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Karrierestart im zweiten WeltkriegWie Maria Roth zur „Bergischen Nachtigall“ wurde

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Historisches Foto: Maria Roth bei einem Auftritt zur Zeit des Nazi-Regimes. 

Rösrath – Mit dem Nachlass seiner Mutter Maria Roth, die sich als Sängerin in der Region einen Namen machte, hat sich der Rösrather Hans Josef Roth beschäftigt.

Die gebürtige Kölnerin, die in Rösrath bei ihrem Großvater aufwuchs, war auch mit ihrem vollen Namen Maria Magdalena Roth bekannt und wurde in Zeitungsberichten als „Bergische Nachtigall“ bezeichnet. Im Februar 2019 verstarb sie im Alter von 99 Jahren.

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Historisches Bilde: Maria Roth in jungen Jahren.

Mit der Lebensgeschichte seiner Mutter will Hans Josef Roth auch ein Stück Zeitgeschichte für Interessierte aufarbeiten, er hat dazu auch Kontakt zum Geschichtsverein aufgenommen.1920 geboren, wuchs Maria Roth in einfachen Verhältnissen auf, ihr Großvater Johann Roth war Landwirt. Schon in ihrer Schulzeit in Rösrath fiel ihre gesangliche Begabung auf, in der Schule hatte sie auch ihre ersten Auftritte.

Erst arbeitete Maria als Näherin

Der Klassenlehrer riet Maria, ihre Stimme ausbilden zu lassen. Doch nach dem Ende ihrer Schulzeit arbeitete die junge Rösratherin zunächst als Näherin in der Textilfabrik Brügelmann in Köln. Schließlich nahm sie aber auch Gesangsunterricht bei dem Kölner Opernsänger Fritz Bauer. Als dessen Wohnung im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff zerstört wurde und er nach Bergisch Gladbach zog, fuhr die junge Frau mit dem Fahrrad zu den Gesangsstunden in Gladbach. Die Kosten des Unterrichts beglich sie überwiegend mit Naturalien – mit Lebensmitteln aus der Landwirtschaft der Familie.

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Maria Roth in späteren Jahren.

Dass die Laufbahn der jungen Sängerin während der Nazi-Herrschaft begann, blendet Hans Josef Roth nicht aus und verweist auf Dokumente dazu. So erhielt Maria Roth von der damaligen Reichsmusikkammer eine offizielle Zulassung als Sängerin. Auch Auftritte bei Veranstaltungen der NSDAP sind dokumentiert. In einer Urkunde von 1948 wurde Maria Roth aber bescheinigt, dass sie durch diese Auftritte nicht belastet sei.

Aus familiären Gründen brach sie ihre Ausbildung ab

Auf Anregung ihres Gesangslehrers bewarb sich Maria Roth an der Musikhochschule Köln, wo sie 1947 in eine Meisterklasse aufgenommen wurde. Aus familiären Gründen schloss die junge Frau das Gesangsstudium nicht ab – bereits 1942 hatte sie den Monteur Max Roth geheiratet, 1944 war Sohn Hans Josef zur Welt gekommen.Ihrer Laufbahn als Sängerin stand das aber nicht im Weg, in Rösrath und Umgebung machte sich die Mezzosopranistin schnell einen Namen, sie trat in der Kirche und bei Konzerten auf.

Besonders eng war in den Nachkriegsjahren ihre Zusammenarbeit mit der katholischen Pfarrei St. Nikolaus in Rösrath, mit Organist Hubert Roth sowie dem Küster und Chorleiter Willi Hövel. Auch mit Thomas Kappes, Chorleiter des MGV Rösrath und weiterer Männerchöre, hatte sie eine enge Verbindung. Sie sang als Solistin bei der Aufführung klassischer Vokalwerke, interpretierte aber auch zeitgenössisches Liedgut. Ihre aktivste Zeit als Solo-Sängerin waren die 1940er und 50er Jahre.

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Ihr Gesang kann heute noch gehört werden

Einen Eindruck von ihrem Gesang vermittelt eine Aufnahme von etwa 1950, die auf der Plattform YouTube zu finden ist: Sie interpretiert dort das Lied „Ich trag’ eine Lieb’ im Herzen mein“ von dem zeitgenössischen Musiker Otto Julius Kühn – die Aufnahme ist unter dem Namen „Maria Magdalena Roth“ zu finden. Neben ihren Solo-Auftritten war die Sängerin auch Mitglied der Singgemeinschaft Hoffnungsthal und des Kirchenchors Cäcilia in Rösrath. 1998 wurde sie Ehrenmitglied der Singgemeinschaft Hoffnungsthal.

Der Deutsche Sängerbund ehrte sie 1985 für 50-jährige und 1995 für 60-jährige Mitgliedschaft.