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Rhein-Erft-Straßennamen in KölnDer Bergheimer Weg führt ins Kölner Nirvana

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Das Foto zeigt einen Weg.

Unscheinbar und voller Entdeckungen: der Bergheimer Weg in Nippes, im Stadtteil Longerich im Kölner Norden

Ob die Jugendfarm Wilhelmshof oder Kölner Baudenkmäler: Der Bergheimer Weg in Köln bietet Spannendes.

Ein Pfau springt aufs Dach und arbeitet sich durch die Weinreben, die sich um die Überdachung schlingen. Weintrauben sollen es sein, und sogleich pickt er einige von den Ranken weg. Mit seinem Kompagnon lebt er im Bergheimer Weg 27 im Kölner Norden, den er bestimmt nicht verlassen wird. „Pfaue sind wie Katzen, die bleiben auf dem Gelände, das sie kennen“, sagt Ann-Kathrin Mett.

Tiergestützte Pädagogik am Bergheimer Weg

Sie ist Teil des Teams der Jugendfarm Wilhelmshof, einem gemeinnützigen Verein, der sich mit tiergestützter Pädagogik einen Namen gemacht hat. Und während die Pfauen sich auf den Dächern des Wilhelmhofs tummeln, läuft Ann-Kathrin Mett über das Gelände, das sich am Rande von Longerich am Ende des Bergheimer Wegs auftut. Wenn man nicht weiß, dass sich am Ende der Straße eine Hofanlage und ein paar Häuser befinden, würde man wohl nicht in den Bergheimer Weg einbiegen, der sich ein wenig im Kölner Nirvana versteckt.

Das Foto zeigt eine Frau, die einen Esel festhält.

Seit über zwölf Jahren engagiert sich Mitarbeiterin Ann-Kathrin Mett für Kinder- und Jugendarbeit, an ihrer Seite: Esel Toni

Doch abgesehen vom Lärm der Autobahn ist es für die Jugendfarm Wilhelmshof genau der richtige Ort. Das Areal bietet Raum für Schafe, Ziegen, Alpakas, Esel, Pferde, Hühner, Puten und Pfauen. Doch auch Kaninchen und Meerschweinchen, selbst Ziervögel leben hier. Daneben wachsen Maulbeer- und Feigenbäume, Äpfel und Quitten, die nun allesamt geerntet werden wollen.

Auch Bienenvölker, deren Saison nun allmählich beendet ist, schwirren noch umher. „Es gibt hier jeden Tag viel zu tun und manchmal kommen wir gar nicht hinterher“, erzählt Ann-Kathrin Mett. Doch dafür können sie Kindern und Jugendlichen aus „erster Hand“ zeigen, wie man lernt, mit und in der Natur zu leben. „Eigentlich geht es hier um banale Dinge: Wenn ich die Pflanzen gepflegt habe, kann ich sie ernten, dann habe ich was zu essen. Wenn es den Tieren gut gehen soll, muss ich sie füttern und ihnen Wasser geben“, ergänzt sie.

Das Foto zeigt Alpakas und kleine Ziegen.

Auch Ziegen und Alpakas leben in der Bergheimer Straße

Gerade für Kinder aus sozial schwächeren Familien sind Tage in der Jugendfarm ein großes Erlebnis: „Neulich hatten wir einige sehr aufgedrehte Kinder aus Chorweiler hier. Es stellte sich heraus, dass sie noch nie Tiere wie Hühner oder Ziegen gesehen haben“, erzählt Mett.

Die studierte Sozialwissenschaftlerin und ausgebildete Erzieherin arbeitet seit rund zwölf Jahren am Bergheimer Weg. Die Arbeit mit Tieren und Menschen sei nicht nur abwechslungsreich, sondern in ihren Augen für Kinder und Jugendliche wichtig: „Die Kinder können hier etwas runterfahren.“ Sie sehen schnelle Ergebnisse, wenn sie sich an Aufgaben wie Ernten, Honig schleudern oder Laub harken beteiligen. Außerdem führt die handyfreie Zone dazu, mal nicht in die digitale Parallelwelt aufgesogen zu werden, sondern sich Reize und Aufgaben in der Realität zu suchen. „Das wird immer wichtiger“, findet Ann-Kathrin Mett.

Das Foto zeigt zwei alte Häuser und ein Baugerüst, davor stehen Container.

Die Bergheimer Höfe, links das Herrenhaus von 1855, rechts das Wohnhaus von 1895.

Mit dem Konzept der „Offenen Tür“ steht an ausgewählten Tagen allen Familien die Jugendfarm offen. Reitsport wird hier an den Tagen der offenen Tür umsonst angeboten, so wie alle anderen Angebote auch. Finanziert wird die Jugendfarm Wilhelmshof vom Jugendamt der Stadt Köln. Hinzu kommen Spenden und die Zusammenarbeit mit Stiftungen. „Trotzdem ist es eine Gratwanderung, denn die Kosten explodieren“, sagt Mett. Und dennoch: Die Arbeit hier liege ihr am Herzen, insbesondere die Vermittlung an die Kinder und Jugendlichen.

Bahnt man sich den Weg zwischen Pferdewiesen, Obstbäumen und Heulager zurück auf die Straße, so stehen, ganz unvermittelt, zwei imposante Altbauten mitten auf den Wiesen. Die Hofanlage der sogenannten Bergheimer Höfe wurde 1983 in die Liste der Kölner Baudenkmäler eingetragen und umfasst neben einem Herrenhaus von 1855 auch ein Wohnhaus von 1895. Mit der zunehmenden Bebauung Kölns gegen Ende des 19. Jahrhunderts, wurde Kölns einstige Peripherie zunehmend bebaut. Doch bis heute steht die Hofanlage nicht inmitten von Beton, sondern im Grünen.

Ferner belegt das NS-Dokumentationszentrum Köln, dass sich im Bergheimer Weg in Longerich ein Kriegsgefangenenlager befunden hat. Weil die Gegend kaum bebaut war, geht das NS-Dokumentationszentrum davon aus, dass die gefangenen französischen Arbeiter in den hiesigen Bergheimer Höfen arbeiteten. Heute ist das Herrenhaus von einem Gerüst ummantelt, vermutlich wurde wegen Denkmalschutzauflagen ein Baustopp eingelegt. Dagegen ist das Wohnhaus seinem Sinn entsprechend bewohnt.

Im Bergheimer Weg befinden sich auch ein Bildstock aus dem 19. Jahrhundert und eine Kaserne, ebenso wie Spuren der französischen Geschichte in Longerich. Doch das sind andere Geschichten, die es noch zu erzählen gilt.