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EuropagymnasiumGipsabdruck und Flaschenrakete: Kinder werden zu Forscherinnen und Forscher in Kerpen

Neun- und Zehnjährige gießen Fußspuren aus Gips und lassen Flaschenraketen starten – hochbegabt müssen sie dafür nicht sein, wohl aber wissbegierig.

Die neunjährige Ila lässt mit Hilfe von Dozent Michael Hauschild eine selbstgebaute Rakete starten.

Spurensicherung im Sand

Der Sand am Tatort beim Europagymnasium in Kerpen ist mit Fußspuren übersät. Vor Ort mischt eine Spezialistin der Forensik Gips mit Wasser in einem kleinen Gefäß und gießt damit vorsichtig einen der Abdrücke aus. Am nächsten Tag können anhand des erhärteten Gipsmodells genaue Rückschlüsse zu Profil und Abnutzungserscheinungen des Schuhs gezogen werden. Und damit vielleicht auch zum Täter. In diesem Fall ist das allerdings nicht nötig, denn der Abdruck gehört zum Schuh der neunjährigen Schülerin Luca, und die steht keinen Meter entfernt in der Sandgrube. Luca ist eine von 99 Grundschülern aus dem Rhein-Erft-Kreis, die in dieser Woche an der 68. Kinderakademie der Hochbegabten-Stiftung der Kreissparkasse Köln teilnehmen. Ziel der Akademie ist es, Schüler intellektuell herauszufordern und Wissen zu vermitteln, das ihnen im Alltag sonst oft verschlossen bleibt.

Detektivclub trifft Forensikunterricht

Dafür durften sich die Schüler im Vorfeld aus sieben möglichen Fächern eines auswählen. Luca hat sich für das Fach Forensik entschieden, und das aus gutem Grund. „Ich und Luca haben in der Schule einen Detektivclub“, erklärt ihre Freundin Iva, und deshalb nutzen sie die Gelegenheit, um sich im Forensikunterricht das nötige Fachwissen anzueignen. „Man muss zum Beispiel darauf achten, dass man die Feinspuren nicht wegwischt, weil man sonst das Profil des Fußabdrucks zerstören könnte“, erklärt Iva. Am meisten freuen sich die beiden auf eine der späteren Lektionen, bei der es um die Sicherung von Fingerabdrücken gehen wird.

Ihre Dozentin in dieser besonderen Schulwoche ist die Diplom-Biologin Regina Lützenkirchen, die für die Akademie seit 2014 Kurse zu biologischen Themen und Forensik gibt. Ältere Schüler habe sie schon in Forensik unterrichtet, in den dritten und vierten Klassen sei es aber das erste Mal, sagt Lützenkirchen. „Deshalb ist das auch sehr spannend", sagt sie. So sollen sich die Kinder einen Fall überlegen, mit einer Skizze und Beweisen, die man am Tatort findet, und dies dann als Rätsel den anderen vorstellen.

Luca sichert Abdrücke im Sand.

Obwohl der Name der Stiftung dies implizieren könnte, müssen die teilnehmenden Kinder nicht nachweislich hochbegabt sein, sagt Akademieleiterin Sonja Hahn. „Das verlangen wir an keiner Stelle. Es sollen interessierte Kinder sein, bei denen die Motivation aus dem Inneren herauskommt und die einfach mehr brauchen. Das merkt man ja auch in der Schule.“ Nach diesen Kriterien wurden die Kinder dann von Lehrern und Schulleitern vorgeschlagen.

Astronomiekurs baut eine Flaschenrakete

In einem der Klassenzimmer des Europagymnasiums bohrt Michael Hauschild ein Loch in einen Weinkorken. „Jetzt nehmt ihr das Fahrradventil, von dem ich gesprochen habe. Das ist ein Blitzventil. Da kann man reinblasen, aber nicht zurücksaugen“, erklärt der Dozent des Astronomiekurses seinen Schülern. Dann drückt er das Ventil in den ausgehöhlten Korken und schiebt diesen in eine Plastikflasche, die an einer Wäscheleine hängt. Zu guter Letzt wird eine Fahrradpumpe an das Ventil angeschlossen. „Jetzt pumpt ihr die Flasche auf, bis Druck entsteht, der den Korken aus der Flasche fliegen lässt, und dann fliegt die Flasche weg“, sagt Hauschild.

Soweit die Theorie. Wenig später steht die neunjährige Ila auf einem Tisch und drückt die Handpumpe mit aller Kraft herunter. Kaum ist der Druck in der Flasche hoch genug, da schießt sie schon wie eine Rakete an der Leine entlang durch den Raum.

Die Schüler jubeln über das geglückte Experiment. Mindestens genauso enthusiastisch sind sie aber auch, als es an die Bearbeitung der theoretischen Formel geht, die dem Raketenstart zugrunde liegt. Als Hauschild etwa fragt, wie viel ein Kubikmeter Luft wiegt, kommt die richtige Antwort umgehend von einem der Grundschulkinder. Im Anschluss soll es dann nach draußen gehen, um eine modifizierte Rakete aufsteigen zu lassen. Welche Ergebnisse sie am Ende erzielt haben, zeigen die Kinder am Samstag bei einer Abschlusspräsentation in der Aula des Europagymnasiums.