Elfriede Göttsche wurde am 22. Juni 1922 in Ostpreußen geboren. Ihre Hochzeit bezeichnet sie las schönsten Tag in ihrem Leben.
Aus Ostpreußen ins RheinlandZweitälteste Bergheimerin wird 104 Jahre alt

Elfriede Göttsche wird heute 104 Jahre alt. Foto/Repro: Dietmar Fratz
Copyright: Dietmar Fratz
Dietmar FratzBergheim-Oberaußem Auf ein langes und bewegtes Leben kann Elfriede Göttsche zurückblicken. Heute wird die Seniorin, die im Seniorenhaus Sandberg lebt, 104 Jahre alt. Sie ist die zweitälteste Einwohnerin Bergheims.
Geboren ist Elfriede Göttsche am 22. Juni 1922 in Ostpreußen in Katherinhoven bei Königsberg (heute Kaliningrad). Im benachbarten Medenau (heute Logwino) besuchte sie die Volksschule und hat anschließend als Haushaltshilfe in verschiedenen Familien gearbeitet.
Flucht während des Zweiten Weltkrieges
Vor den Wirren des Zweiten Weltkriegs ist sie mit ihren drei Geschwistern und der Mutter zu Fuß über das friesische Haff geflohen und gelangte nach Danzig, von dort mit dem Zug nach Wilster in Schleswig-Holstein. „Der Zug war zu früh abgefahren. Mein Koffer war schon drinnen. So kam ich nur mit dem, was ich am Leib trug, in Holstein an“, sagt Elfriede Göttsche, die über die Unbilden „der schlimmsten Zeit in meinem Leben“ heute nach kurzem Innehalten schmunzeln kann.

Das Hochzeitsfoto von Elfriede Göttsche und ihrem Mann Otto entstand 1949 im holsteinischen Wilster.
Copyright: Foto/Repro: Dietmar Fratz
In Wilster heiratete sie 1949 ihren Mann Otto. „Den habe ich beim Tanzen kennengelernt. Es war eine ganz kleine Hochzeit. Ich trug ein Brautkleid, das mir eine Bekannte geliehen hatte. Es gab Lebensmittel nur auf Marken. Wir haben für die Hochzeitsgäste eine Ente geschlachtet“, erinnert sich Elfriede Göttsche, die geistig hellwach aus ihrem Leben berichten kann und nur manchmal kurz über das Wann und Wo nachdenken muss. Trotz der Einschränkungen nennt sie ihre Hochzeit „das schönste Erlebnis in meinem Leben“. 1951 kam Sohn Günther zur Welt. 1956 zog die junge Familie nach Essen, wo ihr Mann Arbeit gefunden hatte.
Ihren Geburtstag feiert die Bergheimerin im Haus Sandberg
Nach 30 Ehejahren verstarb ihr Mann 1979. Später zog sie zu ihrem Sohn, mit dem sie in Niederaußem ein Haus gebaut hat. Vor zwei Jahren kam sie ins Seniorenhaus Sandberg, zunächst in Kurzzeitpflege, später als feste Bewohnerin. Laufen, Sport, Tanzen, der Garten mit Obstbäumen und Gemüsebeeten waren stets ihre geliebten Hobbys. „Ich habe immer gerne getanzt. So habe ich ja auch meinen Mann kennengelernt“, sagt die humorvolle Jubilarin.
„Sie macht hier alles mit, was im Haus angeboten wird, ist interessiert an allem und geht täglich spazieren“, sagt Claudia Corduwinus vom Sozialen Dienst des Hauses. „Wichtig ist, gesund zu bleiben und arbeiten zu können. Das geht ja heute leider nicht mehr so“, sagt die Seniorin. „Und immer in Bewegung bleiben, sonst ist es vorbei“, ist neben dem lebenslangen Verzicht auf Alkohol und Rauchen ihr Rezept bis heute.
Zur Geburtstagsfeier werden alle Heimbewohner und Verwandte sich zum Brunch und zu Kaffee und Kuchen im Haus Sandberg versammeln und ihr ein Ständchen bringen. Gewünscht hat sie sich einen Hefe-Streuselkuchen. „Den bekomme ich heute noch hin. Das ist nicht so schwer. Der braucht nur Zeit und Ruhe.“
