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Jagdhornbläsercorps ErftstadtWalter Keil: „Es ist schon schwierig mit dem Nachwuchs“

4 min
Ein Korps aus Jagdhornbläsern steht im Wald und hat die Hörner in den Händen.

Das Jagdhornbläsercorps Erftstadt besteht seit 60 Jahren. 

Der Jagdhornbläser spricht im Interview über die Besonderheiten des Instruments, die Jagd und die Suche nach dem Nachwuchs. 

Das Jagdhornbläsercorps Erftstadt, das es seit 1966 gibt, besteht aus mehr als 25 Frauen und Männern. Neben Jägerinnen und Jägern hat das Corps auch Mitglieder, die nicht jagen. Walter Keil, Pressesprecher des Jagdhornbläsercorps, sprach im Interview mit Eva-Maria Zumbé unter anderem über das Instrument, die Suche nach Nachwuchs und die Jagd.

Jagdhornbläsercorps sind selten. Was begeistert Sie am Instrument und wie kamen Sie dazu? 

Walter Keil: Neben der Gemeinschaft begeistert mich auch das Spielen dieses Instruments. Ich bin seit über 20 Jahren dabei und kam wie die Jungfrau zum Kind. Als freier Mitarbeiter vom LVR-Freilichtmuseum Kommern habe ich damals die Aufgabe bekommen, die Postkutsche zu fahren. Ich habe gesagt: Wenn ich schon die Postkutsche fahre, muss ich auch ein Posthorn blasen können. Also habe ich angefangen, bei den Jagdhornbläsern zu spielen, und bin dabei geblieben. Bei unseren Mitgliedern ist das unterschiedlich. Die einen sind Jäger und möchten selbstverständlich auch Jagdsignale blasen können. Die anderen haben Freude an der Musik.

Ein Mann sitzt vor einer weißen Wand und lächelt.

Walter Keil sprach im Interview über das Jagdhornbläsercorps Erftstadt.

Welche Signale gibt es denn?

Es gibt zum Beispiel Todsignale, das sind Ehrensignale, die man zu Ehren des erlegten Wilds spielt. Zudem haben wir Signale, die gespielt werden, um über eine größere Distanz alle Jäger, Treiber und Mitwirkenden zu erreichen, die die Jagdprozedur begleiten. Das fängt an mit dem „Sammeln der Jäger“ bis zum „Jagd vorbei“-Signal, wenn nicht mehr geschossen werden darf. Das sind alles Signale, die nicht vom Handy, sondern mit dem Horn weitergegeben werden. Und das Horn hört jeder. Es gibt aber nicht nur die Jagdsignalstücke, sondern auch konzertante Stücke wie Märsche und Fanfaren. „Ein Jäger aus Kurpfalz“ kann man auch auf dem Horn spielen. 

Es gibt verschiedene Arten von Jagdhörnern. Worin unterscheiden sie sich?

Das klassische Jagdhorn ist das sogenannte Fürst-Pless-Horn. Das Horn hat fünf Naturtöne und wird nicht über Ventile gespielt, sondern über Naturtöne, die mit den Lippen erzeugt werden. Und es gibt noch die französischen Hörner, die Parforcehörner. Diese Hörner sind wesentlich dunkler gestimmt und werden auch bei uns in den Orchestern und Corps zur Untermalung eingesetzt, um unterschiedliche Klangstufen zu erreichen. Bei uns im Corps gibt es mittlerweile auch einige Jagdhornbläser, die sich Ventilhörner angeschafft haben, um auch die Zwischentöne spielen zu können.

Auch viele junge Menschen interessieren sich wieder für die Jagd und machen einen Jagdschein. Wie sieht es bei Ihnen mit dem Nachwuchs aus? Spielen auch junge Jägerinnen und Jäger im Corps mit?

Es ist schon schwierig mit dem Nachwuchs. Und es wird immer schwieriger, junge Menschen dafür zu begeistern. Wir haben von 25 bis 88 Jahre alles dabei. Natürlich sind die Wenigsten jüngeren Datums. Wir gehen auch über den Jagdverband an die Jungjäger heran. Es kommen auch vereinzelt Jungjäger zwischen 20 und 30 Jahren, bleiben aber nicht lange. Sie kommen zu den Jagdhornbläsern, um andere Jäger kennenzulernen und mehr Kontakte zu knüpfen, das ist der Hauptgrund der jungen Jäger. Nach einer gewissen Zeit verlassen sie das Corps wieder, weil Beruf, Familie und Jagd schwer miteinander zu vereinbaren sind. Auch die ganz Alten kommen nur noch sporadisch, weil sie auch aus körperlichen Gründen nicht mehr alles machen können. Das Blasen ist nicht das Problem, sondern das Stehen. Denn nur wenn ich stehe, sind meine Lunge und mein Zwerchfell frei.

Wie hat sich die Jagd über die Zeit verändert?

Die Jagd hat in der Menschheit eine ganz große Rolle gespielt. Früher unterlag die Jagd dem Adel, und der hat die Jagd­instrumente zur Verfügung gestellt, um die Jagd auch zu regulieren. Heute ist es immer noch wichtig, dass man das Wild reguliert, um Schäden oder Populationskrankheiten auszuschließen oder einzudämmen. Mittlerweile ist es schon schwierig geworden mit der Jagd. Die Wälder werden auch stark touristisch genutzt.

 Welche Auftritte sind für dieses Jahr geplant?

Beim 33. Landeswettbewerb im Jagdhornblasen im Mai auf Schloss Paffendorf in Bergheim haben wir uns als Gastbläser angemeldet. Zudem begleiten wir eine Jagd, auf der wir Jagsignale spielen. Öffentliche Veranstaltungen haben wir in Richtung Herbst, wenn wir auf Herbstfesten spielen, beim Tag der offenen Tür im Umweltzentrum in Friesheim und auf den Weihnachtsmärkten in Lechenich und auf dem Erdbeerhof Schumacher in Konradsheim.

Wie blicken Sie auf die Zukunft des Jagdhornbläsercorps?

Ich hoffe, dass uns das so wie in der Vergangenheit weiter gelingt, Mitglieder zu bekommen, und uns die älteren Mitglieder noch lange erhalten bleiben. Das ist die Hoffnung und das Ziel.


Das Jagdhornbläsercorps

Das Jagdhornbläsercorps Erftstadt feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Die Geschichte des Corps begann 1965, als sich fünf Bläser zusammenfanden. 1966 kamen sechs weitere hinzu, sodass sie im August dieses Jahres das Jagdhornbläsercorps Oberliblar gründeten. Bei der Stadtgründung zwei Jahre später wurde das Corps in „Jagdhornbläsercorps Erftstadt“ umbenannt. Von mittlerweile 25 Mitgliedern sind laut Walter Keil sieben bis acht aktive Frauen dabei.

Geprobt wird donnerstags um 19 Uhr im Schützenhaus in Lechenich. Für Anfänger und Interessierte gibt es Sonderstunden. Kontakt und weitere Informationen hier. (eva)