Eine der letzten Sportkegelanlagen der Region liegt in Frechen – Kondition und Technik sind entscheidend.
Neue IdeenSo steht es um eine der letzten Sportkegelanlagen der Region in Frechen

Kondition, Koordination und Konzentration, darauf kommt es beim Kegeln an. Jens Trier trainiert mit dem Team des SK Hürth auf der Frechener Bahn.
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Kugel nehmen, anlaufen, abstoppen, Kugel aufsetzen, kurz hinterherschauen, die nächste Kugel nehmen. Jens Trier spult sein Trainingsprogramm routiniert ab. Trier ist Sportkegler. Sein Team, die 1. Mannschaft der SK Hürth, ist vergangene Saison aufgestiegen und wird ab September in der dritthöchsten von sechs Spielklassen antreten, der NRW-Liga.
Allein sechs Wettkampfmannschaften von drei Vereinen spielen auf der Sportkegelanlage im Frechener Kurt-Bornhoff-Sportpark: der Sportkegler Frechen 1975 e.V., der Sportkegler Hürth e.V. und der Aachener Sportkeglerverein 1904 e.V. Außerdem kommen eine Betriebssportgruppe, Jugendliche und nicht an Mannschaften gebundene Kegler. Der älteste Spieler ist fast 90, die jüngsten sind Schülerinnen und Schüler.
Der verklinkerte Flachbau des SK Frechen liegt versteckt oberhalb des Freibads, direkt neben dem Gelände des Waldkindergartens Buntspechte. Wenn drinnen die Kugeln über die Bahnen rollen, hört man draußen ein dumpfes Donnern. „Die Anlage in Frechen ist eine der letzten in der Region“, sagt Petra Höschler.

Es gibt immer weniger Sportkegelbahnen in der Region. Eine der letzten ist die des Sportkegler Frechen 1975 e.V. oberhalb des Terrassenbads.
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Höschler kegelt seit Kindertagen, war Deutsche Meisterin und 21 Jahre Vorsitzende des Frechener Vereins. Wie viele hier stammt sie aus einer Keglerfamilie: Ihr Vater war dreimal Deutscher Meister. „Als die Anlage 1989 eingeweiht wurde, war Kegeln Volkssport“, sagt sie. Zu Stadtmeisterschaften seien bis zu 300 Besucher gekommen.
Viele Vereine haben sich aufgelöst, Bahnen wurden geschlossen
In den 1980er-Jahren hatte der Deutsche Kegler- und Bowlingbund laut Statistischem Bundesamt fast 200.000 Mitglieder, 2023 verzeichnete der Deutsche Olympische Sportbund knapp 63.000. Viele Vereine haben sich aufgelöst, Bahnen wurden geschlossen.

Viele Pokale haben die Sportkegler errungen.
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Die Anlage des Aachener Sportkeglervereins fiel allerdings dem Hochwasser 2021 zum Opfer. Seitdem kommen die Damenteams nach Frechen. Kegeln sei ein Einzelsport, der im Team am meisten Spaß mache, sagen die Aktiven, die man an diesem Trainingsabend antrifft. „Es ist immer gute Stimmung – auch ohne Bengalos“, sagt Sonja Thissen, seit Mai Vorsitzende in Frechen, und lacht. „Bei Wettkämpfen mit anderen Teams ist das nicht anders.“
Die Kugel wird bis zu 25 Stundenkilometer schnell
Die richtige Technik sei bei diesem Sport entscheidend. Denn um beim Abräumen einzelne Kegel zu erwischen, muss man die Kugel andrehen und die Kehlung der Bahn zu nutzen wissen. Starke Oberschenkel und eine gute Kondition braucht es natürlich auch: Immerhin werfen Erwachsene binnen 48 Minuten 120 Mal eine 2,9 Kilogramm schwere Kugel. Um die 25 Stundenkilometer schnell ist sie dann auf der Bahn unterwegs.
Die Frechener Anlage ist eine sogenannte Scherenbahn. Die ist laut Verband typisch für Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz, aber auch für die Benelux-Länder. Mit Anlauf ist sie 23,50 Meter lang. Die ersten 9,50 Meter der Holzbahn sind nur 35 Zentimeter breit, danach öffnet sie sich für 8,50 Meter auf 1,25 Meter. Zu den Seiten steigt sie wenige Millimeter an; das ist die bereits genannte Kehlung.

