Abo

Zwei neue BücherWarum ein Hürther Floriansjünger für die Geschichte der Feuerwehr brennt

5 min
Das Foto zeigt den Feuerwehrmann und Autor mit seinen neuen Büchern.

Hauptamtlicher Feuerwehrmann und ehrenamtlicher Autor: Andreas Nussbaum hat zwei weitere Bücher zur Geschichte der Feuerwehr geschrieben.

Im Hauptberuf ist Andreas Nussbaum Feuerwehrmann in Hürth. In seinen Büchern gibt er spannende Einblicke in die Geschichte der Wehren im Kreis.

Die Geschichte der Feuerwehr in Hürth und im Rhein-Erft-Kreis ist für Andreas Nussbaum (37) eine rundum spannende Sache. Er ist ausgebildeter Feuerwehrmann und arbeitet hauptberuflich bei der Feuerwehr in Hürth. Seine Tätigkeit als Autor ist jedoch ehrenamtlich. Schon bei den Recherchen zu seinem ersten Buch über die Geschichte der Feuerwehr in Hürth namens „Von den sieben Sprüngen zur Erft sieben“ vor zwei Jahren hatte er Feuer gefangen. Es war deswegen eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Nussbaum erneut zur Feder griff und sich in die Recherche stürzte.

„Ich wollte einfach noch viel mehr über die Feuerwehr und ihre Anfänge hier im Rhein-Erft-Kreis wissen“, erklärt er. In nur eineinhalb Jahren entstanden so zwei weitere Bücher. Ihre Titel sind lang – lassen jedoch schon Inhalte erahnen. Beide Bücher sind vom Archiv des Rhein-Erft-Kreises herausgegeben und gesponsert worden. Der Titel von Band 14 lautet: „Die Geschichte des Kreisfeuerwehrverbandes Bergheim bis 1940 – sowie die Feuerwehren des Landkreises Bergheim in den Kriegsjahren 1939 bis 1945“. Band 15 heißt: „Die Geschichte des Kreisfeuerwehrverbandes Köln-Land bis 1940 sowie die Feuerwehren des Landkreises Köln in den Kriegsjahren 1939 bis 1945“.

Hürth: Feuerwehrmann sammelt tief in den Archiven Historisches zur Wehr

„Geschichtsforschung und speziell die der Feuerwehr macht süchtig“, warnt Nussbaum. Er jedenfalls könne sich stundenlang in die alten Unterlagen und Aufzeichnungen hineinarbeiten und dabei alles um sich herum vergessen. „Was unsere Vorfahren feuerwehrmäßig geleistet haben, ist einfach grandios“, sagt er anerkennend. Er habe großen Respekt vor der Arbeit und Herangehensweise der Einsatzkräfte der ersten Stunde.

Als diese Feuerwehrleute ihre Arbeit aufnahmen, habe es noch nicht einmal flächendeckend Telefon gegeben – von Internet oder Handys ganz zu schweigen. „Das Telefon war damals noch sehr in den Anfängen“, erklärt er. Trotzdem seien die Feuerwehren auch im damals sehr ländlich geprägten Rhein-Erft-Kreis untereinander sehr gut vernetzt gewesen. Bereits 1911 habe der Kölner Landrat per Erlass die „Kreis-Polizeiverordnung“ zur Nachbarschaftshilfe in Brandfällen eingeführt. „Um sich gegenseitig zu unterstützen wurden die Gemeinden damals in Bezirke eingeteilt“, berichtet Nussbaum.

Das historische Foto zeigt eine Übung beim ersten Kreisfeuerwehrtag in Brühl.

