Mark und Sarah Kilimann wollen mit den TheraKids auch Sprachförderung anbieten. Sie haben bereits ein Konzept dafür aufgearbeitet.
Therapie mit PferdenIm Bergheimer Rosenhof hilft das Tier dem Menschen

Auf dem Rosenhof in Glessen finden auch aussortierte Pferde eine neue Aufgabe, etwa ein blindes Pferd aus Spanien.
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In der Reithalle dreht Elke ihre Runden auf einem Pferd, geführt von einer Mitarbeiterin des Vereins TheraKids. Die 55-Jährige erzählt, dass sie Infantile Cerebralparese (ICP) hat. Schon von Geburt an hat sie deshalb motorische Einschränkungen. Die Therapie mit dem Pferd helfe ihr. „Ich bin fitter geworden“, sagt sie.
Später, als sie das Pferd durch einen Gang in den Stall bringen will, macht das Tier einen kurzen Zwischenhalt - es hat einen Eimer mit Futter gefunden. Das Pferd weiß, was es will, da hilft auch alle Fitness der Welt nichts. Es zieht schließlich doch brav weiter, als die Mitarbeitenden den Eimer entfernen.
Bergheim: Therakids bieten mit Pferden Therapie an
Rund 250 Menschen pro Woche, darunter auch Jugendliche, Erwachsene und Senioren, besuchen für die Angebote von TheraKids den Rosenhof in Glessen. Es gibt ein Stübchen mit Blick auf die Reithalle, den Stall, umzäunte Wiesen für den Sommer und einen großen Bereich, an dem sich die Pferde auch im Winter draußen aufhalten können – mit wetterfesten Decken, damit sie nicht zu sehr frieren.

Sarah und Mark Kilimann haben den Verein TheraKids gegründet.
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In so einem Hof fällt viel Arbeit an. Bei einem kurzen Spaziergang durch den Rosenhof putzt hier jemand das Fell eines Pferdes, dort mistet ein anderer Mitarbeiter einen Stall aus. Auch Sarah Kilimann greift zum Besen, um den Gang zwischen Reithalle und Stall sauber zu halten.
25 Pferde leben auf dem Rosenhof in Glessen
Sie und ihr Mann Mark Kilimann haben den Verein Ende 2012 gegründet und sind seit 2023 auf dem Rosenhof, vorher waren sie in Büsdorf angesiedelt. Das Paar lernte sich über das Reiten kennen, beide haben aber einen kaufmännischen Hintergrund. „Wir hatten beide diesen Wunsch, das Hobby zum Beruf zu machen“, sagt Sarah Kilimann.

Lord ist bereits ein Senior. Er ist das älteste Pferd auf dem Rosenhof.
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Schließlich haben sie sich als Reitpädagogen ausbilden lassen. Am Anfang waren sie nur zu zweit und betreuten zwei Kinder parallel zum regulären Job. Die Angebote von TheraKids sind mit der Zeit gewachsen, ob mit Schulausflügen, Inklusionsprojekten, Gruppentherapie oder individueller Hilfe. Der Verein wurde für die Kilimans von der Nebentätigkeit zur Hauptsache. Mittlerweile hat TheraKids 30 Mitarbeitende und hält 25 Pferde im Rosenhof. Außerdem planen sie wegen der hohen Nachfrage einen zweiten Standort in Bergheim aufzubauen.
Therakids arbeiten mit den Jugendämtern zusammen
Laut den beiden besuchen unter anderem Menschen mit ADHS oder Autismus den Rosenhof. „Ich habe gerade viele kleine Kinder, die mit Ängsten zu tun haben. Da geht es darum, das Selbstbewusstsein zu stärken“, sagt Mark Kilimann. Einen spezifischen Baukasten für jede Person hätten sie nicht vorab parat. Sie machen ein Anamnese-Gespräch und schauen dann, was einer Person helfen könnte.

Die Pferdetherapie hilft der 55-Jährigen Elke, fit zu bleiben.
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„Wir arbeiten ungefähr zur Hälfte für die Jugendämter im Kreis“, sagt Mark Kilimann. „Das ist eine der wertvollsten Arbeiten, mit denen wir Familien unterstützen können.“ Die andere Hälfte seien Personen, die selbst für die Angebote aufkommen, um einmal die Woche kommen zu können. Dafür zahlen sie im Monat 260 Euro. Die Krankenkassen würden das nur in Einzelfällen übernehmen.
Der Verein will Sprachförderung anbieten
„Die Pferde erden einen“, sagt Sarah Kilimann. „Manche brauchen diese Erdung, weil sie in ihrem Alltag so viele Termine, Sorgen oder Probleme haben. Die wollen einfach für einen Moment den Kopf freihaben.“
Allerdings arbeiten sie nicht immer nur mit den Pferden, das sei nicht für jedermann das Richtige. Mark Kilimann erzählt, dass er mit einem Jugendlichen auch schon Traktorfahren war, über die Hausaufgaben geschaut hat oder im benachbarten Wald Mountainbike gefahren ist. „Wir tun das, was gebraucht wird“, sagt Kiliman.
Das Paar hat auch schon eine Idee, um sich noch breiter aufzustellen. Sie wollen Sprachförderung anbieten. Die Idee ist, dass sie Kinder aus Flüchtlingsunterkünften mit einem Bus abholen, damit sie im Rosenhof spielerisch die Sprache kennenlernen können. „Viele Kinder kommen ohne ausreichende Sprachkenntnisse in die Grundschulen“, sagt Kilimann. Diese Lücke will TheraKids schließen, ähnlich wie es das Land NRW mittlerweile mit den sogenannten ABC-Klassen einführen will. „Wir suchen dafür aktiv nach einem Auftraggeber“, sagt Mark Kilimann. „Wir würden das gerne umsetzen.“

