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Zweites StandbeinOliven aus Stommeln: Rekordernte im nördlichsten Hain Europas

Auf dem Gartenhof Becker in Stommeln pflücken 16 Helferinnen und Helfer die Früchte von 120 Bäumen – bis zu drei Meter hoch.

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Olivenernte ist Handarbeit. Nicola Hoffmann füllt die Früchte in einen Eimer.

Die Ernte hat begonnen im nördlichsten Olivenhain Europas. Genauer gesagt auf dem Gartenhof Becker am Ortsrand von Stommeln. Und eines steht laut Inhaber Michael Becker jetzt schon fest: Es wird eine Rekordernte. Denn der Klimawandel hat für den wärmeliebenden Olivenbaum die Lebensbedingungen im Rheinland eindeutig verbessert.

Freunde und Bekannte packen mit an

Es ist eine gut gelaunte Schar, die sich an die Arbeit gemacht hat. Insgesamt seien 16 Männer und Frauen im Einsatz, Freunde, Bekannte, Unterstützer. Mit professionellen Erntehelfern wäre das nicht zu bezahlen, sagt Becker. Denn mit 120 Bäumen ist der Hain zwar einerseits schon ganz schön groß, andererseits aber noch zu klein, um Gewinn damit zu machen.

Mit Leiter, Harke und Netz zwischen den Baumreihen

Die Helfer haben sich in kleinen Trupps in den Baumreihen verteilt. Wer schwindelfrei ist, steigt auf eine Leiter, immerhin hängen die Früchte zum Teil in gut drei Metern Höhe. Andere Männer und Frauen durchkämmen mit kleinen Harken, die an Kinderspielzeug für den Sandkasten erinnern, das Geäst und streifen so die Früchte ab. Die fallen auf große Netze, die unter den Bäumen ausgebreitet sind.

Nicola Hoffmann kniet auf dem Boden, der an diesem Morgen kalt und feucht ist. Mit den Händen schaufelt sie die grünen und schwarzen Oliven in einen Eimer. Das sieht anstrengend aus. „Es macht aber total Spaß“, sagt sie, schnappt sich den schweren Eimer und trägt ihn zur Sammelstelle. Im Mittelmeerraum werden auch Erntemaschinen verwendet, aber daran verschwendet Michael Becker keinen Gedanken.

Die Idee zur Pflanzung kam um die Jahrtausendwende

Um die Jahrtausendwende hatte er die Idee, Olivenbäume zu pflanzen. Schon im zweiten Jahr habe er ernten können. Er hat vor allem die Sorte Leccino gepflanzt, die ohnehin relativ frosthart ist. Und Cipressino, denn: „Das sind gute Befruchter.“

Expertin erklärt den Unterschied zwischen grünen und schwarzen Oliven

Die Oliven in Stommeln sind reif.

Carmen Sanchez Garcia, die ebenfalls bei der Ernte hilft, ist eine echte Fachfrau, eine Expertin in der Verkostung von nativen Olivenöl. Sie kennt sich nicht nur mit dem Geschmack aus, sondern weiß auch vieles über die knorrigen Bäume und ihre Früchte. Die grünen und schwarzen Oliven seien die gleiche Sorte, nur seien die dunklen eben reifer, erklärt sie. Die Grünen seien aber eigentlich die wertvolleren, denn sie enthielten mehr Antioxidantien. Und die seien nicht nur gesund, sondern sie gäben das besondere Aroma: duftend: ein bisschen bitter, ein bisschen scharf.

Vom Einlegen der Früchte zur ersten Ölproduktion

In den kommenden Tagen will Michael Becker zu einem Winzer an die Nahe fahren, der eine Olivenpresse hat, um Öl herzustellen. Bisher sind Stommelner Oliven eingelegt worden. Dazu werden sie erst in Wasser und ein bisschen Natron „entbittert“, dann kommen sie mit Kräutern und Zitrusfrüchten in Gläser.

„Michael hat dafür ein schönes Rezept“, lobt Carmen Sanchez Garcia. Und er hat ein hölzernes Gerät, mit dem die Früchte etwas plattgedrückt werden – dann nehmen sie die Aromen der Kräuter besser auf. Allerdings setzt das mal wieder mühsame Handarbeit voraus.

Winzer entdecken Oliven als zweites Standbein

Dass ausgerechnet ein Winzer eine Ölpresse hat, ist kein Zufall. Immer mehr Weinbauern auch an der Ahr und am Rhein schafften sich mit dem Anbau von Oliven ein zweites Standbein, erzählt Becker.

Noch drei Baumreihen bis zum Rekord

Die gut gelaunten Erntehelfer arbeiten sich derweil zügig die langen Baumreihen entlang. Bis zum Mittagessen ist noch eine Weile hin, aber die Suppe, die gemeinsam gegessen wird, ist schon vorbereitet. Ob sie heute noch fertig werden? Da will sich keiner festlegen. Schließlich warten noch drei Baumreihen auf die fleißigen Hände. In den vergangenen Jahren sind so um die 300 Kilo geerntet worden. Das gilt es diesmal zu toppen. (uj)