In den Ahl-Häre-Kosmos ist er „reingerutscht“. Schon als Achtjähriger stand er auf der Bühne und sang Karnevalslieder seines Vaters.
KarnevalNorbert Rohde ist seit 40 Jahren Dreh- und Angelpunkt der Pulheimer KG Ahl Häre

Endspurt beim Zeltaufbau: Norbert Rohde (r.) hier im Gespräch mit Ahl-Häre-Vizepräsident Reiner Iven.
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Karneval ohne Norbert Rohde? Das ist in Pulheim kaum vorstellbar. Der Ur-Pulheimer, der am Dienstag (10. Februar) seinen 79. Geburtstag feierte, war von klein auf dabei und hautnah miterlebt, was sich in der 1927 gegründeten KG Ahl Häre tat. Wenn ein Spruch auf ihn zutrifft, dann dieser: Der Karneval wurde ihm in die Wiege gelegt.
Pulheim: Vereinslied der Ahl Häre
Sein Vater Hermann war zunächst über Jahrzehnte Geschäftsführer, später Präsident der Gesellschaft. Und er hat 1947 seinen ersten Karnevalsschlager „Wollt Ihr ens richtig Fastelovend fiere, dann kutt noh Pullem bei dä Ahlen Här“ komponiert, der heute noch das Vereinslied der KG ist.
„Alles rund um die Ahl Häre hat sich bei uns zu Hause abgespielt, vom Kartenverkauf über die Organisation der Sitzungen“, so Norbert Rohde, der amtierende Ahl-Häre-Präsident seit nunmehr 40 Jahren. Das war eine ganze Menge. Sein Vater habe die Lieder und die Märsche geschrieben und mit allen Sängern geprobt. „Die Ahl Häre hatten ihre eigenen Programme und zu dem Zeitpunkt zwölf Büttenredner. Sie mussten im November vor ihm und dem Literaten ihre Reden halten, dann wurde entschieden, wer auftreten darf. Die Sitzungen lebten vom Lokalkolorit.“
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Kindersitzung organisiert
In diesen Ahl-Häre-Kosmos ist Norbert Rohde „einfach reingerutscht“. Schon als Achtjähriger hat er sich auf Bühnen getümmelt, um die Karnevalsschlager seines Vaters zu singen. Das erste Amt hat der dreifache Vater und siebenfache Großvater 1963 übernommen.
Mit der Tochter des damaligen Präsidenten habe er die Kindersitzungen organisiert. „Wir haben in der Volksschule an der Bachstraße (heute Grundschule, d. Red.) Kinder gefragt, ob sie auftreten möchten. Wir haben für sie die Reden und mein Vater die Lieder geschrieben, wir haben die Tänze einstudiert und ein komplettes Kindersitzungsprogramm gestaltet.“

Norbert Rohde steht seit Jahrzehnten auf der Bühne. Hier ist er bei einer der zwei Damensitzungen der Ahl Häre in dieser Session zu sehen.
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Als herausragende Zeit hat Norbert Rohde die zehn Jahre als Tanzoffizier der Ahl Häre in Erinnerung. „Ich habe sechs Mariechen verschlissen“, erzählt er und lacht. Auch das Jahr 1980 zählt er zu den Glanzlichtern, von denen es in seiner karnevalistischen Laufbahn viele gibt. Sie alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Auch das Jahr 1980 zählt Norbert Rohde zu den Glanzlichtern seiner karnevalistischen Laufbahn. Das Pulheimer Urgestein war der erste singende Prinz in Pullem. Pulheim stand Kopf.
An seiner Seite Bauer Christian Schnorrenberg und Jungfrau Severin Schmitz, die beide schon verstorben sind. „Wir hatten ein wunderbares Dreigestirnsjahr.“ Noch einmal in die Rolle einer anderen Tollität zu schlüpfen, kam für Norbert Rohde nicht infrage. „Ich habe gesagt, es ist ein einmaliges Erlebnis und das soll es bleiben.“
Altes Rathaus wiederbelebt
Ein Jahr später gründete der gelernte Industriefachwirt, der nach 28 Jahren bei einer Rhein-Braun-Tochter als Veranstaltungsmanager bei der Zelteverleih Schurf GmbH in Bedburg tätig war, die Stadtgarde mit 110 Mitgliedern im Alter von 40 bis 50 Jahren. Inzwischen hat sie auch weibliche Mitglieder, die jüngsten sind 16.
Stolz ist Norbert Rohde, dass es gelungen ist, das denkmalgeschützte Alte Rathaus auf dem Marktplatz wiederzubeleben. Zunächst hätten viele das Konzept für das Gestaltungs- und Finanzierungskonzept, um das Gebäude als Haus der Vereine zu nutzen, skeptisch gesehen. Doch mit dem Rückhalt der KG ist es Norbert Rohde gelungen, die Skeptiker zu überzeugen. Das Konzept ist aufgegangen. 19 Vereine, Gruppen und Gruppierungen nutzen das Gebäude, „der Marktplatz ist belebt“.
Das Lokalkolorit ging verloren
In den 40 Jahren, in denen Norbert Rohde Präsident der Ahl Häre ist, hat sich der Karneval sehr gewandelt. „Das Lokalkolorit ging verloren.“ Ein kritischer Punkt für die Ahl Häre sei die Gründung der Neuen Pulheimer KG gewesen, die ihre Sitzungsprogramme komplett mit Berufskarnevalistin bestritten hat.
„Da konnten wir mit unserem Lokalen nicht mithalten, wir mussten nachziehen und uns neu aufstellen. Das war auch ein finanzieller Kraftakt.“ Daher habe das Präsidium damals den Großen Rat und den Senat ins Leben gerufen, um eine finanzielle Absicherung für die Ahl Häre sicherzustellen.
Bleibt die Frage nach einem möglichen Nachfolger. „Das ist ein großes Problem“, räumt Norbert Rohde ein. „Auf meiner Position habe ich so viele Aufgaben angehäuft, dass niemand mehr die Verantwortung in dieser Größenordnung übernehmen kann oder möchte.“ Die KG sei momentan dabei, seine Aufgaben auf fünf Positionen – wie etwa Verwalter Eventmanager & Bewirtung – zu verteilen, damit sie auch zeitlich zu bewältigen sind.
Das Jubiläumsjahr 2027 nimmt Norbert Rohde, der Aschermittwoch seinen 80. Geburtstag feiert, in seiner Funktion als Präsident noch mit. „So lange ich es gesundheitlich noch kann, würde ich gerne im Hintergrund weiter organisieren. Die Repräsentative müssen andere übernehmen.“

