Literaturwettbewerb der Gruppe 48Bücherfreunde aus ganz Deutschland beim Finale dabei

Lesezeit 3 Minuten
Beim Finale traten (v.l.) Karin Posth, Angie Volk, Torsten Himstedt, Sophia Oberhuber, Angelica Seithe und Helen Landsberger an.

Beim Finale traten (v.l.) Karin Posth, Angie Volk, Torsten Himstedt, Sophia Oberhuber, Angelica Seithe und Helen Landsberger an.

Rösrath – Andächtige Stille herrscht im Saal der Bildungswerkstatt von Schloss Eulenbroich am Sonntag – der Verein „Die Gruppe 48“ hat zum Finale des Literaturwettbewerbes 2018 eingeladen. Gekommen sind rund 50 Literaturliebhaber aus ganz Deutschland, darunter die kompetenten Jurymitglieder, meist Literaturwissenschaftler, die sechs Finalteilnehmer und die nicht minder kompetenten Besucher.

In einem anonymisierten Auswahlverfahren hat die Jury unter 341 Wettbewerbsteilnehmern drei Autoren für das Prosa-Finale nominiert, und weitere drei Autoren für den Förderpreis. „Insgesamt haben wir eine Lyrik-Kopflastigkeit, da die ausgewählten Gedichte nach Ansicht unserer Jury die qualitativ besten Beiträge waren“, berichtet die Vorsitzende Dr. Hannelore Furch, Literaturwissenschaftlerin aus Rösrath. „Zwei Damen aus der Finalrunde 2017 haben in diesem Jahr erneut die Endrunde erreicht – Karin Posth und Angelica Seithe.“ Seithe, Psychologin und Psychotherapeutin, beeindruckt mit Gedichten, die enge Verflechtungen zwischen Natur und Beziehung eingehen. „Wir teilen das Moos unsrer Jahre, es wächst mir herüber von dir, unsere hängenden Zweige berühren die Zeit“, lauten die letzten Zeilen des Werks „Lichtung“.

Komplimente von der Jury

Die Jury entdeckt im anschließenden Gespräch mit der Lyrikerin „Sprachbilder von großer Kraft“, das Zusammenspiel von Vortrag und Stimmlage, sieht Erinnerungen an Ingeborg Bachmanns Sprache. „Ein Kompliment“, wertet die Profi-Lyrikerin Angelica Seithe. „Aber ich liebe meinen eigenen Ton.“ Doch aus der Reihe der Zuhörer lobt Kollege Torsten Himstedt explizit den Vers „trinken, wenn der Boden blüht aus Lachen blauer Blumen“, sieht Synergien zu eigenen Gedankengängen.

Nachdem das Publikum sein Votum für die Preisverleihung abgegeben hat und die Jury sich nach sechs Vorträgen zurückzieht für die Platzierung im Finale, erhält Torsten Himstedt aus Frankfurt/Oder den mit 1200 Euro dotierten „Preis der Gruppe 48“. „Gedankenverloren tänzeln und schlenzen auf rotlinierten roten Grenzen zwischen dem Grau des Altbewährten“, beginnt das Gedicht „Die Zukunft war gestern“. Publikum und Jury hoben die Weisheit der Texte, die Vielseitigkeit, aber auch das variable Versmaß ohne Stolperfallen hervor.

Das könnte Sie auch interessieren:

Und beim Förderpreis der Gruppe 48 gibt es wegen der Stimmengleichheit gleich drei Preisträgerinnen: Helen Landsberger aus Schriesheim, Sophia Oberhuber aus München, Angie Volk aus Berlin. Der Förderpreis über 800 Euro wird um 100 Euro aufgestockt, damit jede von ihnen 300 Euro mit nach Hause nehmen kann – dank Sponsoring der Dr.-Jürgen-Rembold-Stiftung. Und alle Finalautoren erhalten je 250 Euro Nominierungshonorar von der Sponsorin Dr. Uta Oberkampf aus Rösrath.

Im Nu verfliegt die Zeit bei der mehrstündigen Veranstaltung, die versiert und klug von Dr. Friederike Römhild moderiert wird. Obwohl die meisten noch eine weite Heimreise vor sich haben, finden Diskussionen und Austausch noch lange kein Ende. „Schloss Eulenbroich ist auch ein besonderer Ort für Lyrik und Prosa“, findet Christel Bröer, Vorsitzende des Vereins Nord-Buch, die mit ihrem Mann aus Kiel angereist ist. Im nächsten Jahr soll nach einer Vorrunde in Berlin das Finale wieder in Rösrath stattfinden, gibt die Vorsitzende Dr. Hannelore Furch freudig bekannt.

www.die-gruppe-48.net

Nachtmodus
KStA abonnieren