Chemieparkbetreiber Yncoris investiert nach eigenen Angaben mehr als 20 Millionen Euro in die Infrastruktur. Ein Besuch auf der Baustelle.
Chemiepark KnapsackSo aufwendig ist die Erschließung des neuen Werksteils Hürth-Süd

Ein Besuch auf der Baustelle: Ralf Müller (Vorsitzender der Geschäftsleitung Yncoris), Projektleiter Georg Klinkhammer, Bauleiter Daniel Linnemeyer, Christoph Kappenhagen (Geschäftsleitung Yncoris) vor dem neuen Regenrückhaltebecken.
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Der Chemiepark Knapsack wächst nach Süden. Auf gut drei Hektar westlich der Luxemburger Straße laufen derzeit die Erschließungsarbeiten für den insgesamt rund 16 Hektar großen neuen Werksteil Süd. Mehr als 20 Millionen Euro investiert Betreiber Yncoris nach eigenen Angaben in die Infrastruktur für den dritten Werksteil des Chemieparks.
Die 13 Hektar große Produktionsfläche im neuen Werksteil hat der Chemiekonzern LyondellBasell langfristig gepachtet. Dort soll ein Recycling- und Weiterverarbeitungszentrum für Kunststoffabfälle entstehen. Wann der Bau beginnt, ist allerdings weiterhin offen. Vor rund einem Jahr hatte das Unternehmen angekündigt, das Projekt zu verschieben. Ursprünglich sollte eine erste Sortieranlage bereits im Frühjahr dieses Jahres in Betrieb gehen.
Hürth: Chemiepark setzt auf Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit
Yncoris treibt die Erschließungsarbeiten dennoch weiter voran. Die Arbeiten sind inzwischen weit fortgeschritten. „Wir sind im Zeitplan und im Budget“, sagt Ralf Müller, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Yncoris. Auf der Produktionsfläche selbst finden derzeit noch keine Bauarbeiten statt.
Für Yncoris sei die Erschließung ein „dicker Brocken“, sagt Müller – das größte Projekt im Chemiepark seit Jahrzehnten. Er sprach von einer „Investition in die Transformation der Chemie“. Im Chemiepark sollen Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit eine zunehmend wichtige Rolle spielen. „Die Erschließung des neuen Werksteils ist auch für unsere Truppe etwas Neues“, sagt Müllers Geschäftsleitungskollege Christoph Kappenhagen. „Was vor 100 Jahren hier gemacht wurde, das machen wir jetzt wieder.“

Eine Spezialfirma hat einen 160 Meter langen Tunnel in bis zu acht Metern Tiefe gebohrt. Durch die Röhre werden Frisch- und Abwasserleitungen verlegt.
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Rund ein Jahr habe allein die Planung gedauert, sagt Projektleiter Georg Klinkhammer. Die Bauarbeiten begannen Anfang 2025. Eine besondere Herausforderung ist der Baugrund. Die Erweiterungsfläche liegt in einem ehemaligen Braunkohletagebau, der vor rund 70 Jahren wieder verfüllt wurde. Um einen tragfähigen Untergrund für die Bauwerke zu schaffen, wurden 600 sogenannte Rüttelstopfsäulen bis zu 13 Meter tief in den Boden eingebracht und mit Kies verfüllt.
Allein unter dem neuen Regenrückhaltebecken befinden sich 200 solcher Säulen. Das 40 Meter lange, 25 Meter breite und 4,20 Meter tiefe Bauwerk fasst 4,2 Millionen Liter und wurde bereits Ende März fertiggestellt. Rund 1000 Kubikmeter Beton und 100 Tonnen Bewehrungsstahl wurden verbaut. Auch das neue Torgebäude und das Gebäude für die Schaltanlage der Stromversorgung mit Mittelspannung stehen bereits.
Ein großer Teil der Infrastruktur verschwindet dagegen unter der Erde. Rund 20 Kilometer Kabel und etwa zwei Kilometer Kanäle werden auf der Erschließungsfläche verlegt. Der größte Teil davon liegt nach Angaben Klinkhammers bereits im Boden. Eine 1000 Meter lange Kabeltrasse zur Energieversorgung verbindet den neuen Werksteil mit dem Chemiepark.
Chemiepark Knapsack: Spezialfirma bohrt 160 Meter langen Tunnel
Besonders aufwendig sei die Anbindung der Frischwasserleitungen und Abwasserkanäle, erläutert Klinkhammer. Weil zwischen den beiden Werksteilen Gleise sowie drei Pipelines liegen, musste eine Spezialfirma einen 160 Meter langen Tunnel in bis zu acht Metern Tiefe bohren. Die Leitungen sollen dann durch ein Betonrohr mit 1,50 Metern Durchmesser verlegt werden. „Tunnelbau können wir jetzt auch“, sagt Bauleiter Daniel Linnemeyer lachend.
Insgesamt sind auf der Baustelle 20 Gewerke aktiv – vom Fliesenleger bis zum Baggerfahrer. Bislang wurden rund 30.000 Kubikmeter Erde bewegt. Das entspricht nach Angaben von Yncoris etwa 2500 Lkw-Ladungen.
Nach Abschluss des Kanalbaus steht der Straßenbau auf dem Gelände an, erklärt Klinkhammer. Vor dem Torgebäude wird ein Lkw-Parkplatz angelegt. Neben dem Regenrückhaltebecken wird noch ein Versickerungsbecken mit knapp 1500 Quadratmetern Fläche ausgehoben.
Auch außerhalb des neuen Werksteils wird noch gearbeitet. Im bestehenden Werksteil Hürth stehen noch Anschluss- und Kanalbauarbeiten an, um Hürth-Süd unter anderem an die Kläranlage des Chemieparks anzubinden.
