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Frühzeitig Missstände lösenBergheim will präventiv gegen Problemimmobilien vorgehen

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Das Bild zeigt das leerstehende Wohnhaus 18 in Ahe. Auf einem Schild steht „Betreten verboten“.

Damit Immobilien gar nicht erst an den Punkt kommen, sie abreißen zu müssen, wie hier das Wohnhaus 18 in Ahe, will die Stadt einen neuen Ansatz verfolgen.  

Verschiedene Behörden arbeiten in Bergheim zusammen, um in örtlichen Ermittlungen größeren Problemen zuvorzukommen.

In der Vergangenheit gab es immer wieder mal diese Fälle, in denen letztlich nur noch die Abrissbirne helfen konnte. Man denke etwa an das Hochhaus an der Frenser Straße, das der Stadt wegen hohem Leerstand, Vermüllung und Kriminalität schon länger ein Dorn im Auge gewesen war, bis sie es Anfang 2025 abreißen ließ.

Ähnlich erging es bereits Hochhäusern am Berliner Ring und an der Albrecht-Dürer-Allee. Dasselbe Schicksal erwartet womöglich auch das leerstehende Haus 18 am Wohnpark in Ahe. Hier besitzt die Kreisstadt laut eigenen Angaben bereits einen wesentlichen Teil der Wohnungen und will den Rest ebenfalls erwerben.

Stadt Bergheim will Problemen zuvorkommen

Doch der Weg hin zu einer Schrottimmobilie ist lang, und der Umgang mit ihr mit Kosten und Mühen verbunden. Um es in Zukunft gar nicht so weit kommen zu lassen, will die Stadt Bergheim nun einen präventiven Ansatz verfolgen.

Das geschieht mit örtlichen Ermittlungen, an denen sich die Kreisstadt auffällige Gebäude vor Ort anschaut, ins Gespräch mit den Bewohnern geht und konkrete Lösungen in den Blick nimmt. Als städtische Akteure sind Einwohnermeldeamt, Ordnungsamt, Gewerbeamt, Ausländerwesen, Bauaufsicht, Wohnungsaufsicht und Soziale Hilfen beteiligt. Mit an Bord sind auch externe Behörden wie Polizei, die Stadtwerke, das Jobcenter und die Familienkasse. „Die Bürger, mit denen wir da in Kontakt gekommen sind, waren positiv gestimmt, dass Behörden sich zusammenfinden und aktiv schauen, was sie gegen die Missstände tun können“, sagt Andrea Lehmann-Pedyna, Dezernentin für Jugend, Bildung und Ordnung der Kreisstadt.

Verschiedene Behörden arbeiten zusammen

Der Vorteil dieses Zusammenwirkens fange schon beim Erkennen von Problemen an, da Leute aus unterschiedlichen Fachbereichen ganz eigene Perspektiven mitbringen und ihnen unterschiedliche Dinge auffallen. Die Probleme reichen dabei von fehlenden Küchen oder Bädern in Wohnungen über versperrte Fluchtwege, Vermüllung oder Verstößen gegen das Melderecht.

„Wenn jeder nur seinen eigenen Fokus hat, erkennt man unter Umständen nicht, dass es einen sinnvollen gemeinsamen Handlungsbedarf gibt, um vor das Problem zu kommen“, sagt Andrea Lehmann-Pedyna. Wo sich Misstände überlagerten, seien zuvor mehrere Behörden mit ihren Themen einzeln an Verwaltungsgesellschaften von Immobilien herangetreten. „Wir haben aber einen ganz anderen Handlungsansatz und auch rechtliche Möglichkeiten, wenn wir erkennen können, dass die Palette viel größer ist“, sagt die Dezernentin.

Melderecht gibt erste Einblicke

Dafür habe man Wege gesucht, um frühzeitig auf Probleme aufmerksam zu werden und nicht erst, wenn sie bereits verfestigt sind. „Mit dem, was wir schon melderechtlich erkennen können, gibt es einen ersten Ansatz“, sagt Lehmann-Pedyna.

In einem plakativen Fall hätte die Stadt vier Immobilien in einem Stadtteil überprüft. Dort waren zwar 103 Personen gemeldet, 46 Personen waren allerdings nicht dort wohnhaft. Seit 2016 seien über 5859 Menschen „von Amts wegen“ abgemeldet worden, die nicht mehr in Bergheim wohnhaft waren, dort aber noch gemeldet waren. „Das Ganze ist auch wichtig, um Sozialleistungsmissbrauch zu verhindern“, sagt Stefan Hinkelmann, Abteilungsleiter Einwohnermeldewesen, auch wenn nicht jede vom Amts wegen abgemeldete Person mit Sozialbetrug zu tun hat.

Eine andere Immobilie, die die Stadt bereits überprüft hatte, habe nach fünf Monaten erneut 35 Meldeverstöße ergeben. Hier müsse man am Ball bleiben. Wie wichtig ein stärkerer Fokus auf das Thema ist, habe auch die Kommunalwahl gezeigt. Dann sei es zu über 1400 Postrückläufen bei den Wahlbenachrichtigungen gekommen – bei etwa 67 000 Einwohnern und 48 485 Wahlberechtigten.