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St.-Sebastianus-SchützenbruderschaftHistorische Schätze an das Stadtarchiv Brühl übergeben

Die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Brühl hat ihr Vereinsarchiv mit Silberschildern ab 1575 und Protokollbüchern dem Stadtarchiv übergeben.

Von

Stadtarchivar Alexander Entius, Marc Prokop, Vorsitzender Frank Pohl, Vereinsarchivar Wolfgang Siegl

Eine Schützenbruderschaft mit dem Jahresdatum 1442 im Vereinsnamen kann sehr weit in die Vergangenheit zurückblicken. Im Fall der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Brühl hat der eine oder andere historische Schatz den langen Weg bis in die Gegenwart überdauert. Nun haben die Schützen ihr bedeutendes Vereinsarchiv an das Stadtarchiv Brühl übergeben.

Wie die Brühler Pressestelle berichtet, begrüßte Bürgermeister Dr. Marc Prokop rund 100 Gäste im Kapitelsaal, darunter zahlreiche Schützen, Historikerinnen und Vertreter von Rat und Verwaltung.

„Unter den wertvollen Archivalien, die übergeben wurden, befinden sich beeindruckende Zeugnisse der Stadtgeschichte: Die knapp 200 Schützenschilder aus Silber, u.a. der Kurfürsten Clemens August von Bayern und Maximilian Friedrich von Königsegg, gehen bis auf das Jahr 1575 zurück. Das älteste Schild stammt von Asuerus von Geisenkirchen“, heißt es von der Brühler Pressestelle.

Eine spannende Quelle sind auch die handschriftlich geführten Protokoll- und Kassenbücher der Schützen, die bis ins Jahr 1671 zurückreichen.

Unterschrift von Clemens August.

Darin taucht einer der bekanntesten Schützenkönige der Bruderschaft auf: Clemens August von Bayern. Er schrieb sich im Jahr 1726, genau vor 300 Jahren, persönlich in das Protokollbuch der Schützenbruderschaft ein und wurde fünfmal Brühler Schützenkönig, so die Pressestelle der Stadt Brühl. Um Clemens August ging es auch in einem Vortrag von Christiane Winkler, der Leiterin der Abteilung Wissenschaft und Vermittlung der UNESCO-Weltkulturerbestätte Schlösser Brühl. Die Stadtführerin Petra Lentes-Meyer überbrachte, verkleidet als Comtesse de Boissieux, Grüße des Kurfürsten Clemens August und übergab eine originale Falkenfeder, die zur Unterzeichnung des Vertrages genutzt wurde.

Mit der Übergabe an das Stadtarchiv werde diese Geschichte sicht- und greifbar

Die Geschichte der Bruderschaft hänge untrennbar mit der Geschichte der Stadt Brühl zusammen, so Frank Pohl, Vorsitzender der Schützenbruderschaft, in seiner Ansprache. Mit der Übergabe an das Stadtarchiv werde diese Geschichte in die Öffentlichkeit getragen und somit sicht- und greifbar. Er richtete dem Team des Stadtarchivs seinen Dank aus und ernannte den Projektleiter Wolfgang Siegl offiziell zum ersten Archivar der Bruderschaft.

Gäste konnten auch einen digitalisierten historischen 35mm-Film von einem Schützenumzug aus dem Jahr 1914 auf einem Monitor verfolgen, der die ersten bewegten Bilder der Stadt zeigt. Im Anschluss kamen Bürgermeister Marc Prokop, Vorsitzender Frank Pohl und das älteste Mitglied der Schützenbruderschaft, Karl Mähler (91 Jahre alt, 74 Jahre Mitglied) ins Gespräch, unter anderem über das Brühler Schützenwesen. Bürgermeister Prokop: „Als Bürgermeister und Schützenbruder bin ich froh und stolz zugleich, dass diese historischen Schätze als Depositum der Stadt Brühl anvertraut werden. Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft ist seit Jahrhunderten untrennbarer Teil unserer Stadtgeschichte. Sie hat sich über Jahrhunderte als Bewahrer wichtiger Werte und Traditionen verdient gemacht und zeichnet, gemeinsam mit den anderen Schützenbruderschaften und -vereinen verantwortlich, dass das Schützenwesen vollkommen zurecht seit 2015 immaterielles Kulturerbe ist!“

Stadtarchivar Alexander Entius sagte: „Durch die Übergabe wird erstmalig ein öffentlicher Zugang zu den Archivalien im Stadtarchiv Brühl geschaffen, um diese wichtigen unikalen Quellen und Zeugnisse für die Geschichtsforschung bereit zu stellen. Diese werden nun digitalisiert und bilden wichtige Grundlagen zur weiteren Erforschung der Stadtgeschichte.“ (rag)