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Bundesverband in FrechenSo sieht Stephan Olbricht die Arbeit und Herausforderungen von Logopäden

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Auf dem Bild ist ein Mann zu sehen, der an einem Schreibtisch sitzt.

Stephan Olbrich arbeitet seit fast 30 Jahren als Logopäde. Er ist Mitglied im Bundesvorstand des Bundesverbands für Logopädie mit Sitz in Frechen.

Lange Wartezeiten für Logopädie-Plätze auch im Rhein-Erft-Kreis – Angestellte Therapeuten verdienen wenig.

Wenn das K wie ein T klingt oder man sich beim Trinken häufig verschluckt, kann eine Therapie helfen. Immer mehr Menschen brauchen Sprach- oder Schlucktherapie. Aber auf einen Platz müssen sie viele Monate warten. Über die Gründe sprach Beate Schwarz mit Stephan Olbrich, Mitglied im Vorstand des Bundesverbands für Logopädie (dbl), der seinen Sitz in Frechen hat.

Herr Olbrich, wenn ich das Wort „Logopädie“ höre, denke ich zuerst an Kinder, die lernen sollen, bestimmte Buchstaben und Laute richtig auszusprechen. Ist das tatsächlich die wichtigste Aufgabe von Logopädinnen und Logopäden?

Stephan Olbrich: Sprachauffälligkeiten bei Kindern sind ein Schwerpunkt, ja. Aber Logopädie ist wirklich für jede Altersstufe von Bedeutung. Wir behandeln Säuglinge mit schwerer Schluckstörung, junge Erwachsene mit Stimmstörungen, Menschen mit neurologischen Erkrankungen, Verkehrsunfallopfer mit Traumata, hochbetagte Patienten mit Sprach- und vor allem Schluckstörungen.

Sind die Geschlechter unterschiedlich stark betroffen?

Nein, das Geschlecht spielt bei der prozentualen Verteilung keine große Rolle. Nur vom Stottern sind häufiger Jungen betroffen.

Wie steht es um die Versorgung? Wie lange müssen Patienten warten, bis sie eine Therapie beginnen können?

Deutschland ist weitgehend gut mit Praxen abgedeckt. Allerdings muss man im ländlichen Raum oft weitere Strecken fahren oder es ist kein Hausbesuch möglich. Die Wartezeiten für einen Therapieplatz liegen eigentlich überall bei durchschnittlich sechs bis zwölf Monaten. Wie lange man warten muss, hängt auch stark von der persönlichen Flexibilität ab. In vielen Praxen kann man vormittags relativ schnell einen Termin bekommen, während die Wartezeit für Termine am späteren Nachmittag über ein Jahr beträgt. Viele alte Menschen, die zum Beispiel in einem Seniorenheim leben, benötigen einen Hausbesuch. Der braucht mehr Zeit, was die Therapietermine in der Praxis beeinflusst.

Warum sind Termine am Nachmittag besonders gefragt?

Viele Menschen, die arbeiten, haben erst nachmittags Zeit. Oft erlauben Kitas auch nicht, Kinder während der Betreuungszeit abzuholen und wieder zu bringen. Bei einigen Klienten wären übrigens mehrere Therapietermine pro Woche medizinisch sinnvoll, aber das ist oft nicht umsetzbar.

Gibt es zu wenige Logopäden?

Ja. Die Bundesagentur für Arbeit listet Logopäde als Engpassberuf. 2025 dauerte es bundesweit 142 Tage, bis eine freie Stelle besetzt werden konnte, in Nordrhein-Westfalen sah es mit 110 Tagen etwas besser aus. Das bezieht sich aber nur auf die Stellen, die der Bundesagentur für Arbeit überhaupt gemeldet wurden.

Warum gibt es zu wenige Behandler?

Der demografische Wandel ist einer der Gründe. Etwa 20 Prozent unserer Verbandsmitglieder erreicht in den kommenden fünf Jahren das Rentenalter. Die Bezahlung ist außerdem nicht sehr attraktiv. Angestellte Logopäden kommen auf einen Durchschnittslohn von etwa 23 Euro pro Stunde. Das hat eine Erhebung des dbl mit über 1000 Teilnehmenden dieses Jahr ergeben. Gemessen an ihrer Verantwortung und Belastung werden angestellte Logopäden nicht gut vergütet. Seit 2017 hatte sich das Lohnniveau etwas verbessert. Die geplante Gesundheitsreform würde die Entwicklung ausbremsen. Das ist kein gutes Signal an junge Menschen, die erwägen, Logopädin oder Logopäde zu werden.

