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Flugblätter im Wald warnen vor VirusHambi-Aktivisten nehmen Corona-Pandemie ernst

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Auch die Bewohner der Baumhäuser versuchen sich vor dem Coronavirus zu schützen.

Auch die Bewohner der Baumhäuser versuchen sich vor dem Coronavirus zu schützen.

Kerpen-Buir – Auch während der Coronakrise leben Kohlegegner im Hambacher Wald und in den Camps in der Umgebung. Eine Buirerin vermutete, dass dort die vom Land vorgegebenen Regeln nicht konsequent beachtet würden. Sie habe beobachtet, wie sich Aktivisten oder ihre Besucher zu dritt auf den Weg vom Wald zum S-Bahnhof in Buir gemacht hätten. Dies verletze die Corona-Regelung, wonach sich derzeit – abgesehen von Familienangehörigen – nur zwei Personen gemeinsam in der Öffentlichkeit aufhalten dürften. Auch beobachte sie ein ständiges Kommen und Gehen bei der Dauer-Mahnwache an der Landstraße 257 und auf dem Wiesencamp.

Coronavirus: Allein bei der Hambi-Mahnwache

Die Beteiligten der Mahnwache betonten jedoch, sie nähmen die Lage ernst. Deshalb sei die Mahnwache derzeit auch nur mit einer Person besetzt. „Ich bin allein hier“, berichtete eine Frau am Telefon. „Ich würde jetzt nicht meine Oma besuchen gehen.“ Schon vor gut einer Woche habe die Behörde, welche die Mahnwache als eine Art Dauerdemonstration genehmigt hatte, die Aufforderung übermittelt, diese nur noch mit einer Person zu besetzen. Denn Versammlungen aller Art sind verboten. „Daran halten wir uns“, sagte die Frau an der Mahnwache. Sie bekomme höchstens Besuch von einer einzelnen Person.

Ähnlich ist es beim Hambi-Camp, das sich in einem privaten Garten in Morschenich mit Erlaubnis der Eigentümerin und auch mit behördlicher Genehmigung befindet. „Das Camp ist geschlossen“, hieß es dort. Nur noch wenige Menschen seien da, um Zelte abzubauen. Es gebe dort solange keine Veranstaltungen mehr, bis man von den Behörden wieder grünes Licht bekomme.

Aktivisten wollen sich nicht anstecken lassen

Rechtlich anders ist die Lage im Wiesencamp am Wald und im Wald selbst, wo Aktivisten in Baumhaussiedlungen wohnen. Weder das Wiesencamp noch die Baumhaussiedlungen sind legal. Es gibt dort mehrere unterschiedliche Gruppierungen und keinen offiziellen Ansprechpartner. Eine für den April vorgesehene Veranstaltungsreihe auf dem Wiesencamp, ein „Skillsharing-Camp“ mit zahlreichen Workshops, wurde abgesagt, wie der Internet-Seite der Aktivisten zu entnehmen ist. „Großveranstaltungen sind aktuell aufgrund der Corona-Pandemie nicht verantwortungsvoll durchführbar“, heißt es dazu. „Wir haben kein Interesse daran, einen Vorwand für eine weitere Räumung zu liefern.“ Zudem sei aufgrund der aktuellen Lage auch die Anreise schwierig, besonders für Menschen aus dem Ausland.

Im Wiesencamp war am Donnerstag kaum jemand anzutreffen. Es wirkte, als lebten dort zur Zeit nur wenige Menschen. Die zwei, die zu sehen waren, wollten mit Journalisten „ohne Voranmeldung“ nicht reden. Man wolle sich schließlich nicht anstecken.

Im Wald war es ebenfalls schwierig, Gesprächspartner zu finden. Aber auch dort schien die Coronakrise ein Thema zu sein: An einem Baum hing ein Flugblatt, das auf Englisch dazu aufforderte, das Virus ernst zu nehmen. Gegenstände, etwa Flaschen, sollten nicht mehr gemeinsam genutzt werden. „Take care of sick comrades“, „Kümmert euch um kranke Genossen“, stand darauf.

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Einer der Aktivisten verwies darauf, dass man ja im Wald relativ abgeschieden lebe, so dass man geschützt sei. Ein anderer berichtete, im Wald habe sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit Corona beschäftige. Generell gebe es zur Zeit wenige Bewohner im Wald. Diese seien angehalten, sich möglichst nur in ihrer eigenen Siedlung – die Aktivisten sprechen von „Barrio“ – aufzuhalten. Corona-Infizierte gebe es im Wald seines Wissens nicht. Wer krank sei, etwa mit grippeähnlichen Symptomen, werde in separate Unterkünfte in den Barrios gebracht, von anderen versorgt und könne sich dort ausruhen.

Die Polizei Aachen betonte auf Anfrage, dass die Kreisverwaltungen Düren und Rhein-Erft für die Einhaltung der Corona-Regeln im Hambacher Forst zuständig seien. Falls die Ordnungsbehörden in dieser Hinsicht Handlungsbedarf sähen und aktiv werden wollten, könne man im Zuge der Amtshilfe Polizeischutz anbieten.

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