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Grundschule oder Feuerwehr?Geburtenknick kippt 40-Millionen-Neubau der GGS Hoffnungsthal

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Eine Ansicht der von der Sonne beschienenen Ortsmitte von Hoffnungsthal aus der Vogelperspektive mit Schule, Schulhof, Freibad-Parkplatz und Hauptstraße.

Mitten im Ort befindet sich die Hoffnungsthaler Grundschule (1), auf deren Schulhof (2) samstags der Wochenmarkt stattfindet und hinter der sich früher das Feuerwehrgerätehaus samt Schlauchturm (3) befand. Auf der einen Seite grenzt das Gelände an die Hauptstraße (4) an, auf der anderen an die Rotdornallee (5), an der sich gegenüber auch der Parkplatz (6) des Freibads befindet. Nicht weit entfernt: die Verkehrsachse Hofferhofer Straße (7).

Neue Schulprognose bringt Einigung: Rösrather Schule bleibt in der Ortsmitte, Feuerwehr zieht um auf Grundstück an Bergischer Landstraße.

In Hoffnungsthal ist die Diskussion über die Standorte von Grundschule und Feuerwehr offenbar geklärt: Die Grundschule bleibt auf ihrem jetzigen Grundstück in der Ortsmitte, das Feuerwehrhaus Hoffnungsthal zieht auf das von der Stadt neu erworbene Grundstück an der Bergischen Landstraße, wie von der Feuerwehr gewünscht. Das ist das Ergebnis der jüngsten Sitzung des Feuerwehr-Arbeitskreises, in dem Feuerwehr, Kommunalpolitik, Stadtverwaltung und Stadtwerke zusammenwirken. Eine Mehrheit im Stadtrat für das jetzt ausgehandelte Ergebnis ist absehbar.

Dreh- und Angelpunkt der Verständigung ist, dass die Zahl der Geburten in Rösrath in den Jahren 2023, 2024 und 2025 deutlich zurückgegangen ist. Nach den neuesten Daten der Stadt wurde 2025 demnach ein Tiefststand von 207 Geburten erreicht – gegenüber etwa 270 bis 330 Geburten in den ersten zwei Jahrzehnten des Jahrtausends.

Da reden wir von 30 bis 40 Millionen Euro für den Neubau, die der Steuerzahler in Rösrath nicht zu leisten hat.
Yannick Steinbach, Bürgermeister

Die Stadt geht somit von einer deutlichen Trendwende aus und in der Folge von einer geringeren Zahl von Klassen in den Grundschulen. Für die Grundschule Hoffnungsthal heißt das, dass der bisher prognostizierte Bedarf für künftig 3,5 Klassen pro Jahrgang (also mal drei, mal vier Klassen) zu hoch angesetzt und der bisher geplante Ausbau zu einer vierzügigen Schule schlicht nicht mehr erforderlich ist.

Das rote Feuerwehr-Gebäude an seinem aktuellen Standort an der Hauptstraße.

Seit Jahren zu klein: das Feuerwehrhaus (11) in Venauen neben den Stadtwer ken (12) an der Hauptstraße (13).

Mit dieser veränderten Prognose ist der bisher anvisierte Neubau der Schule auf dem Grundstück an der Bergischen Landstraße überflüssig, und das löst mehrere Probleme. So ist die schwer verdauliche Aussicht, die Grundschule, die derzeit für viel Geld erweitert wird, bereits in wenigen Jahren wieder zu verlassen und abzureißen, um den anvisierten Neubau zu beziehen, offenbar vom Tisch. „Da reden wir von 30 bis 40 Millionen Euro für den Neubau, die der Steuerzahler in Rösrath nicht zu leisten hat“, stellt Bürgermeister Yannick Steinbach (Fors-Park) erleichtert fest. Eine massive „Belastung“ des Haushalts entfalle.

Auch die Freifläche für den Wochenmarkt bleibt erhalten

Hocherfreut zeigt Steinbach sich insbesondere darüber, dass die bisherige „Konkurrenzsituation zwischen Schule und Feuerwehr“, die beide Bedarf für das Grundstück an der Bergischen Landstraße anmeldeten, nicht mehr bestehe: „Es gibt keine Verlierer.“ Im Gegenteil, viele werden die neue Standortplanung begrüßen: Der von vielen gewünschte zentrale Standort der Schule in der Ortsmitte bleibt erhalten, dabei muss die Freifläche für den Wochenmarkt nicht angetastet werden.

Zugleich werden die dringenden Erwartungen der Feuerwehr, die einen zentraler gelegenen Standort für ihr Feuerwehrhaus forderte, erfüllt. Der zentralere Standort ist nötig, um die oft lebenswichtige Hilfsfristen einzuhalten.

Kreis bekommt in Venauen Flächen für geplante Rettungswache

Ein erfreulicher Effekt der neuen Planung ist zudem, dass der Rheinisch-Bergische Kreis in Venauen, wo durch den Wegzug der Feuerwehr Flächen freiwerden, die geplante Rettungswache für das Stadtgebiet einrichten kann, sie soll 24 Stunden besetzt sein. „Das ist ein toller Mehrwert für die Sicherheit der Stadt“, findet Steinbach. Die zentralen Werkstätten der Feuerwehr, die ausgebaut werden sollen, verbleiben am Standort Venauen.

Das gerodete Grundstück an der Bergischen Landstraße wird neuer Standort der Feuerwehr.

Als neuer Feuerwehrstandort vorgesehen: das Grundstück (8) zwischen Bergischer Landstraße/Hauptstraße (9) und „Auf dem Rosenberg“

Er habe sich bemüht, die in der letzten Wahlperiode immer wieder hinausgeschobene Sitzung des Feuerwehr-Arbeitskreises möglichst bald zu ermöglichen, um die „Hängepartie“ rund um die Planung für Hoffnungsthal zu überwinden, so Steinbach. Er habe Hand in Hand mit dem Ersten Beigeordneten Martin Stolte aber zunächst noch wichtige Vorarbeiten erledigt – insbesondere die Klärung der Geburtenzahlen und zu erwartenden Schülerzahlen. Das habe sich gelohnt.

Schulausschuss berät noch, finaler Rats-Beschluss am 9. Februar

Mögliche Kritik, dass die Grundschule Hoffnungsthal, aber auch die anderen Grundschulen nicht schon in die Überlegungen zum künftigen Raumbedarf einbezogen wurden, will Steinbach zerstreuen. „Die Verwaltung wird intensiv mit den Schulleitungen sprechen“, kündigt er an. Zudem werde selbstverständlich der Schulausschuss beraten, bevor der Stadtrat zu einem „finalen Beschluss“ komme.

Es sei aber klar: „Wir müssen keine Schule bauen für Kinder, die es nicht gibt.“ Verzichtbar sei nun auch, ein Planungsbüro mit einer „Gesamtplanung“ für Hoffnungsthal zu beauftragen, wie vom Stadtrat beschlossen: Der Stadtrat könne den Beschluss in seiner nächsten Sitzung am 9. Februar zurücknehmen.