Barbara Handeck aus Bedburg-Königshoven wurde 1941 von Nazi-Schergen als „unwertes Leben“ in einer Gaskammer ermordet.
StolpersteinErinnerung an ein „liebes Königshovener Mädchen“

Florentine, Schülerin der Martinusschule, trug neben Sascha Solbach (r.) und Hubert Handeck (3.v.r.) kindliche Gedanken an Barbara Handeck in ergreifenden Worten vor.
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Das Leben hatte es nicht gut mit ihr gemeint. 1909 wurde Barbara Handeck in einer verarmten Familie als viertes von sieben Kindern im alten Königshoven geboren. Sie war erst 13, als ihre Eltern verstarben. Ein Onkel, in dessen Obhut sie sich begab, starb bald danach. Nach einer Zeit im Königshovener Kloster wurde sie in psychiatrische Heilanstalten eingewiesen. 1941 kam Barbara Handeck nach Hadamar in eine Tötungsanstalt, wo sie am 15. August im Alter von 32 Jahren in einer Gaskammer ermordet wurde.
Jetzt kehrte die Erinnerung an sie in Form eines Stolpersteins in den Umsiedlungsort Königshoven(-neu) zurück. Ihr Neffe Hubert Handeck hatte die Verlegung des Stolpersteins angeregt. Es ist der 24. Stolperstein in Bedburg, und der erste für ein nicht-jüdisches Naziopfer. Denn Barbara Handeck war wegen psychischer Probleme als „unwertes Leben“ einsortiert worden.
Bedburg: Verlegung des Stolpersteins bewegt Barbaras Familie
„Ihr wurde schreckliches angetan“, befand Bürgermeister Sascha Solbach. Menschen seien damals kategorisiert worden und anonym sei entschieden worden, „ob ein Mensch lebenswert ist“. Auch heute gebe es „so viel Hetze und Hass im Netz“. Er forderte, dem mit „einer klaren Haltung und Mitmenschlichkeit“ zu begegnen gegen drohende Entmenschlichung.
„Es ist bewegend für mich und meine Familie, dass Barbara wieder einen Platz im Ort bekommen hat“, sagte Hubert Handeck, der den beschwerlichen Weg der Familie und besonders Barbaras kurz aber ergreifend nachzeichnete. „Radikales Gedankengut ist wieder auf dem Vormarsch. Da ist jeder in der Verantwortung“, mahnte er.
Zusammen mit Stadtarchivar Bastian Möller hat er die Geschichte seiner Tante aufgeschrieben. „Wir konnten ihr ein Stück Lebensgeschichte zurückgeben“, sagte Möller. Über ihr Leben könne man mangels Zeitzeugen „nur spekulieren“. Überliefert sei aber, dass einer ihrer Brüder gesagt habe, „dass Barbara ein ganz liebes Königshovener Mädchen“ gewesen sei. Da Stolperstein-Erfinder Gunter Demnig verhindert war, hatte der Bauhof den Stein vor dem Umsiedlungsdenkmal an der Josef-Schnitzler-Straße in das Gehwegpflaster eingebaut.
Die Pflege übernimmt die Martinus-Grundschule, für die Rektorin Mirjam Herrwegen von Solbach die Patenschaftsurkunde entgegennahm. Mehrere Schulkinder waren neben Familienmitgliedern unter den zahlreichen Besuchern. Florentine (9) trug Gedanken aus Kindersicht vor. „Sicher mochte sie den Duft von frisch gebackenem Kuchen“, stellte sie sich rührend vor und kritisierte „ungerechte und grausame Gesetze“, die manche Menschen weniger wertvoll machten als andere. Das Mandolinenorchester Königshoven untermalte die Feierstunde mit getragenen Musikstücken. Danach legten mehrere Besuchende Blumen an dem Stolperstein ab.
