Abo

RösrathAusschuss für Stadtentwicklung sagt Nein zu Radarturm

4 min
Folgen
Eine grafische Zeichnung /Aufsicht innerhalb eines Waldgebietes

Das städtische Grundstück an der Brander Straße im Entwurf, grün umrandet: links (weiß) das zugehörige Versorgungsgebäude, daneben der Radarturm. Er hätte eine Gesamthöhe von 50 Metern.

Wichtige Fragen der Ausschussmitglieder zu Emissionen, zu Folgen fürs Stadtbild und zu Alternativstandorten blieben unbeantwortet

Ein Radarturm, viele Fragen. Auf einige konnten die Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Flugsicherung (DFS) des Bundes am Montagabend im Stadtentwicklungsausschuss (noch) keine Antwort geben. Und das, was die DFS-Vertreter sonst vortrugen, fanden die Ausschussmitglieder nicht überzeugend. Sie erteilten einem Radarturm in Rösrath eine Absage. Zuvor hatte die DFS dem Ausschuss ihre Pläne für eine Radaranlage zur Ortung des Luftverkehrs vorgestellt. Der Radarturm soll auf städtischem Grund gebaut werden, auf einem knapp 8900 Quadratmeter großen Grundstück an der Brander Straße gegenüber Hausnummer 152, der ehemaligen Gaststätte „Bambi“.

Ursprünglich hatte die DFS vorgehabt, ihre stark sanierungsbedürftige Anlage in der Wahner Heide neben dem Flughafen Köln/Bonn wieder instand zu setzen. Während der Sanierungsarbeiten sollte auf besagter städtischer Fläche vorübergehend eine Ersatzanlage den Luftraum erfassen. Dann kam die DFS jedoch zu der Einschätzung, dass das ursprünglich nur als Interim gedachte Grundstück der Stadt Rösrath auch das Zeug zum Dauerstandort hat.

Wir stehen hier zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit unseren Ideen – maximale Offenheit und Transparenz
Arno Kennig, Programmleiter Radarerneuerung DFS

Der Ausschuss hatte dazu vielerlei Fragen und Einwände. Besonders heftig diskutiert wurde der Punkt elektromagnetische Emissionen. Die DFS-Vertreter hatten in ihrer Präsentation mit Sicherheitsabständen von 17 bis 20   Metern argumentiert und betont, dass die Hauptabstrahlrichtung der Antenne nach oben gerichtet sei.

Für mehrere Ausschussmitglieder war das keine beruhigende Auskunft. Sie verwiesen auf die Rösrather Höhenlagen wie Lüghausen oder Eigen. Da diese Ortslagen oberhalb der geplanten Antennenhöhe von 43 Metern lägen, seien sie damit nicht mehr durch den vertikalen Abstrahlwinkel geschützt. Mitglied Marc Schönberger (CDU): „Sie schicken über diese Radarstation 180 Kilometer Funkwellen raus, die dann von Flugzeugen reflektiert werden und immer noch in messbarer Stärke wieder zurückkommen.“ Wie viel Sendeleistung das Gerät dafür tatsächlich benötigt, blieb die DFS schuldig. Die Frage nach der konkreten Wattzahl wurde zur schriftlichen Nachlieferung mitgenommen.

Ein 50 Meter hoher Turm würde das Stadtbild beeinträchtigen

Daneben beschäftigte die Mitglieder der Eingriff ins Stadtbild. Das derzeit höchste Gebäude in Rösrath, das Hochhaus Im Weidenaul, messe rund 21 Meter. Der geplante Radarturm käme allein im Betonbau auf 43 Meter, mit Antenne und Blitzschutz auf knapp 50. Die Ausschussmitglieder hätten dazu gerne eine Visualisierung gehabt, die zeigen würde, von welchen Punkten im Stadtgebiet der Turm zu sehen wäre. Aber die lag zur Sitzung nicht vor. Die DFS sagte jedoch zu, eine solche Studie noch nachzureichen.

Auf grundsätzliche Kritik stieß auch die Standortwahl selbst. Mehrere Ausschussmitglieder wiesen darauf hin, dass die Unterlagen der DFS auch Standorte auf oder in unmittelbarer Nähe des Flughafens Köln/Bonn als technisch geprüft ausweisen. Dort lebten keine Menschen dauerhaft.

An an der Brander Straße liegt Wohnbebauung in unmittelbarer Nähe

Anders an der Brander Straße, wo Wohnbebauung in unmittelbarer Nähe des geplanten Grundstücks liegt. Für Ausschussmitglied Achim Müller (CDU) ein Unding: „Eine Radaranlage gehört an den Flughafen – da wohnt kein Mensch.“ Die DFS indes verwies hier auf technische Einschränkungen: Gebäude des Flughafens erzeugten Abschattungen, und Reflexionen an großen Fassaden beeinträchtigten die Zuverlässigkeit der Anlage. Zudem sei die zulässige Bauhöhe am Flughafen begrenzt. Ob diese Einschränkungen jeden Alternativstandort ausschließen, blieb offen.

Auf Kritik stieß auch das Auswahlverfahren selbst. Die DFS zeigte in der Sitzung eine Karte mit insgesamt 16 geprüften Alternativstandorten. Projektleiter Arno Kennig betonte, dass man sich bewusst früh an die Stadt gewandt habe. So liegt ein förmlicher Bauantrag der DFS noch nicht vor. Um gleichwohl möglichst bald einen Pachtvertrag über das städtische Grundstück abschließen zu können, hatte sie bei der Stadt Rösrath die Bereitschaft dafür abgefragt. Und dafür sollte der Ausschuss am Dienstagabend sein Go geben.

Ausschussmitglieder fordern transparente Entscheidung zur Standortwahl

Projektleiter Arno Kennig: „Wir stehen hier zu einem sehr frühen Zeitpunkt mit unseren Ideen – maximale Offenheit und Transparenz.“ Aus Sicht von Ausschussmitglied Giselher Dick (Zusammen Leben Rösrath) reichte das nicht: Solange nicht transparent dargelegt sei, nach welchen Maßstäben genau dieser Standort in Rösrath den anderen vorgezogen wurde und ob es keinen vergleichbar geeigneten gebe, sei eine Zustimmung nicht möglich. Auch die Frage, was die Stadt Rösrath von dem Vorhaben hätte, spielte in der Debatte eine Rolle. Bürgermeister Yannick Steinbach (Forspark) nannte auf Nachfrage einen Pachtzins in der „Größenordnung von 15.000 bis 16.000 Euro“.

Schlussendlich lehnte der Ausschuss das Vorhaben einstimmig ab, bei einer Enthaltung. Die DFS zeigt sich enttäuscht. Für sie sei der „Eindruck entstanden, dass die Ablehnung des Bauprojektes eher auf Emotionalität beruhte als auf einer sachlichen Betrachtung des Projektes“, heißt es in einer Stellungnahme.