Die Grünen bereiten die Aufstellung ihrer Landesliste vor. Um die Plätze wird mit harten Bandagen gekämpft. Arndt Klocke verzichtet auf eine Absicherung.
Grünen-Politiker geht volles RisikoKölner Arndt Klocke verzichtet auf sicheren Listenplatz

Arndt Klocke steht am Rednerpult des Düsseldorfer Landtags.
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Ein aussichtsreicher Platz auf der Landesliste ihrer Partei ist für viele Politiker in NRW ein kostbares Gut. Denn: Wer über die Liste abgesichert ist, kann seine politische Karriere fortsetzen – abhängig davon, wie das Ergebnis im Wahlkreis ausfällt. Deswegen wird um die Plätze mit harten Bandagen gerungen. Normalerweise. Arndt Klocke, der seit 2010 für die Kölner Grünen im Landtag Politik macht, verzichtet jetzt auf die Absicherung. „Ich setze darauf, dass ich meinen Wahlkreis wie 2022 direkt gewinnen kann“, sagt der Grünen-Politiker dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Das ist zwar nicht ohne Risiko, aber ich sehe das als sportliche und politische Herausforderung“, erklärt Klocke.
Klocke zählt zu den bekanntesten Gesichtern der Grünen in der Landespolitik. Er war Landesvorsitzender und Fraktionschef seiner Partei und ist derzeit als Sprecher für Bauen und Wohnen sowie für mentale Gesundheit zuständig. Klocke weiß, dass man sich bei den Grünen für Seniorität oder langjährige Expertise wenig kaufen kann. Bei den Parteitagen, auf denen die Listen aufgestellt werden, kommt es immer wieder zu Überraschungen.
Erst kürzlich erwischte es Stefan Engstfeld, einen Routinier der Grünen aus Düsseldorf. Der Europa-Experte wollte zum fünften Mal ins Parlament einziehen, unterlag aber klar gegen einen Ratspolitiker. Ambitionierte Nachwuchspolitiker bekommen an der Basis oft viel Beifall, wenn sie das Establishment angreifen. Ein Nervenkitzel, dem Klocke sich nicht erneut aussetzen will, nachdem er für seine Direktkandidatur in seinem Wahlkreis Köln-Nippes/Ehrenfeld ein klares Votum erhalten hatte. „Hier bleibt angesichts der Wohnungsnot noch viel zu tun“, sagte Klocke. Vorbild für sein Vorgehen ist der mittlerweile verstorbene Berliner Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. Er verzichtete 2013 auf einen Listenplatz und war der einzige Grüne, der mit einem Direktmandat (39,9 Prozent der Erststimmen) in den Bundestag einzog.
Bei der Landtagswahl im Jahr 2022 waren vier Grünen-Politiker aus Köln in den Landtag eingezogen, in dem die Fraktion 39 Sitze hat. Sollte Klocke seinen Wahlkreis gewinnen und es bei der bisherigen regionalen Verteilung der Listenplätze bleiben, könnten künftig möglicherweise sechs Kölner Grüne ein Mandat erhalten. Zum Vergleich: Aachen ist bislang mit zwei Abgeordneten vertreten, Leverkusen ging leer aus. Dem Vernehmen nach werden Kölner Pläne bei den umliegenden Kreisverbänden im Bezirk Mittelrhein mit Argwohn beobachtet.
2022 hatten die Grünen mit 18,2 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in NRW erzielt. Derzeit sagen die Umfragen zwar eine geringere Zustimmung bei der Wahl im April 2027 voraus, aber wegen der Schwäche der SPD könnte es den Grünen gelingen, die Zahl der bisher sieben Direktmandate (vier in Köln, zwei in Münster, eins in Aachen) auszubauen. So können sich auch in Düsseldorf, Bielefeld und in Essen grüne Bewerber Hoffnung machen, ihre Wahlkreise direkt zu gewinnen.
Klocke erzielte vor vier Jahren mit einem Anteil von 41,6 Prozent das landesweit beste Ergebnis der Grünen bei den Erststimmen. Damals war er unter anderem gegen Nathanael Liminski (Chef der Staatskanzlei, CDU) und gegen Jochen Ott von der SPD angetreten. Ott wird im kommenden Jahr als Spitzenkandidat seiner Partei gegen NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) antreten.
Die NRW-Grünen wollen ihre Landesliste bei einem Parteitag vom 11. bis 13. November festlegen. Es gilt als sicher, dass NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur aus Düsseldorf auf Platz eins gewählt wird. Danach dürften Umweltminister Oliver Krischer (Düren), Familienministerin Verena Schäffer (Witten), Fraktionschefin Wibke Brehms (Gütersloh), Landtagsvizepräsidentin Berivan Aymaz (Köln) und Parteichef Tim Achtermeyer (Bonn) folgen.