Die Zahl der Verordnungen steigt. Mehr als 1,9 Millionen waren es laut Heilmittelreport der Gesetzlichen Krankenversicherungen im Jahr 2025, das sind 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr. In Nordrhein-Westfalen waren es sogar 4,2 Prozent mehr. Woran liegt das?

Vor allem die Zahl alter Patientinnen und Patienten wächst – und das wird sich fortsetzen. Andererseits gibt es durch die Einwanderung nach Deutschland viele Kinder, die zum Zeitpunkt der Einschulung keine ausreichenden deutschen Sprachkenntnisse haben. Auf den ersten Blick scheint das ein Bildungsproblem zu sein. Tatsächlich werden dadurch aber Kinder, die ein medizinisches Sprachentwicklungsproblem haben und Logopädie bräuchten, lange übersehen und kommen viel zu spät in die Praxen. Dadurch können sich die Behandlungsdauer verlängern und die Behandlungsaussichten verschlechtern.

Einige Logopäden sagen, die Arbeit sei anstrengender geworden. Was sind die Gründe?

Ja, die Intensität mancher Behandlungsfelder nimmt zu. Das lässt sich nicht immer mit harten Zahlen belegen. Kolleginnen und Kollegen berichten beispielsweise, dass die Zahl der Kinder mit autistischen Störungen zunimmt. Die Kinder können ihr Verhalten so wenig kontrollieren, dass die Logopäden viel Energie darauf verwenden müssen, dass ihre Materialien und sie selbst unversehrt bleiben, während sie versuchen, therapeutische Ziele zu erreichen. Das kostet unglaublich viel Kraft.

Wie lassen sich die Bedingungen für Logopädinnen und Logopäden verbessern?

Es gibt mehrere Ansatzpunkte. Zum einen die Bezahlung, die trotz Verbesserungen nicht sehr attraktiv ist und sich durch die geplante Gesundheitsreform faktisch leider nicht verbessern wird. Dann sollte der bürokratische Aufwand reduziert werden. Die Komplexität der Heilmittelrichtlinie zwingt uns, viel Zeit für das Prüfen und Korrigieren von Formalien zu verwenden, ohne dass dies entsprechend vergütet wird. Es wäre besser, die Zeit für die Patienten nutzen zu können.

Es gibt derzeit zwölf verschiedene Zugänge zum Beruf. Ist das sinnvoll?

Das „Gesetz über den Beruf des Logopäden“ von 1980 entspricht längst nicht mehr den Anforderungen. Ein gemeinsames Berufsgesetz für alle Ausbildungs- und Studienwege würde für eine standardisierte Qualifikation sorgen, neue Karrierewege innerhalb der Logopädie ermöglichen und der Flucht aus dem Beruf entgegenwirken.

Warum sind Sie Logopäde geworden?

Ich wollte eigentlich Journalist werden. Dann leistete ich 1992 Zivildienst in einem Wohnheim für schwerbehinderte Menschen. Zuerst war ich mental total überfordert. Dann lernte ich, dass meine Arbeit keine Einbahnstraße ist und dass ich ganz viel zurück bekomme. Ich sah Menschen, die schwer krank sind und trotzdem meist zufrieden und froh wirkten – und änderte meine Definition für ein glückliches Leben. Davon profitiere ich noch heute. Logopädie ist eine tolle Fähigkeit, Menschen beim Überwinden kleiner und größerer Probleme zu helfen.


Sprechen und Schlucken verbessern

Stephan Olbrich ist Mitglied im Bundesvorstand des Bundesverbands für Logopädie (dbl). Der dbl hat seinen Sitz in Frechen und rund 8000 Mitglieder. Olbrich führt seit 1999 eine eigene Praxis und Förderstelle mit insgesamt 30 Therapeutinnen und Therapeuten in Alzenau, Bayern. Logopäden behandeln Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörbeeinträchtigungen. Logopädie bedeutet wörtlich „Sprecherziehung“. Der Begriff wurde 1913 erstmals benutzt; Sprachheilkunde ist also eine relativ junge Disziplin. (bsz)