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„Zutiefst unmenschlich“Demonstranten unterstützen schwer kranke Frau vor Amtsgericht in Brühl

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Männer und Frauen demonstrieren mit Bannern vor dem Amtsgericht Brühl.

Unterstützer demonstrieren vor dem Amtsgericht Brühl für das Zuhause einer schwer kranken Mieterin.

Die Wohnung ist barrierefrei und nach ihren Bedürfnissen eingerichtet. Nun soll Janette Bongart wegen einer Eigenbedarfskündigung ausziehen.

Rund 30 Unterstützerinnen und Unterstützer zogen am Freitag vor das Amtsgericht Brühl, um auf das Schicksal der schwer an Multipler Sklerose (MS) erkrankten Janette Bongart aufmerksam zu machen. Unter dem Motto „Hände weg von Janettes barrierefreiem Zuhause“ versammelten sich gegen Mittag die Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude am Balthasar-Neumann-Platz, bevor der Gütetermin und die Verhandlung einer Eigenbedarfskündigung begannen.

Die Demonstrierenden sehen in dem Fall mehr als einen individuellen Mietrechtsstreit. Sie wollen auf die Situation von Menschen aufmerksam machen, die trotz schwerer Erkrankungen, Behinderung und Pflegebedürftigkeit durch Eigenbedarfskündigungen ihr Zuhause verlieren könnten. Janette Bongart lebt seit vielen Jahren im Erdgeschoss eines Zweifamilienhauses in Brühl.

Brühl: Schwer kranke Mieterin soll wegen einer Eigenbedarfskündigung ausziehen

Sie leidet seit 1993 an Multipler Sklerose. Die Krankheit schreitet kontinuierlich voran und hat ihren Gesundheitszustand zunehmend verschlechtert. Heute ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen und benötigt umfassende Unterstützung im Alltag. Ihre Wohnung ist barrierefrei und nach ihren Bedürfnissen eingerichtet. Nun soll sie aufgrund einer Eigenbedarfskündigung ausziehen.

Vor dem Eingang des Gerichtsgebäudes zeigte sich Janette Bongart von der Unterstützung gerührt und dankbar. Bereits im Vorfeld hatte die 55-Jährige betont: „Wenn ich mein Zuhause verliere, verliere ich nicht nur meine Wohnung, sondern den einzigen Ort, an dem ich mich trotz meiner schweren Behinderung sicher fühle.“ Ein Umzug wäre für sie mit erheblichen körperlichen und psychischen Belastungen verbunden.

Während Touristen in der größeren Wohnung im selben Zweifamilienhaus herzlich zur Geldvermehrung willkommen sind, soll eine schwerstbehinderte Frau wegen angeblichen Eigenbedarfs ihr barrierefreies Zuhause verlieren. Das ist zutiefst unmenschlich
Kalle Gerigk, Kölner Wohnungsaktivist und Mitorganisator der Demonstration

Besonders kritisch sehen die Unterstützer die Nutzung des Hauses. Die Wohnung im Obergeschoss werde seit Anfang 2024 als Ferienwohnung an Touristen vermietet und auf Buchungsplattformen unter anderem für Besucher des Phantasialands angeboten. Darauf machte bereits zuvor der Kölner Wohnungsaktivist und Mitorganisator der Demonstration, Kalle Gerigk, aufmerksam. Er sprach von einem Fall mit erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung.

„Während Touristen in der größeren Wohnung im selben Zweifamilienhaus herzlich zur Geldvermehrung willkommen sind, soll eine schwerstbehinderte Frau wegen angeblichen Eigenbedarfs ihr barrierefreies Zuhause verlieren. Das ist zutiefst unmenschlich. So darf mit Menschen nicht umgegangen werden. Das darf nicht passieren“, so Gerigk.

„Es macht mich traurig und wütend, dass Janette trotz ihrer schweren Erkrankung Angst haben muss, ihr Zuhause zu verlieren. Ein Zuhause ist kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis. Deshalb bin ich heute hier, aus Solidarität und weil niemand mit dieser Angst allein gelassen werden darf“, ergänzte Mesun Al-Ustuani.

Nach der Gerichtsverhandlung erklärte Kalle Gerigk, dass keine gütliche Einigung möglich sei. Daraus ergäben sich zwei Möglichkeiten: Die Klage werde abgewiesen oder das Gericht ordne ein Gutachten zum Gesundheitszustand von Janette Bongart und zur Unzumutbarkeit einer Beendigung des Mietverhältnisses an. Dieser Verkündungstermin findet am Donnerstag, 23. Juli, am Amtsgericht statt.