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Palliativteam Rhein-ErftSterben ohne Schmerzen und in Würde ermöglichen

Lesezeit 4 Minuten
Astrid Bitschnau-Lueg begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg.

Astrid Bitschnau-Lueg begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg.

Brühl – „Die Angst vor dem Tod kann ich nicht nehmen. Denn ich weiß ja auch nicht, was er bringt. Aber die Angst vor dem Sterben – die kann ich nehmen“, sagt Dr. Astrid Bitschnau-Lueg. Mit ihren Kollegen vom Palliativteam SAPV Rhein-Erft begleitet sie Menschen, die sich in der letzten Phase ihres Lebens befinden, die im Begriff sind zu sterben.

„Der Mensch soll im Mittelpunkt bleiben“, sagt die Medizinerin, die ärztliche Leiterin des Palliativteams ist. „Jeder Sterbeprozess verläuft individuell. Die Würde des Menschen in seiner letzten Lebensphase und die Linderung seiner Beschwerden sind oberstes Gebot allen Handelns.“

Das haben sich Astrid Bitschnau-Lueg und ihre Kollegen auf die Fahne geschrieben, als sie vor fünf Jahren das Palliativteam SAPV Rhein-Erft ins Leben gerufen hatten. Dem Team gehören heute 14 Ärzte, Fachpflegekräfte, Mitarbeiter ambulanter Hospizdienste und eine Koordinatorin an. Gemeinsam übernehmen sie die Betreuung eines Menschen in der letzten Lebensphase – eben dann, wenn die Krankheit so schwer ist, dass eine Behandlung durch den Hausarzt nicht mehr ausreicht. Das Team arbeitet eng mit der Kronen-Apotheke in Wesseling zusammen, die all die speziellen Apparaturen und Medikamente, die benötigt werden, liefert.

Kein Zeitlimit

Zu Hause in seinem gewohnten Umfeld erhält der Patient Medikamente, die seine Schmerzen und andere Beschwerden lindern. Zum Beispiel: Kann er nicht mehr schlucken, wird das Medikament gespritzt. Hält das schmerzlindernde Morphinpflaster nicht, weil der Patient zu stark schwitzt, wird eine Morphinpumpe angelegt.

Die Ärzte und Pflegekräfte des Palliativteams besuchen die Patienten und schauen nach, was jeder einzelne benötigt. Neben der Behandlung werden Gespräche geführt, auch mit den Angehörigen, und das in aller Ruhe. „Unsere Schwestern haben kein Zeitlimit“, sagt die 47 Jahre alte Ärztin.

„Wenn eine Schwester eine Stunde oder länger braucht, dann braucht sie die Zeit.“ Wie die anderen Ärzte des Palliativteams ist auch Astrid Bitschnau-Lueg niedergelassene Ärztin. Oft ist das Wartezimmer ihrer Praxis voll, wenn sie zu einem ihrer Palliativpatienten gerufen wird. „Die meisten Patienten wissen das und haben Verständnis“, sagt sie. Ihre Praxispartnerin Dorothea Funke, die auch im Palliativteam SAPV Rhein-Erft mitarbeitet, springt dann ein.

Im Schnitt werden die Patienten 21 Tage vom Palliativteam betreut, bis sie sterben. Astrid Bitschnau-Lueg sorgt dafür, dass die Patienten „schön“ sterben, auf möglichst ruhige und entspannte Weise. „Wir bereiten die Patienten und Angehörigen auf das Sterben vor“, sagt sie. Schließlich hätten viele Menschen Angst vor dem Sterben. „Man weiß nicht, wann und wie es passiert.

Davor haben viele Angst.“ Das Team aus Ärzten und Schwestern kümmert sich darum, letzte Wünsche zu erfüllen, nimmt den Patienten Sorgen, indem ungeklärte Fragen beantwortet werden. „Ich kann nicht sterben“, hat ein Mann einst Astrid Bitschnau-Lueg anvertraut. „Was wird dann aus meiner Frau?“ Sie bat die Angehörigen zu einem Gespräch, und die Kinder versicherten, sie würden sich um die Witwe kümmern. Bitschnau-Lueg: „Danach konnte der Mann ruhig sterben.“

Loslösen von Schmerzen, Loslösen von Verpflichtungen, Loslösen vom bisherigen Leben: So gelingt den Patienten oft ein fließender Übergang vom Leben in den Tod. Astrid Bitschnau-Lueg: „Man stirbt, wenn man soweit ist. Und das ist bei den Patienten in der Regel, wenn sie loslassen können.“ Sie sei froh, dass sie die Menschen auf diesem Weg begleiten könne.

Förderpreis bekommen

Das Palliativteam SAPV Rhein-Erft wurde vor fünf Jahren gegründet. 14 niedergelassene Ärzte aus dem südlichen Rhein-Erft-Kreis, Pflegekräfte, Hospizmitarbeiter und Koordinatoren kümmern sich Hand in Hand um sterbende Menschen.

Die Mitglieder des Teams begleiten Menschen bei schwerer, unheilbarer Krankheit und kümmern sich um eine bessere Lebensqualität in der letzten Lebensphase.

Unlängst berichteten Astrid Bitschnau-Lueg, Dr. Klaus Ruberg, Apotheker der Kronen-Apotheke, und der Allgemeinmediziner Dr. Thomas Joist in einem Fachartikel mit der Überschrift „Das Leiden lindern“ über den Aufbau und die Arbeit des Palliativteams Rhein-Erft. Dafür erhielten sie von der LAV-Petrick-Stiftung in Mainz einen Förderpreis in Höhe von 3000 Euro. Davon will das Palliativteam ein weiteres Auto für den Transport von Medikamenten bezahlen. (hc)

www.palliativteam-rheinerft.de

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