Von Lkw erfasstAm Tag nach dem Tod des Jungen in Pulheim geht alles etwas langsamer

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Auf dem Foto sind Kerzen und Blumen an der Stelle zu sehen, an der ein zehnjähriger Junge ums Leben gekommen ist.

Blumen und Kerzen sind an der Unfallstelle aufgestellt.

Der Zehnjährige, der auf seinem Rad von einem Lkw erfasst worden war, ist tot. Die Polizei versucht, den Hergang zu rekonstruieren.

Der Verkehr an der belebten Kreuzung an der Venloer Straße/Escher Straße im Zentrum von Pulheim rollt wieder. Eine Ampel bestimmt den Takt. Die Kreuzung gegenüber des Barbaraparks ist weit und übersichtlich. Gleich mehrere Straßen treffen dort auf die Venloer Straße. Fußgänger wechseln die Straßenseiten und Fahrradfahrer nutzen den breiten Radweg, einige aber auch die Straße, um im Verkehrsfluss mitzuhalten. Gestern verlangsamten einige jedoch ihre Fahrt und warfen verstohlene Blicke auf die Straße.

Auch Fußgänger blieben stehen und hielten einen Augenblick inne. Überdeutlich sind dort noch die Zeichnungen von der Unfallaufnahme der Polizei zu erkennen. Und wie eine stumme und traurige Botschaft wirken die Blumen und Kerzen am Straßenrand. Sie deuten gleichzeitig auf das Unfassbare: Denn genau dort ist am Montagnachmittag ein zehnjähriger Junge bei einem Unfall so schwer verletzt worden, dass er wenig später im Krankenhaus an seinen Verletzungen verstarb.

Kreuzung gilt laut Kreis nicht als Unfallhäufungsstelle

Noch stehen die Untersuchungen der Polizei zum Unfallhergang ganz am Anfang. Nach bisherigen Kenntnissen der Ermittler sei der Junge gegen 15.40 Uhr mit seinem Fahrrad auf der Escher Straße in Fahrtrichtung Venloer Straße unterwegs gewesen. In seinem Lkw sei ein 30-Jähriger in gleicher Richtung auf der Escher Straße gefahren. Im Einmündungsbereich zur Venloer Straße ist es dann passiert. Aus noch nicht geklärter Ursache ist das Kind unter den 40-Tonner geraten.

Der Kreuzungsbereich gelte nicht als Unfallhäufungsstelle, sagt Thomas Schweinsburg von der Kreisverwaltung und ergänzt: „In den vergangenen drei Jahren sind dort keine Auffälligkeiten festgestellt worden.“ Heute tage – wie zuvor geplant – jedoch die Unfallkommission des Kreises, dann sollen auch die Kreuzung und der Unfall thematisiert werden.

Das Foto zeigt den weißen Lkw, von dem der Zehnjährige in Pulheim erfasst worden ist.

Die Polizei hat den Lkw zwecks weiterer Untersuchungen sichergestellt.

Ersthelfer und danach auch die Feuerwehrleute, Rettungskräfte und die beiden Notärzte aus Pulheim und des Rettungshubschraubers Christoph Europa haben alles darangesetzt, um den Jungen zu retten. Wie Pulheims Feuerwehrsprecher Wolfgang Schmitt mitteilte, hätten die Feuerwehrleute der hauptamtlichen Wache und der ehrenamtlichen Löschzüge den Einsatz unter der Leitung von Brandamtsrat Stephan Hambach unterstützt. Die Helfer mussten Schutzwände aufbauen, um das Kind und die Rettungskräfte vor den neugierigen Blicken der Schaulustigen zu schützen.

Gestern teilten die Polizei und die Staatsanwaltschaft mit, dass das Fahrrad des Kindes und der Lkw als Beweismittel sichergestellt worden seien. Im Einsatz waren am Dienstag auch noch einmal die Beamte des polizeilichen Opferschutzes. Am Montag standen sie der Familie und den Angehörigen des verunglückten Kindes bei, gestern waren sie auch in der Schule des Zehnjährigen, um dort die Lehrerinnen und Lehrer bei der Betreuung der Kinder zu unterstützen.

Die häufigste Unfall- und Todesursache bei Radfahrenden

„Das ist ganz schrecklich“, sagt Axel Fell, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbands Rhein-Erft. Solche Unfälle, bei denen Lkw rechts abbiegen, endeten für Radfahrenden, aber auch für Fußgänger oft tödlich oder mit sehr schweren Verletzungen. Sie zählen laut Fell zu den häufigsten Unfallursachen, bei dem Radfahrer durch Fremdverschulden schwer verunglücken.

Seit 2009 ist es Vorschrift, dass es bei Lastern keine toten Winkel mehr geben darf. Alle Spiegel von Lkw über 7,5 Tonnen müssten so eingestellt sein, dass der Fahrer stets genau im Blick hat, wer und was sich vor und neben ihm befindet. „An einem vorschriftsmäßig ausgestatteten Lkw sind deswegen sechs Spiegel angebracht, die eine Sicht vor und neben dem Lkw ermöglichen“, so Fell.

Dem ADFC fällt die selbst gewählte Aufgabe zu, demnächst ein weiteres „Geisterrad“ aufzustellen. Die weißen Räder sollen an Radfahrende erinnern, die bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen sind, und Pkw- und Lkw-Fahrer sensibilisieren, Rücksicht auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu nehmen.

Der ADFC hat im Kreis bereits drei solcher Räder aufgestellt, eines in Hürth an der Sudetenstraße, wo vor zwei Jahren ein 15-Jähriger von einem Lkw überrollt worden war, ein anderes in Pulheim-Brauweiler an der Chryslerstraße, wo eine 84-jährige Radfahrerin bei einem Unfall tödlich verletzt worden war. Und erst vor wenigen Wochen an der Alten Frauweiler Straße in Bedburg. Dort war in diesem Sommer ein 81 Jahre alter Radfahrer bei einem Zusammenstoß mit einem Auto tödlich verletzt worden.

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