Erftstadt-Erp – „Wenn man etwas macht oder anstößt, gibt es dafür einen Anlass. Dieser kann ganz verschiedener Art sein. Beispielsweise Reue oder auch die Suche nach einer Lösung“, beschreibt der 61 Jahre alte Erper Bodo Hütten den Grund dafür, warum er nach einer langen und überaus erfolgreichen Berufskarriere als Sportfotograf plötzlich in eine ganz neue Lebensphase eintauchte.
Den Impuls für die Veränderung hatte er, als 1994 beim Großen Preis von San Marino gleich zwei Formel-1-Fahrer bei Unfällen ums Leben kamen. „Das ging mir so nahe, dass ich mit der Kamera nicht mehr bei solchen Sportereignissen dabei sein wollte.“ In den folgenden Jahren machte Hütten noch Pressefotos für Automobilfirmen und die Fluggesellschaft Lufthansa. Den hektischen Betrieb seiner Presse- und PR-Agentur ließ er jedoch allmählich auslaufen.
Bei Fernreisen nach Asien habe er Einschneidendes erlebt und eine Selbsterfahrung gemacht, die ihn zu dem Entschluss gebracht hätten, das ganze Leben umzukrempeln. Auf diesen Touren seien auch wichtige Kontakte entstanden, die ihn dazu bewogen hätten, Hilfe zu leisten und Neues aufzubauen. Vom hektischen Alltagsgeschehen wandte Hütten sich ab hin zu wohltätigen Projekten. Im November 2007 gründete er die Bodo-Hütten-Stiftung, um Kindern in Indien und auf Sri Lanka zu helfen. Insgesamt fünf Einrichtungen mit etwa 150 Kindern existieren auch dank der Erper Stiftung.
Diese finanziert sich aus Geld, das Hütten nach Beendigung seiner beruflichen Laufbahn angelegt hatte. Zum Stiftungszweck gehören aber auch Stipendien, die gegebenenfalls vergeben werden können. Zwar sei der Aktionsradius der Stiftung international unbegrenzt. Doch liege der Fokus zunächst auf den Ländern der sogenannten Dritten Welt, sagt Hütten. Das Kuratorium besteht aus ihm und drei weiteren Privatpersonen.
Mädchen und Jungen soll das Rüstzeug mit auf den Weg gegeben werden, was sie nach Hüttens Meinung am dringlichsten brauchen: Erziehung und Bildung. Beides sei untrennbar miteinander verbunden. Erziehung helfe Kindern dabei, sich nicht durch irgendeine Form des Glaubens an ein Muster der Moral oder Respektabilität binden zu lassen. „Die Aufgabe der Gesellschaft ist nicht, Kinder zu formen, sondern ihnen zu helfen, sich zu entwickeln“, betont Bodo Hütten. Bildung sei Rüstzeug für jeden Menschen. Sie sei letztlich das Entscheidende, was die Menschheit vor einer globalen Katastrophe retten könne. „Wenn der Mensch richtig anfängt zu denken, löst er auch die Probleme.“
Bodo Hütten reist jedes Jahr für drei Monate nach Indien und Sri Lanka. Er knüpft Kontakte und macht sich stets aufs Neue ein Bild über die Arbeit vor Ort. „Es ist jedes Mal großartig zu erleben, wie Kinder zu freien Menschen erzogen werden. Dank Erziehung, dank Bildung und ohne jede Ideologie.“