Übungseinsatz beim ersten Kreisfeuerwehrtag 1934 in Brühl. (Repro)

Bei seiner Recherche stieß er auch auf viele Persönlichkeiten, die so wie Theodor August Teutenberg Feuerwehrgeschichte geschrieben haben. „Theodor August Teutenberg war von 1909 bis 1913 der allererste Kreisbrandmeister im Landkreis Köln-Land – bis er 1913 nach Kanada auswanderte“, erklärt Nussbaum. Bei seinen Forschungen konnte er sogar Teutenbergs Urenkelin Cerry Teutenberg in Kanada in Port Robinson ausfindig machen. Von der Tätigkeit ihres Urgroßvaters als Kreisbrandmeister im Landkreis Köln in Deutschland habe sie zwar nicht gewusst, wohl aber konnte sie Nussbaum berichten, dass auch Teutenbergs Söhne in Kanada freiwillige Feuerwehrleute geworden waren. „Ich stehe bis heute mit ihr in Kontakt“, berichtet Nussbaum.

„Insgesamt hat es zwischen 1909 und 1940 im Landkreis Köln-Land fünf Kreisbrandmeister gegeben“, schreibt Nussbaum. Der erste Kreisbrandmeister im Landkreis Bergheim hieß Josef Conrads. Er war von Mai 1911 bis Mai 1934 im Amt. Einzeln und zum Teil sogar mit Fotos stellt Nussbaum alle Kreisbrandmeister bis 1945 in den beiden Büchern vor. Thematisiert ist auch der erste Kreisfeuerwehrtag der am 7. Oktober 1934 in Brühl stattfand. Schon damals galten die Übungsvorführungen als wahrer Publikumsmagnet, den sich viele Menschen nicht entgehen ließen.

Geschichtsforschung und speziell die der Feuerwehr macht süchtig
Andreas Nussbaum, Feuerwehrmann und Autor

Für seine Recherche besuchte Nussbaum die Archive der Kommunen sowie das Kreis- und das Landesarchiv. Ein kalter Schauer läuft ihm auch jetzt noch über den Rücken, wenn er an all die vielen jungen Männer denkt, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind – auch viele Feuerwehrleute. Um an sie zu erinnern, hat Nussbaum nach intensiver Recherche und mit Hilfe des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge Wehrmänner des Kreisfeuerwehrverbandes Bergheim ermitteln können, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind oder als vermisst gelten. Eine entsprechende Liste hat er in Band 14 veröffentlich. Zudem hat er auch einige Totenzettel dieser gefallenen Soldaten in seinem Buch abgedruckt. „Die Schicksale dieser zum größten Teil doch noch so sehr jungen Leute sind einfach erschreckend“, sagt Nussbaum.

Und wie ging es nach Kriegsende weiter? In seinem Buch zur Geschichte der Feuerwehr im Landkreis Bergheim zitiert Nussbaum einen Bericht aus der Löschzugzeitung der Glessener Wehr aus dem Jahre 1984. Darin berichtet der damalige Löschzugführer von dramatischen Zuständen nach dem Einmarsch der Amerikaner, die den Schilderungen zufolge das Gerätehaus aufgebrochen und zu einer Garage umfunktioniert hatten. Die Reservefahrräder seien abgeholt worden, der Geräteschrank wurde zerstört und als Brennholz verwendet. Damit nicht genug: Die Uniformen der Feuerwehrleute dienten als Putzlappen, sämtliche Gerätschaften wurden verschleppt.

Glessen war nach Nussbaums Recherche kein Einzelfall. Vielerorts stand die Feuerwehr in der Nachkriegszeit vor dem Nichts. Wie es die Freiwilligen Feuerwehren trotzdem geschafft haben, ihrer Berufung nachzukommen - wie sich die Freiwilligen Feuerwehren weiter entwickelt haben und ihren stetig steigenden Aufgaben gerecht wurden und immer noch werden, wie es zu den hauptamtlichen Feuerwehren kam und wie wichtig dabei nach wie vor die Freiwillige Feuerwehr ist – das sind Themen, die Feuerwehrmann Andreas Nussbaum längst auf dem Schirm hat, um sich vielleicht schon bald wieder in die Archive zu begeben, um der Spur der Feuerwehr zu folgen.