25 Kinder mischen einmal die Woche die Feuerwache in Hürth auf. Für sie hat Betreuer Bernd Bauer ein eigenes Gefährt ohne Motor angefertigt.
400 ArbeitsstundenKinderfeuerwehr aus Hürth hat jetzt ein eigenes Auto

Das Kinderfeuerwehrauto hat keinen Motor – es muss geschoben und gezogen werden.
Copyright: Margret Klose
„Da sind alle Sachen drinnen, die wir als Feuerwehrkinder brauchen“, erzählt Justus (8) und zeigt auf das besondere Feuerwehrfahrzeug, das seit ein paar Tagen das Equipment der Hürther Feuerwehrkinder bereichert. „Das hat Bernd für uns gebaut“, erzählen die Kinder dann durcheinander. Doch es braucht nur einen ernsten Blick, dann verstummen die Gespräche, dann können sich die Betreuer der ganzen Aufmerksamkeit ihrer kleinen Zuhörerschaft sicher sein.
Denn Bernd – der mit vollem Namen Bernd Bauer heißt – ist einer von insgesamt 14 Betreuern der Hürther Kinderfeuerwehr. Er gehört bereits seit 1991 der Freiwilligen Feuerwehr an, seit fünf Jahren ist er im Team der Kinderfeuerwehr.

Schläuche aufrollen, das ist nicht leicht. Doch auch das gehört dazu.
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Seitdem hat er Nerven wie Drahtseile, und kaum etwas kann ihn aus der Ruhe bringen. Die Arbeit mit den Kindern beschreibt er als etwas ganz Besonderes. Klar brauche es Geduld und ab und zu mal ein ernstes Wort. Doch die Begeisterung, mit der die Kinder bei der Sache sind, und ihre Aufnahmefähigkeit seien schlichtweg genial. „Sie sind für mich das schönste Dankeschön, das es für unseren Einsatz geben kann“, erklärt er.
Die Freude der Kinder, ihre schier grenzenlose Wissbegierde und ihre oft leuchtenden Augen bei den Übungen sorgen bei Bernd Bauer für große Freude. Deswegen hat er sich auch richtig auf den Augenblick gefreut, in dem er den Kindern nach nahezu 400 Arbeitsstunden das neue Feuerwehrauto übergeben konnte.
Hürth: Innenausbau und Verzierungen selbst gemacht
Anfangs sei es nur eine Idee gewesen. Im Internet habe er über ein ähnliches Feuerwehrauto für eine Kinderfeuerwehr gelesen. Bei seinen Recherchen habe er dann herausgefunden, dass es den Rohling sogar zu kaufen gibt. Doch der komplette Innenausbau und sämtliche Verzierungen seien dann doch noch sehr viel Arbeit gewesen.
Nach und nach entstanden Schubladen, Auszugsfächer und Halterungen, etwa für die Schläuche und für all die vielen anderen Materialien, mit denen die Kinderfeuerwehr bereits arbeitet. „Es sind eigentlich Nachbauten sämtlicher feuerwehrtechnischen Gerätschaften, mit denen auch die Jugendfeuerwehr und die aktive Wehr arbeitet, nur viel kleiner und leichter“, erklärt Bauer.

Ein tolles Team: die Kinderfeuerwehr aus Hürth mit ihren Betreuern.
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Statt eines Motors hat der Wagen einen Handgriff, mit dem er fast überallhin gezogen werden kann. „Das Auto ist wirklich perfekt“, sagen die Kinder. Schade findet Lina allerdings, dass nicht ein einziger Sitzplatz in dem Auto ist. Tobias (9) lobt hingegen das Blaulicht. „Und hier sind die Löschschläuche und unsere Atemschutzgeräte“, ruft Alina.
Wenn ich groß bin, dann will ich Feuerwehrfrau werden
Linas Augenmerk liegt auf dem Heck, wo unter anderem die Kupplungen und Verbindungsteile für die Löschschläuche untergebracht sind. Längst weiß Lina auch: „Wenn ich groß bin, dann will ich Feuerwehrfrau werden. Deswegen finde ich es auch gut, dass ich schon jetzt bei der Kinderfeuerwehr sein kann“, erklärt sie. Doch erst einmal verflucht sie es ein bisschen, dass die Feuerwehrschläuche nach jeder Übung wieder aufgerollt werden müssen.
„Das ist ganz schön anstrengend“, sagt sie. Übungen an sich findet aber auch Lina total gut. Am besten gefallen ihr die Löschangriffe, wenn sie selber ein Feuer löschen dürfen. „Bei den Übungen löschen wir mit Wasser“, erklärt das Mädchen. Möglich sei es aber auch, ein Feuer mit Schaum, Pulver oder mit einer Löschdecke zu bekämpfen.
Spannend finden die Kinder auch die Übungen, bei denen sie auf allen vieren durch einen dunklen Raum krabbeln, um dort nach einem Teddy oder einer Puppe zu suchen. Längst wissen die Feuerwehrkinder auch, was Knoten und Stiche sind, und sie wissen, wie sie Erste Hilfe leisten – oder sich Hilfe unter der Notrufnummer 112 holen.
„Die brennen alle für die Feuerwehr“, sagt Bauer. Aktuell lernen 25 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren auf sehr spielerische Weise die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr kennen. Als Primus im Rhein-Erft-Kreis hat die Hürther Feuerwehr 2009 ihre Mini-Feuerwehr gegründet. Seitdem mischen Mädchen und Jungen immer donnerstags zwischen 17 und 18.30 Uhr die Feuerwache in Hürth ein bisschen auf.
Doch diese Turbulenzen im Feuerwehrhaus scheinen herzlich willkommen. „Unsere Minis sind klasse“, freuen sich auch haupt- und ehrenamtliche Feuerwehrleute in Hürth. Für sie ist die Kinderfeuerwehr auch eine ganz besondere Investition in die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr. Wie nämlich die Leiterin der Kinderfeuerwehr, Julia Jakobi, erklärt, wechsele der größte Teil der Kinder mit dem vollendeten zehnten Lebensjahr in die Jugendgruppe.
Diese Kinderfeuerwehren gibt es im Rhein-Erft-Kreis
Kinderfeuerwehren bieten Mädchen und Jungen die Möglichkeit, sich spielerisch mit dem Thema Brandschutz auseinanderzusetzen. Schon sehr früh werden die Kinder an die ehrenamtliche Tätigkeit in der örtlichen Gemeinschaft herangeführt.
„Im Rhein-Erft-Kreis gibt es inzwischen vier Kinderfeuerwehren in Bedburg, Hürth, Brühl und Pulheim – mit insgesamt 41 Kindern“, lobt Kreisbrandmeister Thomas Weiler. Auch er findet die Kinderfeuerwehren einfach super. (mkl)

