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Kritik an Abschiebungen aus NRWFamilie wird zum Vater ausgeflogen, der sie töten will

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Über die Flughäfen in Nordrhein-Westfalen wurden insgesamt 3 216 Menschen außer Landes gebracht. Allein auf den Flughafen Düsseldorf entfielen 2.934 Abschiebungen.

Über die Flughäfen in Nordrhein-Westfalen wurden insgesamt 3 216 Menschen außer Landes gebracht. Allein auf den Flughafen Düsseldorf entfielen 2.934 Abschiebungen. 

Mehr als 3200 Menschen sind im Jahr 2025 über die Flughäfen in Nordrhein-Westfalen abgeschoben worden, das sind sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor. Nicht alle Abschiebungen verlaufen problemlos.

Als sie am Flughafen ihr Gepäck aufgibt, bricht sie in Tränen aus. Die alleinerziehende Mutter von vier Kindern sagt, sie habe Angst, nach ihrer Abschiebung nach Albanien ihrem gewalttätigen Ehemann erneut ausgeliefert zu sein. Mehrfach habe dieser versucht, sie und die gemeinsamen Kinder zu töten. Nun befürchtet sie, dass er von ihrer Rückkehr erfährt und seine Drohungen wahr macht.

Die Frau, deren Kinder zwölf, zehn, fünf Jahre und elf Monate alt sind, schildert den Abschiebungsbeobachtern ihre Verzweiflung. Sie wisse nicht, an wen sie sich in Albanien wenden könne. Kontakte zu Verwandten oder Bekannten würden den Aufenthaltsort der Familie verraten. Eine andere Unterkunft als die Familie habe sie nicht. „Ich habe keine andere Wahl“, sagt sie.

Der Fall gehört zu den Beispielen, mit denen die Abschiebungsbeobachtung NRW in ihrem aktuellen Jahresbericht auf Schwachstellen bei Rückführungen aufmerksam macht. Die unabhängige Stelle begleitet Abschiebungen an den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn von der Übergabe der Betroffenen bis zur Flugzeugtür. Nach Einschätzung der Beobachter werden Schutzbedürfnisse besonders vulnerabler Menschen im Abschiebungsvollzug weiterhin nicht durchgängig berücksichtigt.

2934 Abschiebungen vom Düsseldorfer Flughafen

„Unsere Beobachtungen zeigen, dass bestehende Schutzverpflichtungen, insbesondere gegenüber vulnerablen Personen, im Abschiebungsvollzug weiterhin nicht durchgängig berücksichtigt werden“, sagt Mertin Sayim, Abschiebungsbeobachter der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe.

Der Bericht erscheint zu einer Zeit, in der die Zahl der Abschiebungen weiter steigt. Nach Angaben der Bundesregierung wurden im Jahr 2025 insgesamt 22 787 Menschen aus Deutschland abgeschoben. Das waren 13,5 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Statistik enthalten sind auch Überstellungen in andere EU-Mitgliedstaaten nach der Dublin-III-Verordnung.

Auch Nordrhein-Westfalen verzeichnet einen Anstieg. Das Land führte im vergangenen Jahr 4784 Abschiebungen und Zurückschiebungen durch – 344 mehr als 2024. Über die Flughäfen in NRW wurden insgesamt 3216 Menschen außer Landes gebracht. Allein auf den Flughafen Düsseldorf entfielen 2934 Abschiebungen. Damit bleibt der Airport nach Frankfurt der zweitwichtigste Abschiebungsstandort Deutschlands.

Kritik an überraschenden Abholungen

Insgesamt legte die Abschiebungsbeobachtung im vergangenen Jahr 70 Einzel- und Familienfälle vor, die sie als besonders problematisch einstuft. Wiederkehrend dokumentierten die Beobachter fehlendes oder unvollständiges Gepäck, nicht ausgehändigte Dokumente, den Entzug von Mobiltelefonen bereits bei der Abholung sowie unangekündigte Abschiebungen.

Gerade diese überraschenden Abholungen stellten Kinder, psychisch erkrankte Menschen und Familien häufig vor besondere Belastungen, heißt es im Bericht. Zwar seien unangekündigte Abschiebungen rechtlich zulässig, die Folgen für Betroffene könnten jedoch erheblich sein. Kritisch sehen die Beobachter auch einen Fall, in dem eine mehrfach schwerbehinderte Person abgeschoben wurde, ohne dass die Rahmenbedingungen aus ihrer Sicht ausreichend an deren besondere Bedürfnisse angepasst gewesen seien.

Familien getrennt

Besonders häufig standen Kinder im Mittelpunkt der Beobachtungen. In 20 der 70 dokumentierten Fälle ging es um Fragen des Kindeswohls. In acht Fällen beobachtete die Abschiebungsbeobachtung, dass Familien infolge der Abschiebung getrennt wurden.

Das nordrhein-westfälische Familienministerium weist die grundsätzliche Kritik nicht zurück, betont aber die bestehenden Standards. „Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen legt großen Wert darauf, dass Rückführungsverfahren nachvollziehbar ausgestaltet sind und sich an geltenden rechtlichen sowie humanitären Maßstäben orientieren. Diese werden fortlaufend überprüft und bei Bedarf weiterentwickelt“, sagt Manuel Kamp vom Ministerium.

Auch die Bundespolizei bewertet die Arbeit der unabhängigen Abschiebungsbeobachtung positiv. Sie sorge für Transparenz im Rückführungsprozess und ermögliche einen regelmäßigen Austausch zwischen den beteiligten Behörden und Institutionen.