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Rhein-Erft-Straßennamen in KölnWas Zollstocker an der Hürther Straße schätzen

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Die wenigen Wohnhäuser stehen der Kirche gegenüber, schließlich ist die Hürther Straße in Köln-Zollstock nur rund 90 Meter lang.

Die wenigen Wohnhäuser stehen der Kirche gegenüber, schließlich ist die Hürther Straße in Köln-Zollstock nur rund 90 Meter lang.

Nur wenige Wohnhäuser säumen die nur 90 Meter lange Straße im Kölner Süden. Anlaufstelle für viele ist das Café Veedelsgeist.

Dass viele Menschen aus dem Rhein-Erft-Kreis eine enge Beziehung zu Köln haben, ist ja nun hinlänglich bekannt. Die einen pendeln täglich in die Domstadt, weil sie dort arbeiten, andere verbringen dort ihre Freizeit – im Zoo, am Rhein oder genießen kulturelle Highlights in den Museen und Konzerthäusern. Und alle zwischen Wesseling und Bedburg drücken dem FC die Daumen. Ach ja, und ein gepflegtes Glas Kölsch schmeckt in Köln ohnehin am besten.

Auf ihren Wegen dorthin mag der eine oder andere über etwas Vertrautes stolpern: Straßenschilder, die die Namen von Städten aus dem Rhein-Erft-Kreis tragen. Acht Straßen in Köln verdanken ihnen ihren Namen, nur Bedburg und Erftstadt fehlen – immerhin aber gibt es die Liblarer Straße, die Lechenicher Straße oder den Köttinger Weg. Wir haben uns auf den Weg gemacht und geschaut, was sich hinter den Straßennamen verbirgt, wer dort lebt und arbeitet. Unser zweiter Abstecher führt uns zur Hürther Straße nach Zollstock.

Zollstock: Kaffee und Kuchen gibt es schon für einen Euro

Manchmal sind es gleich zwei Kuchen auf einmal, die Josi Spees backt, damit das Café Veedelsgeist mit Leckereien versorgt ist. Denn die Besucherinnen und Besucher des Cafés an der Hürther Straße lieben es, sich an so manchen Vor- oder Nachmittagen mit Kaffee, Tee oder Kuchen einzudecken. „Wir machen alles selbst“, erzählt Spees stolz.

Sie berichtet, dass sich in dem Gebäude vormals auch eine Wäscherei und eine Bücherei befunden haben. Einmal in der Woche hilft sie im Café aus, immer dienstags. Das Café wird ehrenamtlich geführt und arbeitet nicht gewinnorientiert. Daher werden die Preise niedrig gehalten, Kaffee und Kuchen gibt es schon für einen Euro.

Die Zollstockerinnen Elke Noelle (l.) und Josi Spees helfen ehrenamtlich im Veedelsgeist-Café aus.

Die Zollstockerinnen Elke Noelle (l.) und Josi Spees helfen ehrenamtlich im Veedelsgeist-Café aus.

Direkt nebenan liegt die Kirchengemeinde Zum Heiligen Geist. „Hier ist ein Treffpunkt für das Viertel aber auch ein Seniorentreff, die da drüben zocken“, ergänzt Josi Spees. Die stolze Zollstockerin zeigt auf eine sechsköpfige Seniorinnengruppe, die es sich um einen runden Tisch gemütlich gemacht hat. Ihre Kuchenteller sind bereits leer gegessen, Sprühsahne steht auf dem Tisch, der letzte Schluck Kaffee ist noch in den Tassen. „Wir spielen Elfer raus“, tönt es aus der Gruppe. Die sechs Frauen treffen sich alle zwei Wochen im Café zum „Zocken“.

Gerade dienstags ist das Café nach dem Seniorensport am Vormittag, der nebenan stattfindet, gut besucht. Viele kennen sich vom Turnen. So werden Körper und Geist gleichermaßen fit gehalten. Doch auch andere Angebote bietet das Café an: Während es mittwochs digitale Beratung gibt, trifft sich freitags eine koreanische Spielgruppe; sie ist eine eingeschworene Gemeinschaft.

Die Stühle ersetzten die unflexiblen Kirchenbänke. Auf diese Weise öffnet die Kirche nicht nur für Gottesdienste, sondern bietet Raum für Veranstaltungen wie Lesungen oder Ausstellungen.

