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Eigene SchlachtungNeue „Landmetzgerei Gülden“ eröffnet in Bedburg

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Zu sehen sind drei Männer und einer Frau, die Produkte eines Hofladens halten.

Vermieter Elmar Schmitz, das Ehepaar Patrick und Stefanie Gülden sowie Michael Gülden (v.l.) freuen sich auf die Eröffnung der neuen Metzgerei in Bedburg.

Erstmals nnach Jahrzehnten eröffnet eine Metzgerei im Rhein-Erft-Kreis neu. Landwirte schlachten Schweine aus eigener Zucht.

Große Schilder an der Fassade mit Schrift in knalligem Rot verkünden es: In Bedburg wird eine Metzgerei öffnen. Im März will Patrick Gülden, der von seiner Frau Stefanie und seinem Vater Michael unterstützt wird, an der Lindenstraße Fleisch- und Wurstwaren verkaufen. Auch ein Hofladen ist geplant, in dem die Landwirtsfamilie aus Elsdorf-Angelsdorf nicht nur eigene Produkte anbietet, sondern auch die von Bauern der Gegend ausliegen sollen. „Wir suchen noch Kooperationspartner“, sagt Patrick Gülden.

Der neue Laden öffnet an altbewährter Stelle: in den Räumen der früheren Metzgerei Elmar Schmitz. Sie war vor zwei Jahren geschlossen worden, Schmitz unterhielt im Ladenlokal für rund ein Jahr noch einen Automaten für seine Fleisch- und Wurstwaren. Er ist jedoch vollständig in den Ruhestand gewechselt.

Bedburg: Neuer Laden an alter Stätte soll Leben in die Stadt bringen

Und nun zieht wieder eine Metzgerei in die Räumlichkeiten, Elmar Schmitz ist Vermieter, und er gibt einen großen Teil seiner Rezepte weiter, sodass Kundinnen und Kunden bald wieder auf bekannte Produkte zurückgreifen können. Schmitz freut sich, dass sein alter Laden wieder mit einer Metzgerei besetzt wird. „So bleibt Leben in diesem Teil der Innenstadt“, sagt Schmitz. Auch die benachbarten Geschäfte werde das freuen.

Gülden kündigt an, dass vornehmlich Tiere aus eigener Schlachtung verarbeitet werden sollen, zunächst Schweine, die allesamt aus eigener Zucht stammen. Dafür soll ein Metzgermeister eingestellt werden. Patrick und Michael Gülden beziehen Sauen aus Fehmarn und züchten mit ihnen in Elsdorf auf dem Gut Aparte Höfe Ferkel. Die werden später auf einem Hof in Bedburg gemästet, bis sie schlachtreif sind. „Später wollen wir auch Rinder schlachten“, sagt Gülden.

Patrick Gülden will nach eigener Aussage mit der Eröffnung der Metzgerei lange Transportwege für seine Tiere vermeiden. „Das ist Stress für die Schweine“, sagt der 36-Jährige. „Wir schlachten lieber vor Ort.“ Statt sie mit einem Verkauf auf einen langen Weg etwa nach Bayern zu schicken, blieben die Schweine von der Geburt bis zum Schlachttag nach etwa einem halben Jahr in einem engen Radius von wenigen Kilometern.

Im Hofladen wollen die Güldens Kartoffeln aus eigenem Anbau anbieten und auch andere landwirtschaftliche Produkte aus der Region: Äpfel, Eier, Lauch, Möhren und mehr. Auch Spanferkel werden zum Angebot gehören. Dass sie völlig gegen den Trend eine Metzgerei neu eröffnen, ficht die Güldens nicht an. „Wir waren schon immer anders als andere“, sagt Michael Gülden. „Der Bedarf ist da. Das sagen uns die Leute immer wieder.“

Die Auslage- und Verkaufstheke steht noch immer im Verkaufsraum, und sie soll auch bleiben. Aber alles andere wird saniert. Boden, Decken, Wände sollen erneuert werden, damit der Verkaufsraum ein zeitgemäßes Aussehen erhält. Öffnen wollen die Güldens die Metzgerei vermutlich von montags bis samstags, wobei der Montag der Schlachttag werden soll. Die genauen Öffnungszeiten stehen noch nicht fest, auch ein genauer Öffnungstermin im März noch nicht.

Wenn nun Elsdorfer Landwirte die frühere Metzgerei Elmar Schmitz übernehmen, schließt sich ein Kreis, der im 19. Jahrhundert geöffnet wurde: Denn gegründet wurde der Laden streng genommen auf Elsdorfer Stadtgebiet. Im Jahr 1985 rief Metzgermeister Heinrich Bodden die „Ochsen und Schweine Metzgerei“ in Elsdorf ins Leben, 1928 ließ Sohn Adam Bodden dann das Geschäftshaus an der Lindenstraße in Bedburg errichten. 1962 ging das Geschäft an dessen Tochter Helga und ihren Mann, Metzgermeister Karl Schmitz, über, 1991 übernahm Sohn Elmar Schmitz.