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StrukturwandelRheinisches Revier wird zur Zukunftsbaustelle

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Das Bild zeigt den Bürgerrat auf der Bühne. Vertreter übergeben Ministerin Mona Neubaur einen Katalog mit 100 Vorschlägen für den Strukturwandel.

Der Bürgerrat übergab 100 Vorschläge für den Strukturwandel an Ministerin Mona Neubaur (M.). 

Strukturwandel nimmt Fahrt auf – Insgesamt stehen 14,8 Milliarden Euro bereit

Die Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) um deren Geschäftsführer Bodo Middeldorf hatte zur Nabelschau der ersten Etappe der Umwandlung des Reviers nach dem Kohlezeitalter geladen. Und rund 700 Protagonistinnen und Protagonisten aus den Rathäusern, dem Kreishaus, der Bezirks- und Landesregierung, aus Wirtschaft und Verbänden rund um die Tagebaue Hambach und Garzweiler waren ins Medio Rhein-Erft gekommen. Darunter mit Nathanael Liminski (Europaangelegenheiten und Staatskanzlei) und Mona Neubaur (Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie) gleich zwei Landesminister aus Nordrhein-Westfalen.

„Man fühlt den Vibe im Revier“ freute sich Landrat Frank Rock (Rhein-Erft-Kreis). „Wir merken, dass es losgeht in der größten Landschaftsbaustelle Europas.“ Er wies auf den durch den vorzeitigen Kohleausstieg „erhöhten Zeitdruck“ hin. „Der Gemeinschaftssinn ist unser größtes Kapital im Revier“, befand Middeldorf, der den Erfolg auch darin sieht, dass die vielen unterschiedliche Akteure „gemeinsam an einem Strang ziehen“. „Es ist schon einiges geschafft, was es zu zeigen gilt“, betonte Liminski, der von einer Zukunft sprach, „der man beim Wachsen zuschauen kann“. Das Revier habe sich „eine Stimme gegeben, die gehört wird, zumindest bis Düsseldorf“. Es sei „zu früh für abschließenden Jubel“, aber auch dem Pessimismus erteilte er eine Absage.

Der Wandel ist gut für das Revier, für das Land und für ganz Deutschland

„Der Wandel ist gut für das Revier, für das Land und für ganz Deutschland“, hob er heraus. Zum Beleg, wie konkret der Strukturwandel bereits geworden ist, stellte WDR-Moderator Jan-Malte Andresen („Ich habe selbst BM auf dem Auto-Kennzeichen.“) mit deren Leitern drei geförderte Projekte vor. So baut die Firma ESC-SIC in Frechen zusammen mit dem Fraunhofer-Institut die weltweit erste Siliciumcarbid-Fabrik als Rohstoff für Halbleiter, Elektromobilität und Raumfahrt in vollständiger Kreislaufwirtschaft. Synhelion in Jülich entwickelt als Zweig des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erneuerbare synthetische Treibstoffe – Kerosin, Diesel und Benzin - für klimafreundlichen Verkehr. Und am Würselener Forschungsflughafen baut das Institut Access unter dem Namen „Production Launch Center Aviation“ ein Entwicklungszentrum für Fertigungstechnologien einer klimaneutralen Luftfahrt auf. Von einer „Region, in der Baustellen Zukunft machen“ sprach Neubaur.

Sie wolle mit dafür Sorge tragen, die „Perspektiven der Zweifler nicht groß werden zu lassen“. Die Akteure, allen voran die Zukunftsagentur, ermutigte sie, „den Blick entschlossen und mutig nach vorn zu richten. Sie sind Zukunftsmacher. Das Revier sind die Menschen“, spornte sie die Akteure an. Zu denen zählt der Bürgerrat. Einhundert per Los ausgewählte Menschen aus dem Querschnitt der Revierbewohnenden hatten auf Initiative der Landesregierung an drei Wochenenden diskutiert und abschließend einhundert Handlungsempfehlungen formuliert für ein zukünftiges attraktives Lebensumfeld. Dazu zählen Begegnungsorte, Kultur und Natur. „Das Gremium ist ein Instrument des demokratischen Zusammenhalts“, bescheinigte Neubaur dem Gremium. 20 von ihnen waren nach Bergheim gekommen, um Neubaur eine Broschüre mit den Empfehlungen zu übergeben.

„Wir sind als Mini-Revier zusammengewachsen“ sagte ein Sprecher der Gruppe. Neubaur sicherte zu, dass die Empfehlungen jetzt in ihrem Ministerium diskutiert würden. Die Revierkonferenz steht am Ende der ersten Förderphase, in der rund 3,4 Milliarden Euro für knapp 1000 Projekte ausgeschüttet wurden, und am Beginn der zum Jahreswechsel startenden zweiten Förderphase. Für den Wandel stehen insgesamt 14,8 Milliarden Euro bereit. „Wir werden erfüllen, was wir versprochen haben“, sicherte Neubaur zu.