Wir begleiten Spürhunde Ruby und Ty von TEK9 bei einer Übung im geschlossenen Elsdorfer Kino Union. Sie erschnüffeln Sprengstoffe wie TNT.
Sicherheitsfirma TEK9Sprengstoff-Spürhunde üben im Elsdorfer Kino für den Ernstfall

Indem sich Spürhund Ty hinsetzt, signalisiert er, dass er zwischen den Sitzen Sprengstoff gefunden hat.
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In einem verlassenen Kino in Elsdorf huscht Spürhündin Ruby zwischen die gepolsterten Sessel. Um alles zu beschnuppern, klettert sie sogar auf die Sitze und lässt sich auf ihrem Parcours gar nicht davon bremsen, wenn die Sitze dabei nach unten klappen.

Die Suchtzeit der Hunde ist beschränkt, da sie sonst überhitzen.
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Die Mitarbeitenden von TEK9 haben verschiedene Sprengstoffe im Kinosaal versteckt: Pentolit, TNT, Rioxam HD, Schwarzpulver und Hexogen. Und tatsächlich: Nachdem Ruby die Nase wieder zwischen die Sitze gesteckt hat, macht sie mit einem Mal Sitz und schaut zu Hundeführer Tom Dickob. Damit signalisiert Ruby ihrem menschlichen Partner, dass sie etwas gefunden hat.
TEK9 sichert Konzerte und Sportevents mit ihren Hunden
Mit solchen Übungen trainiert das private Sicherheitsunternehmen TEK9, das in Bergheim ansässig ist, die Hunde für ihren Einsatz. Veranstalter buchen die Sprengstoffspürhunde als Teil ihres Sicherheitskonzepts für Events.
So begleitete TEK9 etwa Auftritte von Adele in München oder ein Spiel der NBA in Berlin, wie Frank Dickob, sein Sohn Tom Dickob und Claudia Wiegand im Gespräch mit der Redaktion erzählen. 1717 Veranstaltungen in 146 Orten haben sie so schon hinter sich gebracht, heißt es auf ihrer Website. Die Hunde haben wahrscheinlich schon mehr Coldplay-Konzerte besucht als der eine oder andere Mensch.
Claudia Wiegang von TEK9 prägten die Madrider Zuganschläge
Gio Gasparetti, Claudia Wiegand und Frank Dickob gründeten TEK9 im Jahr 2017. „Es ist weltweit schwierig, qualitativ hochwertige Spürhunde zu bekommen“, sagt Claudia Wiegand. „Für mich ist das eine Möglichkeit, auch für den Schutz der Gesellschaft zu sorgen und abschreckend für mögliche Attentate zu sein.“

Zeigt Tom Dickob in eine Richtung, eilt Ruby hin und schnüffelt drauf los.
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Auch ein persönliches Erlebnis brachte die Hundeführerin auf ihrem Weg. Früher habe sie in ihrem Job Niederlassungen und Abteilungen einer Finanzierungsbank geprüft. So kam sie im Jahr 2004 in die spanische Hauptstadt, als es am 11. März zu den Madrider Zuganschlägen kam. Sie selbst sei an dem Tag beinahe in die Bahn gestiegen, hatte sich aber für das Taxi entschieden.
Vereitelter Anschlag auf Konzert von Taylor Swift ändere die Lage
Prägend für die Arbeit rund um Sicherheit sei auch der Terroranschlag auf die Zwillingstürme am 11. September 2001 gewesen, sagt Frank Dickob. „In Amerika wird jedes große Hotel, jedes Casino, jedes Stadion mit Sprengstoffspürhunden geprüft“, sagt Frank Dickob.

