Vor 125 Jahren wurde eine Institution aus der Taufe gehoben. Mit dem Bayer-Konzern verändert sich auch der Verein der leitenden Angestellten grundlegend.
JubiläumWie sich die Kasino-Gesellschaft Leverkusen neu erfindet

In der Fassade der Konzernzentrale spiegelt sich das Kasino. Es ist auch der Stammsitz der Kasino-Gesellschaft.
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Im Konzern bleibt seit Längerem kein Stein auf dem anderen, und das betrifft vor allem viele leitende Angestellte. Das Organisationsmodell Dynamic Shared Ownership, das Vorstandschef Bill Anderson dem Bayer-Konzern verordnet hat, um ihn schneller und effizienter zu machen, wirkt mittelbar auch in die altehrwürdige Kasino-Gesellschaft. Denn sie war vor 125 Jahren als Organisation der leitenden Angestellten gegründet worden. Das Unternehmen förderte das.
Der inzwischen seit Jahrzehnten dauernde Umbauprozess des Konzerns musste auch den Verein der Leitenden verändern. Es galt, die Kasino-Gesellschaft aus der Ecke eines elitären Zirkels zu holen, einer geschlossenen Gesellschaft. Im Jubiläumsjahr scheint die Transformation in eine Institution, die gesellschaftliche Debatten aufnimmt und ihr Publikum ausdrücklich auch außerhalb des Bayer-Kosmos findet, einen großen Schritt weitergekommen zu sein. Der Vorstand bilanziert „ein erfolgreiches Veranstaltungsjahr, eine wachsende öffentliche Wahrnehmung“. Neue Konzepte für die Zukunft zeigten: Die Kasino-Gesellschaft ist in Bewegung. „125 Jahre Geschichte sind für uns Verpflichtung und Ansporn zugleich. Wir wollen Bewährtes erhalten und gleichzeitig neue Wege gehen“, so Vorstandsmitglied Peter Wilhelmi.
2025 organisierte die Kasino-Gesellschaft 26 Veranstaltungen mit 966 Teilnehmern. 310 externe Gäste besuchten die Angebote – „ein deutliches Zeichen für die wachsende Wahrnehmung über den eigenen Mitgliederkreis hinaus“, so der Vorstand. Hier und da seien mehr als 100 Externe gezählt worden. Das könnte an den Themen gelegen haben, die Landesinnenminister Herbert Reul, Bayer-04-Geschäftsführer Fernando Carro, der Investigativ-Journalist Günter Wallraff, CDU-Mann Wolfgang Bosbach und die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner bearbeiteten. Allen gemein ist zudem die Fähigkeit, kurzweilig vorzutragen.
Wirtschaftlich solide
Wirtschaftlich sieht der Vorstand die Kasino-Gesellschaft auf einer soliden Basis. Alle Veranstaltungen seien „mindestens kostendeckend“ gewesen. Zugleich habe der Verein „Sponsorengelder in fünfstelliger Höhe eingeworben“. Für mehr öffentliche Sichtbarkeit habe die Gesellschaft ihre Pressearbeit ausgebaut, Website und Social-Media-Aktivitäten weiterentwickelt. Der monatliche Newsletter erreiche inzwischen monatlich rund 1300 Adressen. Das alles diene dem Ziel, „die Kasino-Gesellschaft noch stärker als gesellschaftlichen und kulturellen Akteur in Leverkusen zu positionieren“.
Auch in diesem Jahr kamen prominente Gäste ins Kasino an der Kaiser-Wilhelm-Allee. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, der vieljährige Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn und die Geschäftsführerin der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung, Annemarie Hühne-Ramm waren da.

Besonders wichtig war der Besuch der Wirtschaftsministerin und stellvertretenden Ministerpräsidentin Mona Neubaur.
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Im zweiten Halbjahr sollen Gesundheitsthemen in den Fokus rücken. Input liefern Ärztinnen und Ärzte aus dem Klinikum Leverkusen. Den Anfang macht am Mittwoch, 26. August, Helmer C. Lehmann. Der Direktor der Klinik für Neurologie und Geriatrie am Klinikum berichtet über neue Entwicklungen bei der Behandlung von Demenzerkrankungen. Später im Jahr wird Landessozial- und -gesundheitsminister Karl-Josef Laumann erwartet. Insgesamt sind für das Jubiläumsjahr 27 Veranstaltungen geplant.
Klar sei aber, dass auch die Kasino-Gesellschaft ein Demografie-Thema hat, heißt es. „Die Gewinnung neuer und jüngerer Mitglieder gehört zu den zentralen Zukunftsaufgaben.“ Das soll unter anderem mit dem „Chempark Lunchbreak“ gelingen. Es richtet sich an Nachwuchs- und Führungskräfte aus Unternehmen, die unter dem Bayer-Kreuz arbeiten. Und unter dem Arbeitstitel „Stadtgesellschaft Leverkusen“ soll die Zusammenarbeit mit kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Organisationen intensiviert werden.

Karl Lauterbach – hier mit Peter Wilhelmi – gehörte dieses Jahr zu den Gästen der Kasino-Gesellschaft.
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Ein weiterer Ansatz richtet sich an junge Unternehmen: Erfahrene Mitglieder der Kasino-Gesellschaft könnten Start-ups als Paten begleiten und ihre berufliche Erfahrung weitergeben. „Unsere Gesellschaft verfügt über einen enormen Erfahrungsschatz. Diesen wollen wir stärker in Leverkusen einbringen und zugleich Menschen für die Kasino-Gesellschaft gewinnen, die unsere Zukunft mitgestalten“, sagt Peter Wilhelmi. Das erinnert nicht durch Zufall an die Arbeit der Wirtschafts-Senioren: Dort hat sich Wilhelmi über viele Jahre engagiert.
Im Jahr ihres 125-jährigen Bestehens – gefeiert wird es am 26. September – will die Kasino-Gesellschaft sich weiter öffnen. Gelegenheit, den Verein kennenzulernen, bieten nicht nur die Vorträge im Kasino, sondern auch Ausflüge, Ausstellungs- und Theaterbesuche. Als Mitglied habe man darüber hinaus Zugang zu exklusiven Veranstaltungen, so der Vorstand.
Die Kasino-Gesellschaft Leverkusen gründete sich vor 125 Jahren im Kasino der Bayer AG in Leverkusen. Damals organisierten sich die leitenden Angestellten mit Unterstützung der Unternehmensleitung. Aus dieser Initiative entstand im Laufe der Zeit ein eigenständiger Verein. Damals wie heute biete die Gesellschaft eine Plattform für gesellschaftliches und soziales Engagement sowie für kulturellen Austausch und Wissenstransfer. Der Slogan „Werte, Wissen und Kultur“ fasse dies zusammen, heißt es. Der Traditionsverein „ist offen für alle“, betont der Vorstand.
Im Frühjahr hat es dort einen erneuten Wechsel gegeben: Für Hans Peter Döhmen ist Jutta Menne als stellvertretende Vorsitzende in das Gremium gewählt worden. Den Vorsitz hat weiterhin Michael Haug, Elke Strohmann und Peter Wilhelmi sind ebenfalls geblieben. (tk)
