachbarkommunen hat sich nun auch Rösrath positioniert: Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Verkehr hat in seiner Sitzung am Montag einstimmig beschlossen, sich gegen den Antrag der Flughafen Köln/Bonn GmbH auszusprechen, die befristeten Nachtflugauflagen dauerhaft aufzuheben. Die Absage geht in Kürze ans NRW-Umweltministerium.
Bevor das einstimmige Votum der Ausschussmitglieder, ohne Enthaltungen oder Gegenstimmen, fiel, hatte Thomas Velling, der die Kommune ehrenamtlich in der Fluglärmkommission vertritt, das Wort. Er präsentierte dem Gremium einen kritischen Sachstandsbericht inklusive Faktencheck zum Antrag sowie zur umstrittenen Königsforstroute für den Flugverkehr. Velling ist Diplom-Ingenieur für allgemeine Elektrotechnik, wohnt in Kleineichen und ist im Vorstand des Bürgervereins Fluglärmschutz Rhein-Berg aktiv.
Es wird nicht gesagt, ihr müsst alle fünf Jahre leiser werden. Man muss nur alle fünf Jahre nachweisen, dass man leiser als 1997 ist.
Der nächtliche Flugbetrieb am Flughafen Köln/Bonn ist an Auflagen gebunden, die das Land NRW 1997 festgelegt und 2008 bis zum 31. Oktober 2030 befristet verlängert hatte. Am 10. März 2026 beantragte der Flughafen Köln/Bonn wiederum beim NRW-Umweltministerium, diese Befristung ersatzlos aufzuheben und die Regelung dauerhaft festzuschreiben.
Begründet wird dies auch mit der Planungssicherheit des Logistikunternehmens UPS, das rund 475 Millionen Euro in sein Frachtdrehkreuz investieren will und dafür angesichts langer Abschreibungszeiträume schon heute eine dauerhaft gesicherte Nachtflugregelung benötige. Dazu hat das Ministerium die Stadt Rösrath am 19. Mai zur Stellungnahme aufgefordert. Die Frist dafür endet am 17. Juli.
Bürgermeister Steinbach spricht sich im Namen der Stadt gegen die Entfristung aus
In der jetzt vom Ausschuss beauftragten Stellungnahme spricht sich Bürgermeister Yannick Steinbach (Fors-Park) für die Stadt gegen die Entfristung aus – Rösrath sei „eine der stark vom Nachtfluglärm betroffenen Kommunen“. Die Stellungnahme, die auch schon andere umliegende Kommunen abgegeben haben, fordert nachvollziehbare Lärmberechnungen auf Basis von Messdaten statt der bisherigen umstrittenen Methodik. Außerdem sollen höhere Zuschläge für Starts und Landungen in der Kernruhezeit von 23 bis 5 Uhr nächtlichen Flugverkehr unattraktiv machen. Passagierflüge zwischen 0 und 5 Uhr sollen verboten werden. Zudem wird eine neue, vom Flughafen finanzierte unabhängige Gesundheitsstudie gefordert; zuletzt waren 2010 die Risiken von Nachtfluglärm für das Herz-Kreislauf-System untersucht worden. Darüber hinaus fordert der Bürgermeister ein verbindliches Lärmminderungskonzept unter Beteiligung der Anliegerkommunen, der Fluglärmkommission und der Bürgerschaft.
Bevor die Ausschussmitglieder dieser schriftlichen Antwort an das Land ihr Go gaben, erläuterte Thomas Velling die aus seiner Sicht problematischen Mechanismen der bestehenden Regelung: Die Lärmauflagen von 1997 würden zwar formal alle fünf Jahre überprüft, maßgeblich sei aber nicht die tatsächliche Lärmbelastung, sondern eine rechnerisch ermittelte Fläche, in der mindestens sechs nächtliche Flugereignisse über 75 dB(A) auftreten müssen. Leisere Ereignisse blieben unberücksichtigt, selbst wenn sie häufiger auftreten. Zudem diene weiterhin 1997 als Vergleichsjahr, kritisierte Velling: „Es wird nicht gesagt, ihr müsst alle fünf Jahre leiser werden, sondern man muss nur alle fünf Jahre nachweisen, dass man leiser als 1997 ist. Und das möchte man jetzt auf alle Zeiten festschreiben.“
Anliegerkommunen haben sich bereits auf gemeinsame Forderungen verständigt
Velling verwies zudem auf eine Sondersitzung der Fluglärmkommission am 2. Juli 2026, in der sich die Anliegerkommunen auf gemeinsame Forderungen verständigt hätten: dynamische statt flächenbezogene Messvorschriften, ein Passagierflugverbot von 0 bis 5 Uhr sowie eine erneute Befristung statt dauerhafter Festschreibung.
Er bezweifelte zudem Angaben des Flughafens, wonach ein Nachtflugverbot vier Millionen Passagiere und tausende Arbeitsplätze kosten würde. So kommt Velling auf Basis einer eigenen Anfrage beim Flughafen auf einen Rückgang um knapp zwei Millionen Passagiere, die dann nicht mehr nachts fliegen könnten. Beim drohenden Jobverlust verweist Velling auf den hohen Anteil ausländischer Billigflieger mit Mitarbeitenden, die im Ausland angestellt seien. Und die fehlende Nachtschicht für das Bodenpersonal am Flughafen könne durch einen höheren Bedarf am Tag kompensiert werden, so Velling weiter.
