Abo

Ursache unklarNachbarn beklagen störendes Geräusch am früheren Rewe-Zentrallager in Hürth

4 min
Das Foto zeigt die Anwohnerin mit einem Lärmmessgerät an ihrem Fenster.

Mit einem Mikrofon an einem Stativ zeichnet die Lehrerin das Geräusch aus ihrem Schlafzimmerfenster heraus auf.

Eine Anwohnerin vermutet eine der Lüftungsanlagen als Ursache. Doch laut Kreisverwaltung werden keine Lärmschutzwerte überschritten.

Ein hochfrequenter Ton macht einigen Bewohnern des neuen Wohnquartiers am Grüngürtel in Hürth-Efferen zu schaffen. Vor allem an warmen Tagen in den Sommermonaten sei das Geräusch oft über Stunden sowohl tagsüber als auch nachts zu hören, beklagt eine Anwohnerin. Sie vermutet die Ursache in einer der Klima- oder Lüftungsanlagen auf den Dächern der benachbarten Regionalzentrale von Rewe West, dem früheren Rewe-Zentrallager. Bislang ist jedoch nicht geklärt, woher das Geräusch kommt.

Im April 2025 ist die Lehrerin in den Neubau gezogen. Von den Fenstern ihrer Wohnung im dritten Stock blickt sie auf die benachbarten Gewerbebauten. Ein paar Wochen später, im Mai 2025, habe sie den Ton zum ersten Mal wahrgenommen – und von da an über Monate an fast täglich, in unterschiedlicher Intensität. „Das Geräusch beeinträchtigt nicht nur die Nachtruhe, sondern stellt auch eine dauerhafte Belastung im Alltag dar“, sagt die Hürtherin, die oft an ihrem Schreibtisch zu Hause sitzt, um Unterricht vorzubereiten.

Hürth: Anwohnerin führte ein Lärmprotokoll

Zunächst beschwerte sie sich bei Rewe und schaltete schließlich die Kreisverwaltung ein, die als Immissionsschutzbehörde für Lärmstörungen durch Gewerbebetriebe zuständig ist. Die Lehrerin führte ein Lärmprotokoll und nahm das Geräusch mit ihrem Mobiltelefon auf. Rewe ließ auf die Beschwerden hin zunächst ein Klimaaggregat mit Lagerschaden reparieren.

Doch der störende Ton sei danach weiterhin aufgetreten, berichtet die Anwohnerin. Der Rhein-Erft-Kreis nahm daraufhin Lärmmessungen an drei weiteren Geräten vor. Die zulässigen Werte seien eingehalten worden, teilt Kreissprecher Thomas Schweinsburg mit.

Über die Wintermonate herrschte dann Ruhe. Doch ab Mai dieses Jahres sei der Ton erneut zu hören gewesen. In ihrer Wohnung im dritten Stock sei er deutlich lauter als unten auf der Straße zu vernehmen, sagt die Lehrerin. Wahrnehmbar sei er aber auch dort. Auch eine Nachbarin aus dem ersten Stock klagt über das störende Geräusch. Die Lehrerin wandte sich erneut an den Kreis.

Das Geräusch beeinträchtigt mich und die Nachbarn zunehmend psychisch und emotional
Eine Anwohnerin

Christiane Preisen, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Rewe West in Hürth, betont, dass dem Unternehmen ein gutes Miteinander mit den Nachbarn wichtig sei. „Deshalb unterstützen wir die laufenden Untersuchungen und haben die technischen Anlagen am Standort vorsorglich erneut durch die jeweils zuständigen Fachfirmen untersuchen lassen.“ Dabei seien keine Defekte oder Störungen festgestellt worden, die als Ursache des beschriebenen hochfrequenten Tons in Betracht kämen.

Auch der Kreis ging der erneuten Beschwerde nach. Vor den Sommerferien richtete die Behörde schließlich für einige Tage eine Dauermessstation in der Wohnung der Lehrerin ein. Wenn die Bewohnerin das Geräusch wahrnahm, richtete sie ein Mikrofon vor ihrem geöffneten Schlafzimmerfenster aus und startete per Knopfdruck eine Aufzeichnung.

Grenzwerte beim Lärmschutz werden laut Kreis eingehalten

Inzwischen liegt die Auswertung der Messungen vor. Nach Angaben des Kreises wurden die zulässigen Richtwerte für urbane Gebiete sowohl tagsüber als auch nachts eingehalten. Allerdings hat die Behörde nicht speziell das von der Anwohnerin beklagte Geräusch bewertet.

„Bei den Messungen wurde der Gesamtlärm ermittelt, da sich das Geräusch der gewerblichen Anlagen und die Geräusche anderer Quellen, insbesondere der nahe gelegenen Autobahn, nicht voneinander trennen lassen“, erläutert Behördensprecherin Claudia Barleben. „Auch nachts überschreiten die gemessenen Werte den zulässigen Grenzwert nicht. Am Tag wird der erlaubte Richtwert von 63 Dezibel um mindestens 18 Dezibel unterschritten.“

Weitere Ermittlungen zu unterschiedlichen Geräuschquellen hält der Kreis angesichts dieses Ergebnisses nicht für notwendig. Aufgrund der Messwerte könne derzeit ausgeschlossen werden, dass „die ermittelte Geräuschsituation in Summe zu erheblichen Belästigungen im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes in der Nachbarschaft“ führe, so Barleben. Für die Kreisverwaltung ist das Verfahren damit abgeschlossen.

Hürth: Lehrerin ist vom Ausgang des Verfahrens enttäuscht

Die Lehrerin ist von dem Ergebnis enttäuscht. „Das Geräusch beeinträchtigt mich und die Nachbarn zunehmend psychisch und emotional“, sagt sie. Inzwischen höre sie den Ton selbst dann, wenn er gar nicht da sei. Mit dem ausklingenden Sommer sei das Geräusch allerdings seltener geworden. Sie hofft, dass über den Herbst und Winter wieder Ruhe einkehrt. Und darauf, dass Rewe die Suche nach der Ursache wieder aufnimmt, sollte der Ton im kommenden Jahr erneut auftreten.

„Das ist eine Frage der guten Nachbarschaft“, meint die Lehrerin. Sie lade die Rewe-Vertreter gern zum Ortstermin in ihre Wohnung ein. „Dann können die den Ton mal selbst hören.“

Rewe-Sprecherin Marie Demmer betont, dass bis heute keine eindeutige Ursache für das von den Anwohnern beschriebene Geräusch gefunden worden sei. Bei einer Lüftungsanlage sei dennoch ein zusätzliches Schallschutzsystem installiert worden, um potenzielle Geräuschquellen weiter zu reduzieren. Sollten sich neue Erkenntnisse ergeben, würden diese geprüft und erforderliche Maßnahmen ergriffen.