Wawrok tritt die Nachfolge von Christina Caruana-Rinkewitz an und kritisiert die eigene Partei.
NeuwahlStephan Wawrok führt die FDP in Pulheim

Der neu gewählte fünfköpfige geschäftsführende Vorstand des FDP-Stadtverbandes Pulheim (von links): Jürgen Schlüter (stellv. Vorsitzender), Filippo Caruana (Schatzmeister), Stephan Wawrok (Vorsitzender), Vivian Platz (stellv. Vorsitzende) und Martin Gawrisch (stellv. Vorsitzender).
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Mit 22 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung hat der FDP-Stadtverband Pulheim Stephan Wawrok zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt. Zuvor hatte Wawrok in einer kämpferischen Bewerbungsrede sowohl thematisiert, dass der Frust in der Mitgliedschaft nach dem schwachen Abschneiden bei der letzten Kommunalwahl mit 3,8 Prozent der Stimmen tief sitze, als auch eine Perspektive aufgezeigt, wie sich der mit rund 100 Mitgliedern größte FDP-Stadtverband im Rhein-Erft-Kreis erneuern und wieder bürgerliche Wähler für sich gewinnen könne.
Sein Programm fasste Wawrok, der sich auch bei der freiwilligen Feuerwehr engagiert, in drei Punkten zusammen. Erstens: Zusammenhalt und Erneuerung. Hier ist vor allem das Zusammenspiel zwischen Partei und Stadtratsfraktion gemeint. Zuletzt sei man häufig nicht geschlossen aufgetreten und nicht immer „nett zueinander“ gewesen. Es müsse nun darum gehen, gemeinsam Dinge zu bewegen und zu zeigen, wie man Probleme lösen wolle.
Pulheim: Vorsitzender fordert mehr Sichtbarkeit und Bürgernähe
Zweitens: Sichtbarkeit und Bürgernähe. Auch daran habe es zuletzt gehapert. Nach seiner Ansicht sei das schlechte Ergebnis bei der Kommunalwahl auch darauf zurückzuführen, dass man in den Wahlbezirken und in der Koalition im Stadtrat zu wenig sichtbar gewesen sei. Als Beispiel nannte er die FDP-Position zur Veränderung der Grundsteuer, die von den Bürgern nicht wahrgenommen worden sei. Wawrok forderte seine Parteifreunde dazu auf, für die Bürger ansprechbar zu sein und ihnen Lösungen für politische Probleme anzubieten.
Dass die FDP in Pulheim durchaus Menschen erreichen könne, hatte zuvor die bisherige Vorsitzende Christina Caruana-Rinkewitz in ihrem emotional vorgetragenen, letzten Bericht als Vorsitzende verdeutlicht. Das von der FDP veranstaltete Jazzfest, die Radtour und das Drei-Königstreffen hätten guten Zulauf gehabt. Nun komme es darauf an, die Menschen, die zu diesen Veranstaltungen kommen, auch mit politischen Botschaften zu erreichen.
Zurück zur Bewerbungsrede von Stephan Wawrok: Als dritten Programmpunkt kündigte er das Erarbeiten einer Zukunftsversion „Pulheim 2040“ an. Er bemängelte, dass im politischen Alltag zu kurzfristig nur von Legislatur zu Legislatur gedacht werde. Verwaltungsprozesse dauerten zu lange (Beispiel: Bau des neuen Schulzentrums), neue Ideen würden zerredet oder abgeblockt.
Deshalb gelte es eine Zukunftsversion für Pulheim zu entwerfen, daraus konkrete Handlungsschritte abzuleiten und auf deren Umsetzung hinzuarbeiten. Die Vision müsse zum Beispiel beinhalten, wie sich die Stadtfinanzen entwickeln sollen? Wie die Wirtschaft? Wie mit dem absehbaren Älterwerden der Pulheimer Bevölkerung umzugehen sei. Er rief alle Mitglieder dazu auf, ihre Ideen in diesen Prozess einzubringen.
Martin Gawrisch ist Stellvertreter
Mit der Botschaft, dass all das nur als Team zu erreichen sei, schloss Wawrok seine Vorstellung. Und ein Team, das hinter den vorgetragenen Ideen steht, stellten ihm die Mitglieder an die Seite. Als stellvertretende Vorsitzende wurden gewählt: Martin Gawrisch, Vivian Platz und Jürgen Schlüter.
Als Schatzmeister wurde Filippo Caruana wiedergewählt. Beisitzer sind Hans Ehm, Dr. Phil Friedrichsmeier, Andrea Rabenhorst, Claudia Thiessen, Karl-Heinz Weingarten und Michael Teufel. Letzterer war kurzfristig vorgeschlagen worden, nachdem der abwesende Uwe-Carsten Glatz im ersten Wahlgang nicht die erforderliche Zustimmung von mehr als 50 Prozent der Stimmen erreicht hatte. In einem zweiten Wahlgang setzte sich Teufel deutlich gegen Galtz durch.

