Doris Buchbinder und ihr Mann haben den Nachlass des Firmengründers Paul Kerp dem Stadtarchiv Erftstadt überlassen.
Ehrenkachel verliehenErinnerungen an die „Patria“ in Erftstadt-Lechenich

Der Erste Beigeordnete der Stadt Michael Reutter, Norbert J. Pies, Doris Buchbinder und Frank Bartsch, Leiter des Stadtarchivs (v.l).
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Für viele Menschen aus Lechenich muss der 22. April 1970 ein denkwürdiger Tag gewesen sein. Als letzter Teil der Rheinischen Rübenkrautfabrik „Patria“ wurde an jenem Mittwoch ein 40 Meter hoher Schornstein gesprengt. In einem Artikel, der zwei Tage später erschien, ist neben einem Schwarz-Weiß-Foto des im Staub versinkenden Schornsteins davon die Rede, dass der „erste Industriezweig von Lechenich“ nun nicht mehr existiere.
Heute erinnert unter anderem der Straßenname „An der Patria“ noch an die 1913 gegründete Firma, die bei der Ernte ein Jahr später bereits fast 5000 Tonnen Zuckerrüben und 1000 Tonnen Rübenkraut einfuhr. Der Artikel ist ein Teil des Nachlasses von Fabrikgründer Paul Kerp und seiner Familie, der von dessen Urenkelin Doris Buchbinder gemeinsam mit ihrem Mann Mathias dem Stadtarchiv Erftstadt überlassen wurde.
Erftstadt: Preis für Menschen, die sich für Erhalt von Archivalien einsetzen
Für diese Spende wurde dem Ehepaar am Sonntag die „Ehrenkachel 2026“ des Fördervereins Historisches Archiv der Stadt Erftstadt verliehen. Mit dem Preis werden Personen oder Institutionen geehrt, die sich in besonderer Weise für den Erhalt oder den Erwerb von Archivalien engagieren.
Für Doris Buchbinder sind mit den Stücken Erinnerungen verbunden, denn sie wuchs Ende der 1950er Jahre noch auf dem Gelände der Krautfabrik auf. „Das war ein riesiges Feld, wo immer die Bauern ankamen mit ihren Traktoren. Hinten in den Ställen gab es ganz am Anfang auch noch Pferde“, sagt Buchbinder und auch der unverkennbare Geruch der Krautfabrik sei ihr im Gedächtnis geblieben.
Ebenso wie ein Spektakel, das sich in unmittelbarer Nähe ihres Wohnorts abspielte. Denn auf dem angrenzenden Feld habe sich jedes Jahr der örtliche Karnevalszug aufgestellt. „Wir hatten einen Balkon, der dahin ausgerichtet war und dann standen wir dort und konnten den Karnevalszug immer als erstes sehen, wenn er losging“, erinnert sich Buchbinder.
Ihren Urgroßvater Paul Kerp lernte sie als Kleinkind noch kennen. „Wir haben Fotos, wo an seinem Geburtstag alle Urenkel ordentlich aufgereiht neben ihm auf der Couch sitzen“, sagt Buchbinder. An sein langjähriges Orgelspiel in der Kirche Sankt Kilian, das ihm sogar eine kirchliche Auszeichnung einbrachte, erinnere sie sich aber nicht mehr.
Den Nachlass dem Stadtarchiv zu überlassen, war für die 70-Jährige Ausdruck ihrer Verbundenheit zu Lechenich. „Ich bin zwar in Köln geboren, aber nach ein paar Tagen bin ich nach Lechenich gekommen und seitdem lebe ich hier“, so Buchbinder. Und das glücklich. Neben dem Nachlass der Familie kann das Stadtarchiv noch zwei weitere Neuzugänge verzeichnen. Gemeinsam mit Norbert J. Pies, dem Vorsitzenden des Fördervereins, und dem Ersten Beigeordneten der Stadt Michael Reutter präsentierte Archivleiter Frank Bartsch am Sonntag auch ein stadthistorisches Kneipengemälde und ein Lechenicher Poesiealbum aus dem Jahr 1874.
