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Rhein-Erft-Straßennamen in KölnAn der Kerpener Straße lässt's sich gut studieren

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Kerpener Straße/Ecke Weyertal in Köln-Lindenthal: Unter den grünen schattigen Bäumen fahren viele Kölnerinnen und Kölner zur Arbeit oder zur Universität. Wenn die Semesterferien vorbei sind, ist die Straße noch deutlich mehr befahren.

Kerpener Straße/Ecke Weyertal in Köln-Lindenthal: Unter den grünen schattigen Bäumen fahren viele Kölnerinnen und Kölner zur Arbeit oder zur Universität. Wenn die Semesterferien vorbei sind, ist die Straße noch deutlich mehr befahren. 

Spurensuche: Was verbirgt sich hinter der Brühler Straße in Köln? Welche Menschen leben an der Frechener Straße? Und wie ist es eigentlich so an der Kerpener Straße?

Dass viele Menschen aus dem Rhein-Erft-Kreis eine enge Beziehung zu Köln haben, ist ja nun hinlänglich bekannt. Die einen pendeln täglich in die Domstadt, weil sie dort arbeiten, andere verbringen dort ihre Freizeit – im Zoo, am Rhein, oder genießen kulturelle Highlights in den Museen und Konzerthäusern. Und alle zwischen Wesseling und Bedburg drücken dem FC die Daumen. Ach ja, und ein gepflegtes Glas Kölsch schmeckt in Köln ohnehin am besten.

Auf ihren Wegen dorthin mag der eine oder andere über etwas Vertrautes stolpern: Straßenschilder, die die Namen von Städten aus dem Rhein-Erft-Kreis tragen. Acht Straßen in Köln verdanken ihnen ihren Namen, nur Bedburg und Erftstadt fehlen – immerhin aber gibt es die Liblarer Straße, die Lechenicher Straße oder den Köttinger Weg. Wir haben uns auf den Weg gemacht und geschaut, was sich hinter den Straßennamen verbirgt, wer dort lebt und arbeitet. Unser erster Abstecher führt uns zur Kerpener Straße nach Lindenthal.

Schaltet die Ampel in der Kerpener Straße/Ecke Weyertal in Köln auf Grün, rauschen die zahlreichen Räder, Autos und Roller geschwind über die Kreuzung. Bepackt mit vollen Rucksäcken oder Aktentaschen führt der Weg vieler Kölnerinnen und Kölner über die auffällig grüne Straße. So ist die 1,3 Kilometer lange Straße im Kölner Stadtteil Lindenthal vielmehr eine Durchfahrtsstraße als eine Wohngegend. Vergleichsweise wenige Wohnhäuser stehen hier, ein Universitätsgebäude reiht sich an das nächste – von der Bibliothek bis hin zur Universitätsklinik.

Die Medizinstudierenden David Tasci, Sarah Potrafki, und Jurastudentin Lily Kühne stehen vor der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln an der Kerpener Straße.

Die Medizinstudierenden David Tasci, Sarah Potrafki, und Jurastudentin Lily Kühne stehen vor der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln an der Kerpener Straße.

Einer der Menschen, die die Straße in- und auswendig kennen, ist David Tasci. Der 25-jährige Medizinstudent kennt durch Praktika nicht nur die Universitätsklinik, sondern lernt für sein Studium öfters in der Universitätsbibliothek. Dort schreibt er auch derzeit an seiner Doktorarbeit. „Wenn man zur Uniklinik möchte, fährt man halt über die Kerpener Straße oder kreuzt sie zumindest. Gegenüber der Frauenklinik sind so kleine Häuser, die etwas dörflich anmuten. Dort zu wohnen, stelle ich mir schön vor. Da wohnt man im Grünen mitten in der Stadt.“

Auch wenn die Studierenden oft nur von Gebäude zu Gebäude stromern, fällt das eine oder andere Merkmal der Kerpener Straße in der Alltagshektik doch ins Auge. So erzählt David Tascis Medizinkommilitonin Sarah Potrafki vom Gebäude der Zahnklinik, das ihr schon aufgefallen sei, als sie das erste Mal durch die Straße fuhr: „Ich fand das Gebäude schön, weil man in Köln gar nicht so häufig solche Bauten sieht.“

Im Gebäude der Zahnklinik befindet sich auch ein Hörsaal, der Schriftzug fügt sich harmonisch in die alte Backsteinarchitektur ein.

