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„Teilweise war das heftig"Schüler aus Bergheim kommen dem Judentum näher

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Ein menschlicher Davidsstern von Bergheimer Gesamtschülern in Bergheim.

Bergheim – „Teilweise war es schon heftig, die Texte zu lesen“, sagt Caro. Die junge Frau sitzt mit einem guten Dutzend ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler der Jahrgangsstufe zwölf der Bergheimer Gesamtschule im ersten Stockwerk der Stadtbibliothek. Die Gruppe ist Teil des Projekts „Jüdisches Leben in Bergheim“, das das Stadtarchiv um Archivarin Sara Toschke sowie Journalistin Andrea Floß und Inessa Bergs von der Tanzschule Belaro eine Woche lang geleitet haben. Hintergrund sind die Jüdischen Kulturwochen im Rhein-Erft-Kreis.

An der Bergheimer Gesamtschule nehmen die Schülerinnen und Schüler außerdem ein Jahr lang an einem Projektkursus zum Thema unter der Leitung von Elisabeth Amling teil.

Unbekanntes Terrain für Bergheimer Schüler

Die Jugendliche konnten sich eine Woche lang auf verschiedenen Wegen der jüdischen Kultur nähern. Für die meisten ein unbekanntes Terrain: „Wir hatten anfangs wenig Anknüpfungspunkte“, sagt Christian. Er findet es deshalb aber umso wichtiger, sich mit jüdischer Kultur zu befassen. Denn oftmals bekomme man konkret nur etwas über das Judentum mit, wenn es um antisemitische Vorfälle gibt, beklagt Schülerin Tabea. Und in der Woche haben sie gelernt, dass Jüdinnen und Juden auch heute noch mit Vorurteilen zu kämpfen hätten, sagt Nemir.

Was Judentum aber ausmacht, haben die Jugendlichen an den Projekttagen gelernt. Sie konnten mit Inessa Bergs jüdische Tänze lernen, im Stadtarchiv mit Sara Toschke die Familiengeschichten Bergheimer Jüdinnen und Juden recherchieren, besuchten den jüdischen Friedhof und waren dabei, als in Bergheim Stolpersteine verlegt wurden.

Verbrechen einfach vertuscht

Inessa Bergs und ihre Tochter sind Jüdinnen und fungierten selbst als Zeitzeugen. Aufzeichnungen aus früheren Zeiten hätten sie schon mitgenommen, berichtet Schüler Johannes. Natürlich habe man aus Dokumentationen oder in der Schule gelernt, wie schwer es Juden insbesondere früher hatten. „Aber von den Menschen selbst geschrieben zu sehen, wie jemand skrupellos erschossen oder gehenkt wurde, war schon krass“, sagt Caro.

Ihre Mitschülerin Franca bestätigt, dass die Quellen aus dem Archiv die Ereignisse noch näher vor Augen geführt hätten. Für sie sei es besonders schlimm zu lesen gewesen, dass die Verbrechen einfach vertuscht worden seien.

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„Die Schulsysteme verlieren den Bezug zur Geschichte“, meint die Bergheimer Archivarin Sara Toschke. Deshalb war es ihr besonders wichtig, die Jugendlichen einmal auf diese Weise an die Vergangenheit heranzuführen.

Für Mittwoch, 3. November, ist geplant, die Ergebnisse der Projektwoche im Quadrath-Ichendorfer Bürgerhaus zu präsentieren. Unter anderem wird dann auch ein jüdischer Tanz aufgeführt. Die Schülerinnen und Schüler haben außerdem Dokumente vertont, die Aufzeichnungen werden ins Bergheimer Stadtarchiv wandern. Demnächst will die Gruppe auch gemeinsam jüdisch kochen.

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