Schiedsperson geworden ist der Kerpener durch eine Anzeige in der Zeitung. Schon vorher hat er ein Ehrenamt ausüben wollen.
Serie „Die gute Seele“Jürgen Katzek schlichtet ehrenamtlich Streitigkeiten in Kerpen

Jürgen Katzek ist Schiedsperson in Kerpen. In seinem Büro blättert er sich gerne durch die Lektüre zu seinem Ehrenamt.
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Jürgen Katzek schlichtet in seiner Freizeit gerne Streit. „Eine gewisse Veranlagung dafür hatte ich schon immer“, erinnert er sich und lacht. Schon seit Kindheitstagen sei er ein ruhiger Mensch, der Situationen, so auch Streitigkeiten, erst einmal beobachte und besonnen handele. Als Schiedsperson engagiert sich der 57-Jährige ehrenamtlich für den Frieden in der Nachbarschaft im Schiedsbezirk Türnich, Balkhausen, Brüggen.
Kerpen: Ziel des Verfahrens ist ein Vergleich
Schiedspersonen können herangezogen werden, wenn es eine Auseinandersetzung oder eine Meinungsverschiedenheit gibt, man aber nicht direkt den Weg über einen Juristen gehen möchte oder soll. Das können zum Beispiel Nachbarschaftsstreitigkeiten sein wie die Hecke, die zu weit über den Zaun ragt, aber auch vereinzelte strafrechtliche Delikte.
Üblicherweise sei das Ziel des Schiedsverfahrens ein Vergleich, der die Beteiligten an ein bestimmtes Verhalten bindet. Dabei haben die Parteien bei der Einigung mehr Spielraum als bei einem juristischen Prozess und können ihre Angelegenheiten auch durch unkomplizierte Absprachen klären. „Zum Beispiel fällt das Laub eines Baums beim Nachbarn in den Garten. Der bietet an, das Laub wegzuräumen, hat dafür aber keine Tonne. Der Baumbesitzer hat eine Tonne und stellt sie ihm zur Verfügung“, schildert Katzek.

Im Wohnzimmer werden die Fälle bearbeitet.
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Dank des Schiedsverfahrens haben Bürgerinnen und Bürger im besten Fall nicht nur die Möglichkeit, kleinere Streitigkeiten ohne juristischen Prozess beizulegen. Vor allem würden aber die Amtsgerichte entastet, berichtet Katzek. Zudem sorgten Schiedsverfahren auch dafür, dass Menschen in der eigenen Nachbarschaft konstruktiv gemeinsam Lösungen erarbeiteten und aufeinander eingingen. Sie sind laut Katzek oft ein Mittel zur Stärkung der örtlichen Gemeinschaft. Schiedspersonen kann man also getrost als gute Seelen der Nachbarschaft bezeichnen.
Zu dem Ehrenamt gekommen ist der Kerpener durch eine Anzeige in der Zeitung. Darüber hatte die Stadt Kerpen nach einer Schiedsperson gesucht. Nach einem ersten Gespräch musste noch der Stadtrat über den Einsatz Katzeks als Schiedsperson entscheiden – ein üblicher Vorgang. „Als ich in der Familie erzählt habe, dass ich das machen will, haben alle sofort gesagt, das ist was für dich, das passt zu dir. Ich bin relativ geduldig und habe eine ruhige Art“, sagt Katzek.
Weiter soll man ihm zufolge für das Ehrenamt einen guten Menschenverstand mitbringen und Empathie. Davon abgesehen biete der Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen ein breites Seminarangebot für Einsteiger an, um zu lernen, welche Handhabe man als Schiedsperson hat. Wer neu in dem Amt ist, erhält zudem Unterstützung der anderen Schiedspersonen.
Schon bevor Katzek laut eigenen Angaben die Anzeige in der Zeitung gelesen hatte, wollte er ein Ehrenamt übernehmen. „Ich wollte unbedingt etwas für meine Kommune tun“, sagt er. Seit mittlerweile fünf Jahren übt der kaufmännische Angestellte das Amt jetzt aus.
Kerpen: Schiedsmann nimmt sich viel Zeit für sein Ehrenamt
Besonders viel Freude bereite ihm an der Tätigkeit, die Menschen in der eigenen Stadt kennenzulernen und zu beobachten, wie aus einem Streit eine Einigung erwachse. „Das ist mein ideeller Lohn“, sagt der 57-Jährige. Durchaus dauere es auch mal mehrere Stunden, um einen Vergleich zwischen zwei Parteien herbeizuführen. Im Monat verbringe er etwa fünf bis sechs Stunden mit seinem Ehrenamt, berichtet Katzek.
Selbst hatte er übrigens noch keinen Nachbarschaftsstreit. Wenn dem so wäre, müsste wohl einer seiner neun Kolleginnen und Kollegen übernehmen, die jeweils zu zweit fünf Bezirke in Kerpen betreuen.
