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Mein LieblingsplatzAlten Hof in Kerpen-Blatzheim von Grund auf wieder aufgebaut

3 min
Eine lächelnde Frau im grünen Shirt steht mit einem Beil in der Hand vor einem restaurierten Bauernhof.

Mit der geschenkten Damenaxt beilte Susanne Harke-Schmidt selbst zur Restaurierung der einstigen Schmiede faule Stellen in den Eichenbalken aus.

Susanne Harke-Schmidt hat die verfallene Anlage aus dem Jahr 1774 mit ihrem Mann Wolfgang und vielen Helfern in Schuss gebracht.

Es ist kühl in der einstigen Schmiede und im späteren Bauernhof, erbaut 1774 von Christian Harff und Adelheid Schoetend. Ein Effekt, der wohl dem Baustoff Lehm geschuldet ist, sagt Susanne Harke-Schmidt. Die geschlossenen Fensterläden täten ihr Übriges. Auch wenn der Wärmedämmwert des Fachwerkhauses nicht ganz optimal sei, sorgten die Lehmwände doch für ein ausgeglichenes Raumklima, im Sommer wie im Winter.

Am heutigen Ofen, wo  früher ein offenes Feuer unter einer breiten trichterförmigen Kaminhaube brannte, die die Rauchgase gleich durch das Dach ableitete, zeigt sie ein Weidengeflecht mit Lehmauftrag, das den Aufbau des Bauteiles demonstriert. Sie selbst habe es gefertigt im Zuge der Renovierung des Fachwerkhauses – festgehalten auf einem der vielen Fotos jener Zeit.

Der Hof in Blatzheim war verfallen, die Decke einsturzgefährdet

„Wenn wir im Ruhestand sind, dann ziehen wir noch mal von hier weg“, habe früher Wolfgang Schmidt immer mal wieder gesagt. Vom Umzug nach Blatzheim habe der eingeborene Kölner zum Beginn der 1990er-Jahre nicht geträumt. Sie, als geborene Ostwestfälin und diplomierte Archivarin mit Anstellung in der nahen Kolpingstadt, habe sich das Wohnen im ländlichen Ort schon eher vorstellen können.

Mehrere Menschen und ein Baucontainer stehen vor einem alten Hof, der verfallen wirkt und restauriert wird.

Bis auf den Skelettbau legte Susanne Harke-Schmidt mit ihrem Ehemann, Freunden und Familienmitgliedern das Haus mit der unscheinbaren Putzfassade Anfang der 1990er Jahre frei.

Sie hätten lange gezögert, das denkmalgeschützte, reichlich verfallene Haus mit dem häßlichen Putz und der eingestürzten Decke zu kaufen. Der Hof vor der Scheune auf dem 750 Quadratmeter großen Grundstück sei komplett gepflastert gewesen, vom heutigen Gartenidyll keine Spur. „Eigentlich war hier alles nur schäbig, aber wir waren mutig und jung“, stellt Susanne Harke-Schmidt fest.

Zwei Jahre lang im Wohnwagen in der Scheune gelebt

Erst als ihr Vater Erwin, ein gelernter Tischler im Ruhestand, jeden Eichenbalken mit dem Taschenmesser gemustert und sein okay gegeben habe, sei die Entscheidung gefallen. Aus der komfortablen Großstadtwohnung seien sie in einen Wohnwagen in die Scheune gezogen – für zwei lange Jahre. Sie, als Schreibtischtäterin, habe viel Handwerkliches gelernt, viel gelacht, aber auch bittere Tränen vergossen.

Die Fotodokumentation im Gästezimmer zeigt das Haus 1992 völlig entkernt, als pures Holzskelett. Zusammen mit Peter Breidenbach, einem der wenigen damals im Rheinland verfügbaren Lehmbauer aus Viersen, Vater Erwin, vielen Familienmitgliedern und Freunden hätten sie das Haus in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde wieder aufgebaut.

Ein alter Holzbalken aus dem Jahr 1774 mit einer Inschrift

"Pax intrantibus salus exeuntibus", also Friede den Eintretenden, Gesundheit den Gehenden,  wünschten schon die Erbauer anno 1774 in der Inschrift.

Nachbarn und Leute aus dem Ort hätten Materialien aus Abrissen alter Fachwerkhäuser beigesteuert:  Eichenbalken aus der früheren Blatzheimer Brauerei, Dachziegel von Höfen aus Blatzheim und Buir. Alte Eichentürblätter habe ihr Nachbar aus einem Haus in Oberbolheim gebracht. Auf einem der Beschläge habe sie sogar eine Punze, ein Signet des Schmiedes, entdecken können, der im Haus tätig gewesen sei, schildert Susanne Harke-Schmidt. Natürlich habe sie die Geschichte des Hauses erkundet.

Fachliche Unterstützung hatte die RWTH-Aachen geschickt:  vier Studentinnen im Rahmen eines ökologischen Projektes, die einen Sommer lang die Gefache mit Geflecht und Lehm füllten. Ihr selbst habe man eine leichte, aber scharfe „Damenaxt“ geschenkt, zum „Beilen“ schadhafter Stellen im Eichenholz. Zu Weihnachten 1993 seien sie endlich eingezogen.

Seit zwei Jahren ist die Stadtarchivarin im Ruhestand, und nach 34 Jahren ist vom Wegziehen keine Rede mehr. „Ich finde es einfach schön hier.“ Manchmal öffnet das Ehepaar sein Zuhause zum Tag des offenen Denkmals für Gäste. In den Kerpener Heimatblättern 2/1999 des Heimatvereins hat die langjährige Vorsitzende ihr Bautagebuch zu einer detaillierten Schilderung alter Techniken und Kniffe zusammengefasst;  eine Handreichung, für Leute, die sich auf ein ähnliches Abenteuer einlassen wollen.