Frank Dickob, Claudia Weigand, Tom Dickob und Hündin Toni bei einem ihrer Sprinter.
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Noch immer kommen die meisten Aufträge von amerikanischen Produktionen, die Nachfrage von deutschen Produktionen habe aber ebenfalls zugenommen. Im europäischen Raum sei man auch nach dem vereitelten Anschlag auf ein Taylor Swift Konzert in Wien neu ins Denken gekommen.
TEK9 kooperiert für große Sprengstoff-Mengen mit Bergbau
Um für einen Einsatz vorbereitet zu sein, müssen Mensch und Hund gut geschult sein. Eine grundlegende Ausbildung als Sprengstoffhundeführer sei Voraussetzung, um überhaupt bei TEK9 anfangen zu können, darauf folgt dann eine interne Liste an Schulungen, beispielsweise ein taktisches Training. Neben dem Kino in Elsdorf nutzt das Unternehmen ein besonderes „Bombhouse“ in Süddeutschland, ähnlich den labyrinthartigen Schießhäusern, die man aus Polizeifilmen kennt.
Wir brauchen die Hunde, die keiner haben will
Wichtig sei aber auch Großmengentraining, erzählt Frank Dickob. Ein Hund müsse auch gesondert lernen damit umzugehen, wenn wegen einer großen Menge ein ganzer Raum nach Sprengstoff riecht. „Das ist so, als würde er in einem roten Raum nach einem roten Punkt suchen“, sagt Frank Dickob. Für diese Großmengen kooperiert TEK9 mit einem Steinbruch-Unternehmen, das über entsprechende Mengen für Sprengungen verfügt.
Die Belohnung der Hunde ist Spielzeit
TEK9 beschäftigt neun feste Mitarbeitende, kommt aber mit ihren Kooperationspartnern und freien Mitarbeitenden auf 50 Mitarbeitende, da die Arbeit saisonal unterschiedlich anfällt. Auch neue Mitarbeitende werden im Hund-Mensch-Doppelpack eingestellt, die Hunde leben nämlich als vollwertige Familienmitglieder bei ihren Hundeführern. In so einem Job muss man die Signale des Hundes klar verstehen - auch in Ausnahmesituationen, da ist eine enge Bindung zum Hund fundamental.

Verschiedene Sprengstoffe sind bei den Übungen der TEK9-Hunde im Gebrauch, so auch TNT und Schwarzpulver.
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Das merkt man auch im Kinosaal in Elsdorf. Selbst die Belohnung, die der Hund nach einem erfolgreichen Fund bekommt, ist individuell – im Kinosaal bekommt Ruby etwa ein bisschen Spielzeit mit einer Beißwurst, möchte ein bisschen mit Tom Dickob darum rangeln. Fellnase Ty, der vor seiner Kollegin nach Sprengstoff geschnüffelt hat, bekommt dagegen einen Ball an der Kordel, den Claudia Wiegand ihm durch die Gänge wirft. Einige Hunde würden die Spielzeit sogar einem Leckerli als Belohnung vorziehen, erzählen die Hundeführer.
Auch ein Hund aus demTierheim in Bergheim ist dabei
Auch ein Hund aus dem Tierheim in Bergheim, Chuck, macht seine Ausbildung gerade bei TEK9. „Wir brauchen die Hunde, die keiner haben will“, sagt Frank Dickob. Die Hunde müssen viel Trieb mitbringen, viel Energie, viel Motivation, also Eigenschaften, die einen privaten Halter auch mal überfordern, müssen dabei sein.

Hündin Toni ist mit ihren elfeinhalb Jahren bereits in Altersteilzeit, macht aber hin und wieder noch Einsätze im reduzierten Umfang.
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Von ihren Hunden sind etwa zehn bis 15 aus dem Tierheim, schätzt Frank Dickob. Auch wenn sie mit klassischen Polizeihunden arbeiten, etwa Malinois, deutschen oder holländischen Schäferhunden, sei Reinrassigkeit kein zwingendes Kriterium. „Wir haben wunderbare Erfahrungen mit Mischlingen gemacht“, sagt Frank Dickob.
Und wer wie Hündin Toni mit elfeinhalb Jahren schon viele Jahre auf dem Buckel hat, geht irgendwann in Rente, oder in ihrem Fall in Altersteilzeit. Sie habe immer noch Spaß und sei weiterhin gut in ihrem Job, deswegen mache sie im reduzierten Umfang noch Einsätze. „Ab einem gewissen Alter muss man den Hund schützen“, sagt Frank Dickob. „Die werden alt bei uns, gehen mit in den Urlaub, schlafen vor dem Kamin.“

