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Hürde im AlltagBergheimer Rollstuhlfahrerin erreicht Schaltfläche am Parkautomaten nicht

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Zu sehen sind zwei Frauen im Rollstuhl sowie ein Mann, sie befinden sich an einem Parkautomaten.

Rollstuhlfahrerin Meral König kann mit den neuen Automaten nicht fürs Parken im Kaufland bezahlen.

Die Schaltfläche am Parkautomaten am Kaufland ist für die Frau unerreichbar hoch, ebenso der Münzschlitz.

Eine „barrierearme Nutzung“ der Parkplätze am Kaufland in der Innenstadt – das versprach das Unternehmen „Fair parken“ in einer Pressemeldung, die die Vorteile des neuen, schrankenlosen Parksystems beschrieb. Dass barrierearm allerdings nicht barrierefrei bedeutet, erfuhr kürzlich die Rollstuhlfahrerin Meral König. Die Schaltfläche am Automaten, mit der man den Vorgang zum Bezahlen des Parktickets starten kann, ist für sie zu hoch, ebenso der Münzschlitz.

„Ich will ja bezahlen. Aber mir wird gar nicht die Möglichkeit dazu gegeben. Und das ist schon sehr diskriminierend, finde ich“, sagt Meral König. „Ich finde das grauenhaft“, sagt Hannelore Weiland dazu, ebenfalls Rollstuhlfahrerin und für die SHG Handicap im Einsatz für Barrierefreiheit aktiv. „Ich verstehe auch nicht, warum man da nicht noch einen Kasten für Rollstuhlfahrer hätte daneben setzen können.“

Belange von Menschen mit Behinderung werden nicht immer mitgedacht

Dass Menschen mit Behinderungen nicht mitbedacht werden, darauf hat sie bereits in der Vergangenheit wiederholt hingewiesen, etwa in Bezug auf Packstationen, die Menschen mit Rollstuhl nicht nutzen können, oder in Bezug auf den Bergheimer Bahnhof, der nicht barrierefrei ist. Eine Sprecherin von „Fair parken“ betonte auf Anfrage, dass Nutzerfreundlichkeit und Barrierearmut zum Anspruch des Unternehmens gehören. Mit der Möglichkeit, den Parkvorgang innerhalb von 48 Stunden online abzuschließen, wolle man unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden.

Dem Unternehmen sei aber bewusst, dass es „im Einzelfall“ zu Einschränkungen kommen könne. „Hinweise wie diese helfen uns, unsere Lösungen kontinuierlich auch im Hinblick auf Barrierefreiheit weiterzuentwickeln.“ „Fair Parken“ nehme Rückmeldungen von Betroffenen ernst, gehe ihnen individuell nach und stehe für Gespräche mit ihnen zur Verfügung. Meral König erzählt, bei ihrem Anruf auf die App zum Bezahlen vertröstet worden zu sein.

Für sie nur eine unzufriedenstellende Lösung, etwa im Hinblick auf Menschen, die kein Smartphone haben. Dazu habe man ihr am Telefon die Rückfrage gestellt, ob sie denn als Rollstuhlfahrerin alleine und ohne Begleitung unterwegs sei. Als Beweis dafür, dass ihr selbstbestimmtes Leben Teil der Gleichung ist, erscheint das jedenfalls nicht. Es gebe durchaus viele nette Passanten, die in der Not helfen. „Aber stellen Sie sich mal vor, es ist kalt und es ist keiner hier. Dann warte ich solange, bis ein netter Mensch kommt und mich hier rauslotst“, sagt Meral König.

Eine pragmatische Lösung hat das Intro: Hier ist das Parken ohnehin für drei Stunden kostenlos. Wer der Haustechnik oder dem Centermanagement den Behindertenausweis vorlegt, kann mit dem Pkw auch länger kostenlos parken, vorausgesetzt das Fahrzeug übersteigt nicht die zulässige Höhenbegrenzung für den Parkplatz.