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UnterrichtshilfenKerpener Verlag räumt mögliche Fehler bei KI-Nutzung in Lernheften ein

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Das Foto zeigt den Eingang des Kohl-Verlags in Kerpen-Buir.

Der Kohl-Verlag sitzt in Kerpen-Buir.

Die Aufgaben in den Büchern seien teils unlösbar, heißt es in einem Bericht des Spiegels. Auch seien die Illustrationen teils verstörend.

Eine Spiegelrecherche sorgte jüngst für Aufsehen: Der Kerpener Kohl-Verlag, der Unterrichtsmaterial für Lehrkräfte vertreibt, soll dieser Recherche zufolge womöglich Inhalte der Bücher mithilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI) erstellt haben.

Hinweise darauf finden sich dem Spiegel zufolge nicht nur in den Abbildungen, auf denen etwa ein Kind mit einer Rutsche verschmilzt oder ein Kopf in einem Regal zu liegen scheint. Auch die Aufgaben seien teils nicht lösbar oder mehrdeutig. Auch gab es Ungereimtheiten bezüglich der tatsächlichen Autoren und Illustratoren der betroffenen Bücher.

Kerpen: Verlag will an Künstlicher Intelligenz festhalten

Auf eine Anfrage dieser Redaktion reagierte der Verlag nicht. Mittlerweile gibt es allerdings zwei Stellungnahmen dazu auf der Homepage des Verlags. Darin ist unter anderem zu lesen: „Seit Kurzem setzen einzelne Autoren und Redaktionsmitarbeiter auch KI-Bildgenerierungstools ein, allerdings gezielt und nur dort, wo Stockmedien keine passenden Motive liefern können.“ Und weiter: „Es gibt Situationen, in denen weder Stockmaterial noch externe Illustratoren das liefern können, was ein Heft braucht.“ Als Beispiel nennt der Verlag „kindgerechte Darstellungen historischer Gruppen, also Römer, Ägypter oder Griechen, die für Grundschulkinder ansprechend und altersgerecht aufbereitet sind“.

In einer Stellungnahme ist zudem zu lesen, dass sich beim Verlag „ein blinder Fleck“ beim Einsatz von „KI-generierten Illustrationen“ gezeigt habe. „Diese Technologie ist neu in unserem Arbeitsalltag, und unser bisheriger Prüfprozess war schlicht nicht auf die besonderen Eigenheiten von KI-Bildern ausgerichtet“, heißt es dazu. 

NRW-Schulministerium hat die Lehrmittel nicht geprüft

„Unsere Redaktionsmitarbeiter und Setzer sind nun ausdrücklich angewiesen, KI-generierte Illustrationen besonders sorgfältig auf inhaltliche Stimmigkeit zu prüfen. Darüber hinaus soll der Einsatz von KI-Bildtools weiterhin dosiert und nur in Ausnahmefällen erfolgen“, versichert der Verlag.

Die Prüfung von Lernmitteln, die dauerhaft im Unterricht eingesetzt werden, unterliegt eigentlich dem Land NRW. „Ziel des Prüfverfahrens ist es sicherzustellen, dass Lernmittel den Lehrplänen und Unterrichtsvorgaben und dem Stand der Fachwissenschaften entsprechen sowie mit der verfassungsmäßigen Ordnung und mit den rechtlichen Vorgaben vereinbar sind“, sagt ein Sprecher des Schulministeriums auf Anfrage der Redaktion. Er stellt aber auch klar, dass dem Ministerium die Materialien des Kohl-Verlags nicht bekannt seien. Der Grund dafür sei, dass der Verlag keine Lernmittel herausgebe, die dauerhaft im Unterricht eingesetzt würden.

„Es handelt sich hier um sogenannte Unterrichtshilfen, die kurzfristig und ergänzend im Unterricht eingesetzt werden können. Über den Einsatz dieser kurzfristig eingesetzten Materialien entscheiden die Schulen in eigener Verantwortung. Ein Zulassungsverfahren ist hier nicht vorgesehen“, erläutert der Sprecher.

Etwa das betroffene Buch „Rechnen lernen macht Spaß“ ist derzeit nicht mehr auf der Webseite zu finden. Der Verlag schreibt dazu: „Digitale Versionen werden in allen Verkaufskanälen umgehend ausgetauscht, sodass Lehrkräfte zeitnah die korrigierte Version herunterladen können. Bei gedruckten Heften legen wir ein Korrekturblatt bei.“ Weiter heißt es: „Bei größeren Druckfehlern nehmen wir die betroffene Auflage komplett aus dem Verkauf und produzieren eine korrigierte Neuauflage.“