Die Stühle ersetzten die unflexiblen Kirchenbänke. Auf diese Weise öffnet die Kirche nicht nur für Gottesdienste, sondern bietet Raum für Veranstaltungen wie Lesungen oder Ausstellungen.

Doch als geschlossene Gesellschaft soll man das Café nicht sehen, erklärt Barbara Scheidweiler, die das Projekt ins Leben rief. Vielmehr sei es ein Ort für alle im Viertel, daher auch der Name Veedelsgeist. „Es ist ein Begegnungscafé für alle und eben kein reines Kirchencafé“, sagt Scheidweiler.

Im Oktober besteht das Café fünf Jahre, doch die Idee für   ein Café nahe der Kirche gab es schon 15, 16, wenn nicht 18 Jahre vorher, wie Scheidweiler berichtet: „Die Mühlen mahlen langsam, teilweise lag die Idee flach, bis ich irgendwann dachte: Das gehen wir noch mal an.“ Der Start sei holprig gewesen, denn Anträge, Prozesse, Wirtschaftspläne und Gelder fügten sich nicht von jetzt auf gleich zusammen.

Viel Eigeninitiative brachte Scheidweiler mit Freunden und Bekannten ein. Sie war es, die mit Unterstützung den Rohbau an der Ecke tapezierte, malerte, putzte und einrichtete. Die Einrichtung, die modern und kuratiert anmutet, sei zusammengesammelt. Was Scheidweiler antrieb? „Es ist wichtig, Gemeinschaft zu haben“, sagt sie.

Hier ist ein Treffpunkt für das Viertel aber auch ein Seniorentreff,
Josi Spees

Und die Gemeinschaft engagiert sich gern, so auch Elke Noelle. Die 87-Jährige wohnt im Seniorenpark um die Ecke. Rund 20 Jahre arbeitete sie für den Wochenspiegel: „Ich wollte zwei Jahre machen, geblieben bin ich 20 Jahre“, erzählt sie lachend. Sie genießt es, im Café zu sein, schließlich habe sie ein „offenes Mundwerk“ und kommt hier gerne mit den Besucherinnen, Besuchern und anderen ehrenamtlichen Helfern ins Gespräch.

Weil die Hürther Straße nicht einmal 100 Meter lang ist und es nur eine Handvoll Wohnhäuser gibt, kommen weniger Anwohner von gegenüber, sondern Menschen aus den angrenzenden Straßen, wie dem Zollstockgürtel. Schließlich zieht nicht nur das Café die Zollstocker Bevölkerung in die kurze Straße, sondern auch die Kirchengemeinde Zum Heiligen Geist.

Die modern gestalteten bleiverglasten Fenster in der Kirche sind Kunstwerke für sich.

Die modern gestalteten bleiverglasten Fenster in der Kirche sind Kunstwerke für sich.

Der helle Bau, dessen Grundstein 1931 gelegt wurde, nimmt einen großen Teil der Hürther Straße ein und wirkt modern und reduziert gestaltet. Eine Besonderheit der Kirche besteht in dem solitär stehenden Glockenturm. Betritt man das Gebäude, wird man im Inneren von dessen Größe überrascht. Licht fällt sanft durch die schmalen bleiverglasten Fenster.

Wird die „Rieger-Orgel“ von 1960 nicht gerade bespielt, findet man hier während der regulären Besuchszeiten Ruhe und Spiritualität. Doch etwas ungewöhnlich mutet die Innenausstattung dennoch an, schließlich stehen hier keine Kirchenbänke mehr, sondern moderne Stühle, die gezielt in der Nähe des Altars stehen. Seit dem Jahr 2021 experimentiert die Kirche mit dem Innenraum, der seither auch zu Ausstellungen, Lesungen, Vorträgen und Veranstaltungen lädt. Auch stellt sich die Kirche an der Hürther Straße nicht nur die Frage, wie der großzügige Raum der Kirche genutzt werden kann, sondern auch, wie Gottesdienste künftig gefeiert werden sollen.

Café oder Kirche: Orte der Gemeinschaft finden sich in der Hürther Straße allemal, spätestens wenn es heißt: Elfer raus!