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Auftakt zur KulturwocheErftstadt: Stockhausen trifft auf Zimmermann

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Das Bild zeigt die vier Personen sitzend auf der Bühne.

Josephin Wahba (l.) und Elias Wirtz (r.) befragten die Komponistenkinder Markus Stockhausen und Bettina Zimmermann.

Im Anneliese Geske Musik- und Kulturhaus kamen mit Bettina Zimmermann und Markus Stockhausen die Kinder der beiden Komponisten zu Wort. 

„Diese Musik klingt anders als das, was wir sonst so hören“, gestanden die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 des Europagymnasiums Kerpen freimütig.

Bei einem Schulprojekt hatten sie sich in Vorbereitung auf ein Konzert der Bernd Alois Zimmermann-Gesellschaft mit Zimmermanns Musik und der seines zehn Jahre jüngeren Komponistenkollegen Karlheinz Stockhausen beschäftigt, die beide im Rhein-Erft-Kreis geboren sind.

Werke der berühmten Tonsetzer standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Anneliese Geske Musik- und Kulturhaus, die den Auftakt zur Kulturwoche der kult-IG bildete. Dabei bekam man nicht nur Musik zu hören, sondern erlebte mit Bettina Zimmermann und Markus Stockhausen bei einem Podiumsgespräch auch Angehörige der beiden Komponisten.

Musik von Bernd Alois Zimmermann und Kalrheinz Stockhausen

Im Verlauf des Abends standen sich Klavierwerke, Kammermusik und elektronische Kompositionen von Karlheinz Stockhausen und Bernd Alois Zimmermann gegenüber.

In Zimmermanns experimenteller Phase entstanden die acht Konfigurationen für Klavier. Paulo Alvarez erwies sich hier als engagierter Interpret der knappen Klangbilder, die sich in Rhythmus, Klangfarbe und Dynamik stark voneinander unterscheiden.

In andere musikalische Sphären führt Stockhausen „Telemusik“ aus dem Jahr 1966, in der er elektronische Klänge mit Musikfragmenten aus unterschiedlichen Kulturen kombiniert und so faszinierende Hörerlebnisse kreiert. Zimmermanns elektronische Komposition „Tratto II“ wurde wie die „Telemusik“ auf der Weltausstellung in Osaka aufgeführt. Das Werk konfrontiert Hörerinnen und Hörer mit dichten Klangschichtungen.

Markus Stockhausen begleitete seinen Vater nach Osaka

Stockhausens Auseinandersetzung mit der Zwölftontechnik spiegelt sich in der 1951 komponierten dreisätzige Sonatine für Violine und Klavier. Anna Neubert und Paulo Alvarez gaben hier ein erstes Beispiel ihres eindrucksvollen Zusammenwirkens. Eine bemerkenswerte Leistung bot das Duo insbesondere bei Zimmermanns Sonate für Violine und Klavier, einem komplexen Stück, das hohe mentale und physische Anforderungen an die Ausführenden stellt.

Eine persönliche Annäherung an die Komponisten brachte dann das Gespräch mit ihren Kindern. Markus Stockhausen ist eng vertraut mit dem Schaffen seines Vaters, den er als 13-Jähriger nach Osaka begleitet hatte und dessen Werke er vielfach mit aufgeführt hat. „Das ist ein persönlicher Schatz, den man in sich trägt“, so der Trompeter.

Bettina Zimmermann hat ihren Vater, der in späteren Jahren zunehmend unter Gefühlsschwankungen und Depressionen litt, in ihrer Kindheit als vitalen Menschen mit rheinischem Humor erlebt. Ihre Erinnerungen und die zahlreicher Weggefährten hat sie in dem Buch „Con tutta forza“ festgehalten.