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Intensives BerufslebenLeiterin der Kulturabteilung in Pulheim  in den Ruhestand

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Eine Frau lächelt in die Kamera.

Nach 37 Jahren als Leiterin der Kulturabteilung verabschiedet sich Angelika Schallenberg zum Monatsende in den Ruhestand

1989 übernahm Angelika Schallenberg die Leitung der Abteilung. Das Synagogenprojekt habe ihr Berufsleben entscheidend geprägt.

Wenn Angelika Schallenberg am Monatsende ihr Büro im Pulheimer Rathaus räumt, liegt ein langes, intensives Berufsleben hinter ihr. 37 Jahre war sie die Leiterin der Kulturabteilung. Das renommierte Synagogenprojekt fiel ebenso in ihren Verantwortungsbereich wie die Stadtbildinterventionen und die Reihe der „Raumklänge“ in der Alten Kirche St. Martin. Neben diesen Aushängeschildern betreute sie das Theater-Abo im Köster-Saal und das Festival „Spielarten“, das sich an Kinder und Jugendliche richtet.

Nach dem Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Romanistik hatte die Bad Honneferin eine Zeit lang freiberuflich gearbeitet, bevor sie 1989 in Pulheim die Leitung der Kulturabteilung übernahm. „Solche Möglichkeiten wie hier hätten sich in anderen Städten nicht geboten“, stellt sie rückblickend fest, auch wenn die festen Dienstzeiten anfangs durchaus gewöhnungsbedürftig waren.

Ich habe unbedingtes Vertrauen genossen, egal, was passierte
Angelika Schallenberg, scheidende Leiterin der Kulturabteilung

Dafür traf sie hier auf eine „Verwaltungsspitze mit ausgeprägtem kulturellen Interesse“. An der Seite des damaligen Kulturdezernenten Gerhard Dornseifer war sie maßgeblich an der Entwicklung des Synagogenprojekts beteiligt, das sie nach dessen frühem Tod 2001 fortführte. „Das wurde immer spannender und hat mein Berufsleben entscheidend geprägt“, so Schallenberg.

Nicht wenige der überregional beachteten Ausstellungen boten allerdings auch jede Menge Diskussionsstoff und Angriffsfläche. „Vieles ist auf Empörung gestoßen“, erinnert sich Angelika Schallenberg, die sich immer auf den Rückhalt ihrer Vorgesetzten verlassen konnte. „Ich habe unbedingtes Vertrauen genossen, egal, was passierte“, berichtet sie.

Ein Mann schaut auf ein vor ihm stehendes Laptop, im Hintergrund eine Kirche.

Der verstorbene US-Amerikaner Max Neuhaus im Jahr 2017, während er an seiner Klanginstallation 'Time Piece Stommeln' arbeitet.

Einen veritablen Skandal löste die Arbeit des spanischen Künstlers Santiago Sierra aus, der Autoabgase in die Synagoge leitete. „Das war schon schwierig, es gab viele Anfeindungen“, gibt 65-Jährige zu. In Übereinkunft von Stadt, Künstler und jüdischer Gemeinde wurde das Projekt schließlich vorzeitig beendet. „Kunst darf provozieren, häufig bleibt sogar das, was umstritten war, eher in Erinnerung“, konstatiert Schallenberg, die von jeher den Vorsatz hatte, „Leute wach zu machen“.

Rebecca Horn hat 1998 bei ihrer Arbeit „Spiegel der Nacht“ erstmalig Klang mit einbezogen – „ein großes Erlebnis“, wie Schallenberg sagt. Auch die Installation „Time Piece Stommeln“ aus dem Jahr 2007 von Max Neuhaus, in der sich Musik, Klangkunst und Bildende Kunst verbinden, sei eine „essenzielle Erfahrung“ gewesen.

Pulheim: Hunderte Menschen suchten nach Goldbarren

Vehemente Auseinandersetzungen rief im Rahmen der Stadtbildinterventionen die „Pulheimer Rochade“ hervor. Dafür ließ der Künstler Christian Hasucha 1999 eine 25 Quadratmeter große Fläche an der Pulheimer Realschule gegen eine gleich große vor der Abtei Brauweiler austauschen. Hasuchas Störmanöver verfremdete das gewohnte Erscheinungsbild für ein Dreivierteljahr und führte zu heftigen Kontroversen in der Bevölkerung.

Für die Aktion „Pulheim gräbt“ verbuddelte Michael Sailstorfer 2009 Goldbarren auf einem brach liegenden Grundstück. Hunderte Menschen gingen nach dem Bekanntwerden mit Schaufeln, Spitzhacken und Metalldetektoren auf Schatzsuche und ließen nach dem Abebben des Goldrauschs eine Hügellandschaft von skupturalen Ausmaßen zurück.

Sie sei weder ausgesprochen diplomatisch noch sonderlich widerstandsfähig, bekennt Angelika Schallenberg, der ihr früherer Chef Gerhard Dornseifer aber „viel Zuversicht“ mitgegeben habe. Ein „Liebhaber-Projekt“ waren die inzwischen beendeten „Raumklänge“. Die improvisierte Musik im halligen Kirchenraum von St. Martin hat ihr neue Eindrücke und viel Freude beschert.

Die Aussicht auf den baldigen Ruhestand löse „ ein befremdliches Gefühl“ aus, gesteht Schallenberg, die sich künftig viel in der Natur aufhalten will. Dass das Synagogenprojekt nach ihrem Ausscheiden fortgesetzt wird, erfüllt sie mit Befriedigung: „Ich habe den großen Wunsch, dass die Menschen sich auf etwas Neues einlassen“.