Im Gebäude der Zahnklinik befindet sich auch ein Hörsaal, der Schriftzug fügt sich harmonisch in die alte Backsteinarchitektur ein.

Der Bau der Zahnklinik ist im Gegensatz zu den modern gestalteten Medizingebäuden ein Altbau aus Backstein. In seinem Giebelfeld sieht man den Preußenadler, der der Rheinprovinz einst als Wappen diente. Läuft man vom Gebäude der Zahnklinik weiter Richtung stadteinwärts, passiert man linksseitig unverhofft einen Friedhof, der sich inmitten des Univiertels zwischen den moderneren Bauten erstreckt.

Umso erstaunlicher, dass der sogenannte Geusenfriedhof der älteste evangelische Friedhof im Rheinland ist, der bereits 1576 angelegt wurde. Einst befand sich der Friedhof vor den Stadtmauern und diente den Protestanten als Begräbnisstätte. Das namensgebende Wort Geusen bezeichnet niederländische Glaubensflüchtlinge, die im 16. Jahrhundert nach Köln kamen.

Der versteckte Geusenfriedhof ist der älteste Friedhof im Rheinland, Grabdenkmäler reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Der versteckte Geusenfriedhof ist der älteste Friedhof im Rheinland, Grabdenkmäler reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück.

In Köln tolerierte man sie und dennoch genossen die Protestanten nicht die gleichen Rechte, wie ihre katholischen Mitbürger, weshalb die Geusen nicht innerhalb Kölns bestattet werden durften. Da die letzte Bestattung 1875 erfolgte, geriet der Geusenfriedhof bis in die 1980er Jahre in Vergessenheit, bis sich die evangelische Gemeinde der Erhaltung des Areals angenommen hat.

Heute kann man alte Grabdenkmäler und Inschriften bestaunen, die aus dem 16. bis 19. Jahrhundert stammen. Ein architektonisches Kontrastprogramm bietet ein paar Meter weiter die Universitätsbibliothek aus den 1960er Jahren. Hier lässt sich Brutalismus pur bewundern. Sichtbeton, wabenartige Außenwände, klare und abstrakte Gestaltung entsprechen der Formsprache des Stuttgarter Architekten und Bauherren Rolf Gutbrod. Der dreigegliederte Betonbrocken beherbergt zahlreiche historisch wertvolle Bücherbestände, Schriften und nicht zuletzt das Wissen, mit dem die Studierenden jeglicher Fachrichtungen ihre Gehirne füttern.

Von 1964 bis 1968 entstand der brutalistische Bau der Kölner Universitäts- und Stadtbibliothek vom Stuttgarter Architekten Rolf Gutbrod. Heute befinden sich rund 4,6 Millionen Medien im Gesamtbestand, davon über 705.000 Bücher und Zeitschriften.

Von 1964 bis 1968 entstand der brutalistische Bau der Kölner Universitäts- und Stadtbibliothek vom Stuttgarter Architekten Rolf Gutbrod. Heute befinden sich rund 4,6 Millionen Medien im Gesamtbestand, davon über 705.000 Bücher und Zeitschriften.

An der brutalistischen Architektur scheiden sich die Geister, denn während manch einer die Architektur als bedrückend empfindet, sehen andere die Funktionalität und den Nutzen, den dieser Architekturstil vor allem in der Nachkriegszeit hatte: eine kostengünstige, sowohl beständige als auch soziale Architektur in einer Zeit, in der schnelle Lösungen für Wohnraum und öffentliche Gebäude gefunden werden mussten.

Trotz des Sichtbetons des Gutbrod’schen Baus steht in der Straße die Architektur in der Kerpener Straße mit der Natur in Einklang. Die zahlreichen Bäume werden von vielen geschätzt: „Die Straße ist bestimmt eine der grünsten in der Kölner Innenstadt. Das finde ich schön, im Gegensatz zu den zunehmend versiegelten Flächen hier in der Unigegend“, sagt Jurastudentin Lily Kühne. Wird einem der Sichtbeton und die Versiegelung des neu angelegten Albert-Magnus-Platz um die Ecke mal zu öde oder im Sommer zu heiß, lädt die Kerpener Straße immerhin zu einem schattigen Spaziergang unter den Bäumen ein, um vielleicht noch die eine oder andere Entdeckung zu machen.

Man muss nur die Augen offenhalten.