Es gibt immer weniger Sportkegelbahnen in der Region. Eine der letzten ist die des Sportkegler Frechen 1975 e.V. oberhalb des Terrassenbads.
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Das Gebäude im Kurt-Bornhoff-Sportpark gehört der Stadt Frechen. Der Verein hat es bis 2038 gepachtet – bislang kostenfrei. „Allerdings müssen wir alles selbst unterhalten“, erzählt Petra Höschler, „die Heizung, die Technik, das Außengelände, die Stromkosten.“ Wenn irgend möglich reparierten und pflegten Vereinsmitglieder die Anlage selbst.

Sonja Thissen ist neue Vorsitzende, Manfred Hanf neuer Geschäftsführer des Sportkegler Frechen 1975 e.V.
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„Der Bahnwart muss auf jeden Fall einmal pro Woche die Bahnen wachsen. Wachs aufsprühen, mit der Maschine verteilen und anschließend polieren – das dauert mindestens zwei Stunden“, sagt Geschäftsführer Manfred Hanf. Zuletzt rissen die neuen Anlaufbeläge, die eine Fachfirma aus Rheinland-Pfalz eingebaut hat, ein Loch in die Kasse. 5000 Euro habe das gekostet, so Hanf.
Die sportlichen Bedingungen sind im Vereinsheim tipptopp. Der Vorstand, im Mai gewählt, will weiter modernisieren und hofft, neue Interessentinnen und Interessenten fürs Kegeln begeistern zu können. Alle Vorstandsmitglieder stammen ursprünglich aus den Vereinen in Hürth und Aachen, die schon seit Jahren in Frechen trainieren.
„Es ist Zeit für einen Wechsel und für neue Ideen“, begründet die ehemalige Vorsitzende Petra Höschler den Rückzug des kompletten Frechener Führungsteams. Junge Talente, die auf der Bahn trainieren, gibt es. Constantin Zimmermann etwa, der bei seinem ersten Start bei den Westdeutschen Jugendmeisterschaften im April mit 645 Holz einen starken dritten Platz schaffte. Oder U14-Spielerin Amy Jolin Meyer, die in Einzel- und Paarwettbewerben weit nach vorn kam in der abgelaufenen Saison. Oder Fabian Heym: Er holte bei den Deutschen Meisterschaften für Behinderte bereits drei Mal den Titel.
Sportkegeln zum Ausprobieren
Wer testen möchte, ob ihm Sportkegeln Spaß macht, kann unverbindlich zur Anlage im Hans-Schaeven-Weg 5b oberhalb des Frechener Freibads kommen – am besten donnerstags zwischen 17 Uhr und 20 Uhr (Erwachsene) oder freitags zwischen 17 Uhr und 18.30 Uhr (Kinder ab 8 Jahren und Jugendliche). Die Anlage wird auch für Kindergeburtstage vermietet. Kontakt über E-Mail: vorstand@skfrechen.de (bsz)
45 Jahre Kegelclub „Die (K)alleschmiesser“
Nicht in offiziellen Wettbewerben unterwegs, aber auch sehr aktiv sind die Mitglieder des Frechener Kegelclubs „Die (K)alleschmiesser“: Sie feiern in diesem Jahr ihr 45-jähriges Bestehen. Gegründet wurde der Verein am 2. März 1981, das erste Kegeln fand aber erst am 2. Juni des gleichen Jahres statt. Etliche Gründungsmitglieder kamen aus dem Umfeld des örtlichen Fupballvereins.
Das Kegeln findet alle vier Wochen statt, es gibt eine Monatsmeisterpartie und eine Jahresmeisterschaft - sowohl für die Männer als auch die Frauen. Ursprünglich sah die Satzung sieben Ehepaare als Mitglieder vor, aktuell sind es noch sieben Mitglieder, vier Damen und drei Herren.
Alle zwei Jahre geht die Truppe auf Kegeltour, so wurde unter anderem schon Hamburg, Berling und der Spreewald bereist. Die mehrtägigen Ausflüge führten die Frechener aber auch schon ins Ausland, so standen bereits auch Kopenhagen, Paris und der Brengenzer Wald auf dem Programm der Reisen.
Früher war das Haus Meyer in Habbelrath die Heimat des Kegelclubs, seit vielen Jahren wird nun im Fuchsbau in Grefrath gekegelt. Bernd Giesen ist Präsident, Theo Wirtz Schriftführer und seine Frau Margret Kassenwartin. (aj)
