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Neues AngebotSo entlastet Kurzzeitwohnen in Hürth die Eltern von Kindern mit Behinderung

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Das Foto zeigt Jonas in einem Schaukelnest, dahinter seine Mutter Nicole Fuchs.

Das Schaukelnest ist Jonas' Lieblingsplatz im Kurzzeitwohnbereich des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses. Seine Mutter Nicole Fuchs hat lange nach einer Einrichtung gesucht.

Im Dietrich-Bonhoeffer-Haus der Diakonie Michaelshoven in Hürth sind Kurzzeitgäste ab sechs Jahren willkommen. Für viele Eltern ein Glücksfall.

In Ruhe duschen oder mal ein Fest besuchen: Für viele Eltern von Kindern mit Behinderungen sind das Wunschträume. Das Dietrich-Bonhoeffer-Haus der Diakonie Michaelhoven in Hürth-Hermülheim bietet Betreuenden jetzt die Möglichkeit, sie wahr zu machen. Denn seit Ende Mai gibt es hier sechs Einzelzimmer für Kurzzeitgäste ab sechs Jahren. Familien können in der Auszeit Kraft tanken – und ein bisschen Abnabelung üben.

Jonas hat seinen Lieblingsplatz gefunden: die Nestschaukel im Flur. Zwei Wochenenden hat der 16-Jährige bereits im Dietrich-Bonhoeffer-Haus verbracht, mit anderen zusammen gekocht, gespielt, einen Ausflug auf den Gertrudenhof gemacht. Für Nicole Fuchs, seine Mutter, ist das neue Kurzzeitwohnen in Hürth „ein Sechser im Lotto“, wie sie sagt. Sie hat lange nach einer Einrichtung gesucht, in der Jonas willkommen ist.

Bundesweit gibt es einen Mangel an Kurzzeitwohnplätzen

„Wir waren in ganz NRW unterwegs und haben uns Einrichtungen angesehen“, erzählt sie, „aber entweder wurde Jonas gleich abgelehnt oder das Probewohnen ist schiefgegangen.“ Als es nach dem ersten Wochenende im Dietrich-Bonhoeffer-Haus geheißen habe, Jonas dürfe wiederkommen, „da hatte ich Tränen in den Augen“.

Fuchs ist alleinerziehend und arbeitet Teilzeit als Sekretärin an der Universität Köln. Mittags, wenn sie Jonas von der Förderschule für Geistige Entwicklung in Brühl abgeholt hat, fahren sie häufig noch zu Therapien. Dass das Kurzzeitwohnen nur wenige Autominuten vom Zuhause in Hürth entfernt liegt, ist für Fuchs ein zusätzlicher Glücksfall.

Das Foto zeigt die beiden Leiterinnen vor einer Wand mit Graffiti im Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

Vanessa Vieth (l.) leitet das Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Hürth, Lea Kolbeck den neuen Kurzzeitwohnbereich.

Die Idee für das neue Angebot hat Vanessa Vieth, die Leiterin der Einrichtung, zusammen mit einem Projektteam entwickelt. „In den Räumen haben früher Schülerinnen und Schüler der LVR-Anna-Freud-Schule in Köln gewohnt. Aber es wurden immer weniger, und dann standen die Räume leer“, erzählt sie. Dass es bundesweit einen Mangel an Kurzzeitwohnplätzen gibt, war schnell klar. Das Vinzenz-Heim in Aachen etwa, mit dem sich Projektteam und Geschäftsführung austauschten, habe Wartezeiten von mehr als eineinhalb Jahren.

Ein Kind mit Behinderung habe Anspruch auf 42 Tage Kurzzeitpflege pro Jahr, doch einen Platz zu finden, sei sehr schwierig. „Es gibt Eltern, die fahren bis nach Hamburg, um ihr Kind ein paar Tage gut versorgt zu wissen“, sagt Vieth. Dabei seien Auszeiten wichtig, um Kraft zu tanken. „Um mal etwas alleine mit dem Geschwisterkind zu unternehmen, auszuschlafen oder auf eine Feier zu gehen“, ergänzt Lea Kolbeck, Leiterin des zehnköpfigen Teams Kurzzeitwohnen.

Hürth: Ein Team von Fachkräften kümmert sich um die Kinder und Jugendlichen

Das Team besteht aus Fachkräften, die bislang im Haus in einer der schulbegleitenden Wohngruppen für Jugendliche mit einer körperlichen oder psychischen Behinderung gearbeitet haben, und neuen Mitarbeitenden. Jede Woche andere Kinder und Jugendliche zu betreuen und immer wieder in einer anderen Gruppendynamik zu arbeiten, ist anspruchsvoll. Von Freitag bis Sonntag, aber auch mehrere Wochen können die Gäste bleiben. Schon über 100 Familien hätten sich gemeldet, vor allem aus dem Rhein-Erft-Kreis, aus Köln und Bonn, sagt Lea Kolbeck.

Wer während Schulzeiten hier ist, wird zum Unterricht gebracht. Freizeit, Wochenenden und Ferien sind mit Aktivitäten gefüllt. „Die Kinder sollen hier Spaß haben.“ Für viele Eltern und Kinder ist das Kurzzeitwohnen außerdem eine Übung. „Beide Seiten müssen sich irgendwann abnabeln, das fällt nicht allen leicht“, sagt Kolbeck.

Auch für Nicole Fuchs spricht dieser Aspekt für das Kurzzeitwohnen. „Man sollte keine Angst haben, ein Angebot wie hier in Hürth auszuprobieren“, meint sie. „Und es ist kein Zeichen von Schwäche oder Versagen, Unterstützung anzunehmen. Das musste ich aber auch erst lernen.“ Jonas jedenfalls fühle sich wohl im Haus. „Er hat schon gefragt, wann er wieder in die Wohnung fährt, um Urlaub zu machen“, sagt seine Mutter und lacht.


Informationen zum Kurzzeitwohnen

Über das neue Angebot für Kinder ab sechs Jahren informiert das Kurzzeitwohnteam am Dienstag, 14. Juli, von 17 bis 19 Uhr im Speisesaal des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses. Adresse: Hermann-Löns-Straße 40-42 in Hürth. Weitere Infos gibt es außerdem auf der Website unter dem Suchbegriff: Kurzzeitwohnen.